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CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS

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CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
PAYS DE LANGUE ALLEMANDE
Dieser Überblick — mit dem sich der bisherige Berichterstatter von den Leserinnen
und Lesern verabschiedet — soll, wie immer, mit der Vorstellung einiger neuer T e x t ­
e d i t i o n e n beginnen :
Unter den apokryphen Apostelschriften findet sich die ‘Visio Pauli’, ein Text über
eine Jenseitsreise in Anknüpfung an II Cor. 12, 2-4. Am Anfang steht die griechische
Paulus-Apokalypse, welche — auch in koptischer und syrischer Sprache — im Osten
wirkte, und von der im 6. Jahrhundert im südlichen Italien eine lateinische Übersetzung
bekannt gewesen sein dürfte, die indes handschriftlich erst vom 9. Jahrhundert an überlie­
fert ist. Wirksam geworden ist die ‘Visio Pauli’ indessen im Westen weniger durch diese
— in ihrem Bestand ziemlich konsistenten — Fassungen, sondern vielmehr durch eine in
vielen Gestalten auftretende kürzere Fassung. Die längere „Himmel-Hölle-Fassung“ (oder
HHF, = Paulus-Apokalypse) und das Bündel kürzerer Fassungen, „Höllen-Fassungen“
(HF, « ‘Visio Pauli’) sind als zwei unterschiedliche Texte zu behandeln. Vor allem die
Offenheit der „Höllen-Fassungen“, ihre Anwendung in unterschiedlichen Gebrauchs­
kontexten, auch ihre Übersetzungen in die Volkssprachen, bilden für die Forschung eine
dankbare, wenn auch anspruchsvolle Aufgabe. Ihr hat sich eine Doktorandin von Peter
Christian Jacobsen, Universität Erlangen-Nürnberg, unterzogen : Lenka J i r o u s k o v a .
Die Visio Pauli. Wege und Wandlungen einer orientalischen Apokryphe im lateinischen
Mittelalter, unter Einschluß der alttschechischen und deutschsprachigen Textzeugen.
(Mittellateinische Studien und Texte 34). Leiden: Brill, 2006. XVI, 1033 Seiten. ISBN
978-90-04-15055-2. — Die umfangreiche Arbeit gliedert sich in ungefähr zwei gleich
starke Hälften. Im Untersuchungsteil wird zunächst ein Überblick über die Forschungs­
situation gegeben und werden die beiden Texttypen gegeneinander abgegrenzt. Es folgt
ein minuziös gearbeiteter Katalog der westlichen Handschriften, zunächst für die lateini­
schen Versionen von HHF und HF sowie Übergangsfassungen, sodann für die alttsche­
chischen und die deutschsprachigen HF, nebst einer einzigen Handschrift, welche eine
deutschsprachige HHF enthält. Die Überlieferung der HF läßt sich in drei Hauptgruppen
gliedern, die jeweils mehrere Untergruppen enthalten ; hinzu kommen einige extravagante
Fassungen. Danach wird erörtert, wie die jüngeren HF (und die Übergangsfassungen) auf
die HHF zurückgehen, und wie sich der Bestand der Motive verändert. Auf dieser, der
Inhaltsseite wird dann besonders der Schuld- und Strafbereich innerhalb der ‘Visio Pauli’
studiert. Hierauf wird den besonderen Profilierungen des Textes in bezug auf bestimmte
Anwendungen nachgegangen ; besonders wichtig ist die Sonntagsheiligung und -ruhe.
Sodann folgen Beobachtungen zu den Textüberlieferungen, unter anderem zur Überlie­
ferungsgemeinschaft mit inhaltlich ähnlichen Texten, zu den Überschriften der Texte
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PETER STOTZ
und zu Gebrauchsspuren. Schließlich werden die alttschechischen und die mittelhoch­
deutschen Fassungen untersucht. Willkommen ist ein kurzer Überblick über den ausge­
dehnten Untersuchungsteil. Im Editionsteil wird für die lateinischen, tschechischen und
deutschen Fassungen, jeweils für einen bestimmten Texttyp eine Satz um Satz voran­
schreitende synoptische Edition geboten, in welcher jeder der 115 Textzeugen mit seinem
vollen Textbestand wiedergegeben ist.
Im 15. Kapitel der ‘Vita Alcuini’ erwähnt der Anonymus, der sie 821/829 im Kloster
Ferneres abgefaßt hatte, libellum eius a d eundum (K arolum ) de ratione orationis. Davon
gibt er in groben Zügen eine Inhaltsangabe und nennt dabei verschiedene Typen von
Gebeten. Dieser libellus ist zwar nicht auf uns gekommen, jedoch haben sich in den
Handschriften Oxford, Bodl. Libr., d’Orville 45 (Moissac, 1067/68) und Paris, BNF
lat. 2731a (Gegend von Reims, Ende 9. Jh.) zwei Fassungen eines scriptum Alkuins an
den Herrscher mit Gebetstexten erhalten ; eine weitere wichtige Quelle ist Escorial L.III.8
(letztes Drittel 9. Jh.). Alkuins Brief 304, inc. B eatu s igitu r D a v id , stellt sich demnach
als Widmungsbrief dieses libellus dar. In einer bereits 1995 bei Joachim Wollasch einge­
reichten Münsteraner Dissertation ist der Versuch unternommen worden, dieses Gebet­
buch Alkuins auf dem Hintergrund seines Umfeldes genauer zu erfassen und behutsam
einer Rekonstruktion zuzuführen : Stephan W a l d h o f f . Alcuins Gebetbuch für Karl den
Großen. Seine Rekonstruktion und seine Stellung in der frühmittelalterlichen Geschichte
der L ibelli precum . (Liturgiewissenschaftliche Quellen und Forschungen 89). Münster :
Aschendorff, 2003. IX, 485 Seiten. ISBN 3-402-4068-9. — Das erste, gut hundert Seiten
umfassende Großkapitel führt allgemein an die Privatgebetbücher des Frühmittelalters
heran. Zunächst geht es um das Wesen privaten Betens gegenüber liturgischem Beten,
um dessen zeitgenössische Bezeichnungen, um seine Grundlegung in der Bibel und die
Auswirkungen daher rührender Anweisungen in der Praxis sowie um den „Sitz im Leben“
der frühmittelalterlichen Privatgebetbücher. Was nun diese im Speziellen betrifft, wird
zunächst ein Forschungsüberblick vermittelt. Sodann wird den insularen Ursprüngen und
der dortigen Weiterentwicklung bis ins 10./11. Jahrhundert nachgegangen, darauf werden
die kontinentalen libri precum besprochen und wird Alkuins Stellung innerhalb dieser
frühmittelalterlichen Gebetbuchliteratur anhand der bisherigen Forschung erörtert. Das
Großkapitel II enthält nun den Versuch der Rekonstruktion des alkuinischen libellus.
Nach Besprechung der vorhandenen Quellen erfolgt ein kommentierender Gang durch
das Ganze. Das abschließende Kapitel ist überschrieben mit : „Wie hat Karl der Große
gebetet?“ Im Großkapitel III schließlich werden die verschiedenen Zeugnisse für die
Wirkung von Alkuins Gebetbuch besprochen. In einem gewichtigen Anhang A werden
die Fassungen des scriptum Alkuins in den Handschriften von Oxford und Paris synop­
tisch abgedruckt ; Anhang B enthält „tabellarische Übersichten über die zum privaten
Gebet zusammengestellten Psalmenreihen“, geordnet nach verschiedenen Gebets Situa­
tionen bzw. -Intentionen, jeweils nach einer ganzen Reihe von Handschriften, die der
Privatandacht dienen.
In verschiedenen Typen von Liturgiebüchem ist seit der Karolingerzeit das Vorkommen
von Litaneien eine Selbstverständlichkeit. Vor allem geht es um die Allerheiligenlitanei,
die in vielfältigem Gebrauch stand und wegen der (oft recht ausgedehnten) Reihe der ange­
rufenen Heiligen hagiographisch und kultgeschichtlich von großem Interesse ist, weshalb
sich die Bollandisten, namentlich Maurice C o e n s , für sie interessiert haben. Über die
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Gebetsformulare als ganze ist nur wenig geforscht worden. Auch in der Untersuchung,
die hier anzuzeigen ist, zurückgehend auf eine bei Johannes Fried an der Universität
Frankfurt am Main 2000 eingereichte historische Dissertation, ging es zunächst um eine
ganz konkrete Fragestellung, die in diesem Buch dann allerdings ausgeblendet worden
ist, nämlich um die in dem „Forscher Rotulus“ enthaltene Litanei : Astrid K r ü g e r . Lita­
nei-Handschriften der Karolingerzeit. (Monumenta Germaniae Histórica, Hilfsmittel 24).
Hannover : Hahn, 2007. L, 842 Seiten, 8 Abb. ISBN 978-3-7752-1131-4. — Ein erstes,
allgemein gehaltenes Kapitel unterrichtet über den Begriff Litanei — in den Texten
gewöhnlich l(a)etan ia — , über die Ursprünge dieser Gebetsform und die Herausbildung
der Allerheiligenlitanei, über deren Verhältnis zu den laudes regiae , über die Typen litur­
gischer Handschriften, welche Allerheiligenlitaneien enthalten und über deren liturgische
Verwendungen. Hierauf folgt ein Forschungsbericht und eine systematische Betrach­
tung zur Verwendung der Litaneien als historischer Quelle. Ein erster großer Hauptteil
ist einer Typologie und Quellenkunde der Allerheiligenlitaneien des 8. und 9. Jahrhun­
derts gewidmet, von der Autorin (wohl wegen ihres ursprünglichen Forschungsanliegens)
„Vergleichslitaneien“ genannt. Zunächst werden zwei große Gruppen unterschieden : Die
insularen Litaneien — nebst den dortigen Verbindungen von Litanei und laudes — einer­
seits und die „Produktionszentren“ Paris / Saint-Amand sowie St. Gallen / Salzburg ande­
rerseits. In 14 kurzen Kapiteln werden dann andere Litanei(grupp)en besprochen. Darauf
folgt, alphabetisch nach Aufbewahrungsort geordnet, ein Katalog der herangezogenen
Handschriften ; am Rande ausgeworfen ist jeweils die Nummer der darin enthaltenen
Litanei. Eine Liste der Litaneien nach laufender Nummer ordnet diese den einzelnen
Handschriften zu. Der zweite Hauptteil ist der statistischen Auswertung der Litaneien
gewidmet. Unter den Heiligen werden diejenigen des Alten Testamentes, die Apostel
und diejenigen des canon m issae besonders berücksichtigt. Es folgen dann eine Aufstel­
lung der negativen und der positiven Bitten (hier „Fürbitten“ genannt) in der zweiten
Hälfte der Litanei: die ßZ?...-Sequenz, die wf...-Sequenz, verbunden durch die meist nur
kurze per...-Sequenz. Im Anschluß an diese Darstellung der Ergebnisse wird in Tabel­
lenform das umfangreiche statistische Material geboten : Anrufungen einzelner Heiligen
aller Kategorien alphabetisch nach Namen, summarische Anrufungen nach Heiligenka­
tegorien, dann die konkreten a b ...-, p e r ...- und u t...- Bitten nach (deutsch formulierten)
Themen. Hinzu kommen die rahmenden oder Übergänge bildenden „kleinen“ Bitten.
Zum Schluß werden, nach laufender Nummer, alle bis dahin ungedruckten Litaneien
vollständig ediert. — Die (zum Teil stark verbreiteten) verifizierten Allerheiligenlita­
neien (siehe deren Verzeichnis bei Peter S t o t z , Ardua spes m undi , Bern 1972, S . 43f.)
bleiben hier gänzlich ausgeklammert.
Im vorigen Bericht (ALMA 64, S. 308) war von der Edition der ‘Collectio Danieliana’
die Rede, einer Frühform der ‘Capitula Angilramni’ (CA). Die letzteren sind „eine kleine
Strafprozeßordnung für das Anklageverfahren gegen Bischöfe“, ein Text bestehend aus
71 kurzen Bestimmungen (capitu la), numeriert von 1-51 und l bls-20bls. Er gehört dem
Komplex der pseudoisidorischen Fälschungen an, welche im Kloster Corbie seit den
späten 830er Jahren fabriziert wurden. Die CA sind in 64 Handschriften, die sich in fünf
Klassen gliedern lassen, überliefert. Einesteils sind sie mit anderen pseudoisidorischen
Texten „verfilzt“, andemteils waren sie bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts, bis zum
D ecretu m Gratians, von großer Wirkung, werden sie bis dahin doch über 230mal zitiert.
Der Editor der ‘Collectio Danieliana’ hat noch im selben Jahr die Ausgabe der CA fertig­
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PETER STOTZ
gestellt : Karl-Georg S c h o n . Die C apitula Angilram ni. Eine prozessrechtliche Fälschung
Pseudoisidors. (Monumenta Germaniae Histórica, Studien und Texte 39). Hannover :
Hahn, 2006. XIX, 198 Seiten. ISBN 3-7752-5739-X. — Die Einleitung umfaßt eine
Schilderung eines „Bischofsprozesses“ nach dieser Quelle, die Darlegung der komplexen
Überlieferung und die weitreichende Wirkungsgeschichte. Dementsprechend begleiten
den — an sich kurzen — Text drei Apparate : „CA-Handschriften“ / „Quellen und Paral­
lelfälschungen“ / „Rezipierende Sammlungen“. Der Edition ist am Schluß eine deutsche
Übersetzung beigegeben. — Bei dieser Gelegenheit sei auf die Intemetausgabe der Pseudoisidorischen Dekretalen hingewiesen : „http ://www.pseudoisidor.mgh.de/html/“.
Vor gut zehn Jahren ist eine kritische Ausgabe von Hrabans Schrift ‘De institutione
clericorum’ erschienen. Nunmehr hat derselbe Bearbeiter davon eine e ditio m in or veran­
staltet : eine benutzerfreundliche lateinisch-deutsche Parallelausgabe : Hrabanus Maurus.
De institutione clericorum / Über die Unterweisung der Geistlichen. Lateinisch-deutsch.
Übersetzt und eingeleitet von Detlev Z i m p e l . 2 Teilbände. (Fontes Christian! 61/1-2).
Tumhout: Brepols, 2006. 695 Seiten. ISBN 978-2-503-52149-7 / ... 52151-0. — Auf
die Beigabe des textkritischen Apparates wurde verzichtet. In den Sachanmerkungen
wurde selbstversändlich die Angabe der Quellen beibehalten, doch daneben finden
sich neu Hinweise etwa auf spezifische Formulierungen Hrabans oder auf allgemeinere
Forschungsliteratur. Das, was der Leser zu nutzbringendem Umgang mit diesem Text
wissen muß, ist in einer knapp hundert Seiten starken, bequem zu lesenden Einleitung
zusammengefaßt. Die Darbietung des Textes selber ist geringfügig verbessert worden,
auch konnte noch auf eine neue Handschrift mit umfangreichen Exzerpten aus dem
dritten Buch aufmerksam gemacht werden.
Vor kurzem war an dieser Stelle (ALMA 63, S. 275f.) von einem „Legendenroman“
um Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, die Rede. Nun gibt es jedoch über sie auch
eine Vita, die mehr in das übliche hagiographische Genre schlägt ; in ihrem Mittelpunkt
steht Helenas Reise nach Jerusalem und die Auffindung des Kreuzes. Die Vita stammt
von Almannus, Mönch des Klosters Hautvillers in der Diözese Reims (um 830-889). Er
verfaßte sie im Auftrag Erzbischof Hinkmars, wahrscheinlich in der Zeit vor 853 ; an
ihrer Seite steht ein Bericht über die Translation ihrer Gebeine von Rom nach Hautvillers
im Jahre 841 und stehen Wunderberichte (BHL 3772 / 3773 / 3774/5 ; NGML: A l m a n .
Hel. vita / transi. / mirac.). Vor kurzem hat die Vita eine ausführliche Bearbeitung von
derselben Seite und in ähnlichem Stile erfahren wie der genannte Legendenroman, dies
in einer Arbeit mit dem barocken Titel : Vita seu potius homilía de S. Helena ... / Lebens­
beschreibung oder eher Predigt von der heiligen Helena gemäß der Verfasserschaft
Almanns, eines Klosterbruders von Hautvillers. Aus den Acta Sanctorum (1737/1867),
verglichen mit der Handschrift der Stadtbibliothek Trier, herausgegeben, zum ersten Mal
in eine fremde Sprache übersetzt und kommentiert von Paul D r ä g e r . Zweite Edition
des Herausgebers zum Trierer Constantin-Jahr 2006. Trier: Kliomedia, 2007. 340 Seiten,
Abb. ISBN 978-3-89890-113-0. — Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht ein Abdruck des
Textes nach den Bollandisten, unter Beizug der Hs. Trier, Stadtbibi. 1179, samt einer
deutschen Übersetzung — zu welcher hier mancherlei zu bemerken wäre — in Parallel­
druck, und begleitet von einem ausführlichen, zuweilen etwas umständlichen Kommentar
sprachlich-inhaltlicher Ausrichtung, ausgerichtet auf Lemmata, die der deutschen Über­
setzung entnommen sind. Der Schluß des Buches enthält eine Einführung ins Werk
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Almanns allgemein, Ausführungen zum Inhalt und zum Aufbau, zu den Quellen und zu
der literarischen Technik der Helena-Vita. Diese Arbeit versteht sich als Beitrag zu der in
Trier 2006 gefeierten 1700. Wiederkehr der Proklamation Konstantins zum Augustus.
In dem 934 gegründeten Klosters Einsiedeln entfaltete sich eine Annalistik, deren
Entwicklung sich über 300 Jahre hin beobachten läßt. Allerdings ist sie nur zum geringen
Teil selbständig. Immerhin kann sie im schwäbischen Raum neben der Annalistik der
Bodenseeklöster Reichenau und St. Gallen einen gewissen Platz behaupten. Zu unter­
scheiden sind 1] die ‘Annales Meginradi’, nach dem heiligen Meinrad, dem Patron des
Klosters, benannt, bis in die 960er Jahre reichend, 2] die ‘Annales Heremi’ 1, anschei­
nend zu Beginn der 990 Jahre — anhand von Materialien aus Regino und dessen Fortset­
zung sowie der ‘Annales Augienses’ — nach einem bestimmten Plan angelegt, sodann 3]
die ‘Annales Heremi’ 2, ungefähr aus derselben Zeit stammend, nach Orosius, Beda,
Regino samt Fortsetzung und der regionalen Annalistik kompiliert, und 4] die ‘Annales
Einsiedlenses’, bestehend aus zwei Abschnitten, mit Einträgen zum Zeitraum 746/1039
und zu 1051/1280. Soeben hat diese Einsiedler Annalistik eine eingehende Behandlung
und Edition erfahren in : Die Annalen des Klosters Einsiedeln. Edition und Kommentar.
Herausgegeben von Conradin v o n P l a n t a . (Monumenta Germaniae Histórica, Scriptores
rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 78). Hannover : Hahn, 2007. X,
331 Seiten, 16 Tafeln. ISBN 978-3-7752-5478-6. — In der ausführlichen Einleitung geht
es nebst anderem um die nicht einfachen kodikologisch-paläographischen Verhältnisse,
die Einpassung der Annaleneinträge in den jeweiligen Rahmen (komputistische Tabellen)
und um die sorgfältige Unterscheidung der einzelnen Schreiberhände und deren chrono­
logische Eingrenzung.
Manche Texteditionen der ‘Monumenta Germaniae Histórica’ haben eine jahrzehnte­
lange Geschichte hinter sich. Dies gilt auch für die älteste Vita von Papst Leo IX. (,sedit
1049-1054): einem Grafensohn mit dem Taufnamen Bruno, der zunächst Bischof von
Toul gewesen, dann von Heinrich III. zum Papst ausersehen worden war. Bereits zu
seinen Lebzeiten, 1049/50, hatte ein Oberlothringer, der mit Brunos Herkunft, Ausbildung
und früher Wirksamkeit bestens vertraut war, mit der Abfassung einer Vita begonnen.
Erst etwa zehn Jahre danach arbeitete er die endgültige, aus zwei Büchern bestehende
Fassung aus. Man hatte die Vita einem Archidiakon Wibert oder dann Kardinal Humbert
von Silva Candida zugewiesen, indessen muß sie uns für anonym gelten. Bereits in den
1970er Jahren ging man daran, diese für die Geschichte des frühen Reformpapsttums
wichtige Quelle kritisch zu edieren; nunmehr liegt das Ergebnis, zu dessen Gelingen
mehrere beigetragen haben, vor : Die Touler Vita Leos IX. Herausgegeben und übersetzt
von Hans-Georg K r a u s e unter Mitwirkung von Detlev J a s p e r und Veronika L u k a s .
(Monumenta Germaniae Histórica, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum
separatim editi 70). Hannover: Hahn, 2007. VII, 314 Seiten. ISBN 978-3-7752-5391-8.
— Von dem Werk haben sich 23 Handschriften erhalten ; zudem hat man Kenntnis von
einigen nunmehr verlorenen. Die Überlieferung teilt sich in einen Touler Zweig (sechs
Handschriften), eine Reimser Fassung mit enthaltend, und einen Metzer Zweig (17 Hand­
schriften), bei welchem eine sekundäre Fassung unterschieden wird, zu der u. a. sechs
Handschriften des Österreichischen Legendars gehören. Die beiden ältesten, noch aus
dem 11. Jahrhundert stammenden, heute in Bern liegenden Handschriften verkörpern die
beiden Überlieferungszweige, und sie bilden die Grundlage der neuen Edition. Dies gilt
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PETER STOTZ
auch schon für die Edition von Michel P a r i s s e / Monique G o u l l e t (Paris 1997), nur
daß nun hier die ganze Breite der Überlieferung, also namentlich die späteren Fassungen,
mit dokumentiert werden. In der Einleitung wird eingehend von der Verfasserfrage, dem
Quellenwert, den herangezogenen Quellen, von Sprache und Stil und, natürlich, von der
Überlieferung gehandelt. Die Edition zeichnet sich durch einen reichhaltigen, doch knapp
gefaßten Kommentar aus. Die dem lateinischen Text beigegebene deutsche Übersetzung
wird manchen die Lektüre erleichtern.
Immer wieder kommt es vor, daß hier unter der Rubrik „Editionen“ auf Arbeiten
hinzuweisen ist, die zwar eine Textausgabe enthalten, deren Hauptgewicht jedoch in der
monographischen Aufarbeitung eines bestimmten Problems besteht. Dies gilt auch für
die folgende Erlangener theologische Dissertation von 2001/2002: Julia Eva W a n n e n ­
m a c h e r . Hermeneutik der Heilsgeschichte. D e septem sig illis und die sieben Siegel im
Werk Joachims von Fiore. (Studies in the history of Christian traditions 118). Leiden:
Brill, 2005. XIII, 393 Seiten, 3 Abb. ISBN 90-04-13750-5. — Es geht um die Interpre­
tation der Vision von den sieben Siegeln in der Apokalypse nicht allein in der kurzen
Schrift mit diesem Titel, sondern im Werk Joachims von Fiore (um 1135-1202) insge­
samt, ja (eingangs) auch um die Deutung in der älteren Bibelexegese. Im Untersuchungs­
teil, welcher weit mehr als die Hälfte der Arbeit einnimmt, geht es um die (Be-)Deutung
alttestamentlicher Figuren, Größen und Begebenheiten im Lichte der joachitischen
Geisteswelt — etwa von Nebukadnezar, Holofernes oder Haman, weiter von Ägypten
und Babylon oder der Prophetien über Gog und Magog — , um die Sicht der christlichen
Kirche in der Zeitlichkeit, aber auch um die Eschatologie : den Antichrist, das Millen­
nium und die Vollendung aller Dinge. Der schmalere Editionsteil enthält in Bezug auf
den Traktat ‘De septem sigillis’ eine Diskussion der Echtheitsfrage, die zu einem beja­
henden Schluß führt ; dies sei eines der letzten Werke Joachims gewesen. Ausgiebig wird
der handschriftliche Befund erörtert ; zwölf Textzeugen stehen zur Verfügung. Dann wird
über das Verhältnis der Handschriften zueinander und über die Gestaltung der Edition
Rechenschaft gegeben. Der Text selber — bestehend aus Kapitelpaaren je über Verfol­
gungen der Israeliten (primum [usw.] sigillum ) und der Kirche (apertio eiusdem ) —
umfaßt nur wenige Seiten. Darauf, daß inzwischen gegen Einzelheiten der Textgestal­
tung Einwände erhoben worden sind (siehe Gian Luca P o t e s t à im Deutschen Archiv
für Erforschung des Mittelalters 62, 2006, S. 283-285), kann an dieser Stelle nur eben
hingewiesen werden.
In der Diplomata-Abteilung der ‘Monumenta Germaniae Histórica’ hat man schon
vor geraumer Zeit damit begonnen, die Königsurkunden des Interregnums, von Heinrich
Raspe (sowie dessen Gemahlin Beatrix) und Wilhelm von Holland, herauszugeben. Der
dazu ausersehene Bearbeiter — der leider das Erscheinen des Bandes ganz knapp nicht
mehr erleben durfte — hatte schon bald Unterstützung durch einen niederländischen
Forscher gefunden, in dessen Verantwortung die Publikation von rund einem Viertel
der etwa 400 Diplome liegt. Wie so viele andere Projekte erfuhr auch das vorliegende
die tatkräftige Unterstützung durch hauseigene Kräfte. Insbesondere hat Alfred Gawlik
viele Diplomata-Projekte intensiv begleitet, und so auch dieses: Heinrici Rasponis et
Wilhelmi de Hollandia diplomata / Die Urkunden Heinrich Raspes und Wilhelms von
Holland. Bearbeitet von Dieter H ä g e r m a n n und Jaap G. K r u i s h e e r unter Mitwirkung
von Alfred G a w l i k . (Monumenta Germaniae Histórica, Diplomata regum et impe-
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ratorum Germaniae / Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser 18). Hannover :
Hahn, 1989-2006. X, 743, CXI Seiten, Abb. ISBN 978-3-7752-2018-7. — Die bereits
1989 erschienene Pars I enthält die 16 Diplome Heinrich Raspes (und die 2 Diplome
der Beatrix) sowie die ersten 218 Diplome Wilhelms. Der jetzt erschienene Textfaszikel
(Pars II) enthält den ganzen Rest der Urkunden Wilhelms, einschließlich einiger Zusätze
und verbesserter Textfassungen der zuerst publizierten Stücke, anhangsweise auch einige
urkundliche Stilübungen und moderne Fälschungen. Besonders erwähnt sei das sehr
detaillierte Wort- und Sachregister. Der römisch paginierte Introductio-Faszikel enthält
die kanzleigeschichtliche Einleitung, das Literaturverzeichnis und einen großzügig
bemessenen Tafelteil.
Erneut kann hier ein Band der Kölner Ausgabe der Werke des Albertus Magnus ange­
zeigt werden (siehe zuletzt : ALMA 63, 2005, S. 277): Alberti Magni De sex principiis.
Edidit Ruth M e y e r . — Liber divisionum. Edidit Hannes M ö h l e . (Alberti Magni Opera
omnia tomus 1, Pars 2; numerus currens 27). Monasteri! Westfalorum : Aschendorff,
2006. LXVI, 165 Seiten. ISBN 3-402-04756-X. — Der Band enthält zunächst den dritten
Teil der Paraphrase Alberts zum aristotelischen Organon ; die Echtheit von ‘De sex prin­
cipiis’ ist unangefochten ; entstanden ist die Schrift wohl zwischen 1251/52 und 1257.
Die Edition beruht auf 19 vollständigen und 5 unvollständigen Handschriften aus dem
13. bis 15. Jahrhundert. Soweit möglich, wird die Hs. Cambrai, Bibi. mun. 961 (859) als
Leithandschrift zur Textgestaltung herangezogen. Zwei Kapitel werden, beispielshalber,
mit Nachweis der gesamten Überlieferung vorweg gedruckt. Für ‘De divisione’, einen
Kommentar zu der gleichnamigen Schrift des Boethius, stand Albertus lange Zeit als
Verfasser nicht fest : Weil sie in den alten Werkverzeichnissen nicht aufgeführt ist, fehlte
sie auch in den früheren Ausgaben von Alberts Werken ; ihre E ditio p rin ceps stammt aus
dem Jahre 1913. Daß der Text von Albertus stammt, steht jedoch aus vielen Gründen fest,
vor allem wegen der darin enthaltenen Verweise auf andere seiner Schriften und umge­
kehrt. Zeitlich ist sie eher etwas vor als nach 1260 anzusetzen. — Der Eingang dieses
Bandes enthält eine gemeinsame Beschreibung aller Handschriften, Fragmente und alten
Drucke, welche die Werke enthalten, die in den verschiedenen Teilbänden von Tomus 1
dieser Ausgabe erschienen sind bzw. erscheinen werden (außer den hier edierten : De
quinqué universalibus’ / De praedicamentis’ / Peri hermeneias’).
Während seiner frühen Lehrtätigkeit in Paris, in den Jahren 1256/58 — nach dem
Sentenzenkommentar und vor der ‘Summa contra gentiles’ — , verfaßte Thomas von
Aquin seinen Kommentar zu dem kurzen, aber folgenreichen Traktat des Boethius über
die Trinität ; die Schrift des Thomas hat sich zum Teil autograph erhalten. Hiervon hat
eine handliche Studienausgabe auf kritischer Grundlage zu erscheinen begonnen :
Thomas von Aquin. Expositio super librum Boethii De trinitate I / Kommentar zum
Trinitätstraktat des Boethius I. Lateinisch-Deutsch. Übersetzt und eingeleitet von Peter
H o f f m a n n in Verbindung mit Hermann S c h r ö d t e r . (Herders Bibliothek der Philoso­
phie des Mittelalters 3/1). Freiburg : Herder, 2006. 247 Seiten. ISBN 978-3-451-28504-2.
— Der lateinische Text beruht auf der Edition von Bruno D e c k e r (Leiden 1955), mit
Beizug seitheriger Besserungen seitens des Herausgebers und von Pierre-Marie G i l s ;
auch wird über die Abweichungen gegenüber der neueren kritischen Ausgabe im Rahmen
der Leonina (tomus 50, Romae 1992) Rechenschaft abgelegt. Die Übersetzung wird von
Sachanmerkungen begleitet, die insbesondere dem Nachweis der Quellen dienen.
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PETER STOTZ
Selten nur besteht Veranlassung, hier auf hymnologische Arbeiten einzugehen. Auch
die jetzt anzuzeigende Untersuchung, eine Mainzer Dissertation, schlägt nicht voll in
das mediävistische Gebiet, geht es doch um die Rezeptionsgeschichte eines bestimmten
Weihnachtsliedes bis in die Neuzeit. Es geht um ein Lied, das — nicht zuletzt durch
seine lateinisch-deutsche Mischform — nachhaltige Berühmtheit erlangt hat : das wohl
auf den Anfang des 14. Jahrhunderts zurückgehende In dulci iubilo : Anne-Dore H a r z e r .
In dulci iubilo. Fassungen und Rezeptionsgeschichte des Liedes vom 14. Jahrhundert
bis zur Gegenwart. (Mainzer hymnologische Studien 17). Tübingen: Franche, 2006.
319 Seiten, 5 Abb. ISBN 3-7720-8128-2. — Ein erster großer Hauptteil ist der hand­
schriftlichen Überlieferung bis zur Reformationszeit gewidmet. Unterscheiden lassen
sich eine längere und eine kürzere Fassung, die je beträchtliche Varietäten aufweisen, wie
sich versteht, vor allem in den deutschen, weniger in den lateinischen Textbestandteilen.
Von beiden Typen wird je eine zeilenweise Synopse aller erfaßten Textzeugen geboten.
Ein großer Teil der Untersuchung gilt sodann den Überlieferungsformen in katholischen
und evangelischen Gesangbüchern. Beiderseits ist es zu völligen Eindeutschungen des
Mischtextes gekommen. Doch wird auch die Rezeption des Mischliedes im 17. und 18.
Jahrhundert und bis in die Gegenwart untersucht. Unter den Beigaben sei der Parallel­
druck verschiedener ausgewählter Fassungen hervorgehoben.
Völlig unterschiedliche sachgebundene Interessen können zu kritischen Editionen
lateinischer Texte des Mittelalters führen. So etwa die Beschäftigung mit der Herausbil­
dung und Fortentwicklung des Zivilprozeßrechtes im Abendland unter den Impulsen des
römischen Rechtes. Ein Schlüsseltext hierfür ist der ‘Tractatus testimoniorum’ des gefei­
erten Rechtslehrers Bartolus de Saxoferrato (1313/14-1357). Dieser Text ließ sich bisher
einzig nach Drucken der frühen Neuzeit benützen. Im Rahmen einer an den Sachproblemen orientierten Untersuchung ist nun die kritische Erstedition vorgelegt worden in
Form einer juristischen Dissertation der Universität Frankfurt am Main : Susanne L e p s i u s .
Der Richter und die Zeugen. Eine Untersuchung anhand des Tractatus testim oniorum
des Bartolus von Sassoferrato. Mit Edition. (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte
158). Frankfurt am Main: Klostermann, 2003. XVIII, 439 Seiten. ISBN 3-465-03240-3.
— Der eigentlichen Editionspartie stehen als erster Teil der Arbeit „Annäherungen an
einen Text“ gegenüber. Ausgegangen wird dabei von der Entwicklung des gerichtlichen
Beweisverfahrens von der Antike bis zur Gegenwart bei Annahme eines Fortschrittes im
Zeichen der Begriffstrias „Rationalität / Wahrheit / Freiheit“. Ein zweites Kapitel gilt
dem Traktat des Bartolus : seinen Überlieferungsträgem : das sind, von heute her gesehen,
zunächst die alten Drucke, dahinter stehen die spätmittelalterlichen Handschriften. Dabei
interessiert, wie sie das Verständnis des Lesers anbahnen oder auch verbauen, wie teils
der Autor, teils seine gelehrten Leser juristische Allegationen hinzufügten, und anderes
mehr. Hierauf folgt eine ausgedehnte Analyse des Textes selber. Vor dem Abschreiten
des Inhaltes im Einzelnen erfolgen Hinweise zur Arbeitsmethode des Bartolus und zu
den scholastischen Kategorien, die er anwendet ; am Schluß wird nach den Zielgruppen
des Textes gefragt. Im editorischen Teil wird den einzelnen Überlieferungsträgem und
deren Verhältnis zueinander nachgegangen. Der Text ist in Formen von unterschiedli­
cher Länge überliefert. Die Langform, an welcher Bartolus bis zu seinem Tode arbeitete,
wird am besten vergegenwärtigt durch die Hs. Vat. Barb. lat. 1398, welche der Edition
als Leithandschrift zugrundegelegt wird. Unter den Varianten figurieren auch die des
ersten Druckes (Venedig 1472). Ein erster Anhang enthält die detaillierte Beschreibung
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
287
der 43 herangezogenen Handschriften, ein zweiter die Edition der Randglossen, die sie
aufweisen.
Kürzlich konnte an dieser Stelle (ALMA 63, S. 281 f.) die kritische Edition der politi­
schen Schriften Lupolds von Bebenburg (um 1300-1363) angezeigt werden. Inzwischen
ist sein ‘Tractatus de iuribus regni et imperii Romanorum’ in einer vereinfachten, dafür
von einer deutschen Übersetzung begleiteten Studienausgabe erschienen : Lupoid von
Bebenburg. De iuribus regni et imperii / Über die Rechte von Kaiser und Reich. Heraus­
gegeben von Jürgen M i e t h k e . A u s dem Lateinischen übersetzt von Alexander S a u t e r .
(Bibliothek des deutschen Staatsdenkens 14). München : Beck, 2005. 336 Seiten, 1 Abb.
ISBN 3-406-53449-X. — Die Vereinfachung besteht unter anderm darin, daß die zahl­
reichen Zusätze einzelner Handschriften weggelassen worden sind. Beigegeben ist als
Nachwort ein einführender Text des Herausgebers : „Lupoid von Bebenburg : kanonistisches Staatsdenken in der Krise des Reiches im 14. Jahrhundert“.
Zu den vielen im Quattrocento literarisch Tätigen, die in ihrer Zeit mit ihren Werken
eine gewisse Aufmerksamkeit erregten, in der Folge jedoch völliger Vergessenheit
anheimfielen, gehört Antonio Geraldini (1448/49-1489). Er stammte aus Umbrien, war in
Florenz eine Zeitlang Schüler Francesco Filelfos, wirkte dann in unterschiedlichen Funk­
tionen am Hofe König Johanns II. von Aragon und stand ab 1479 in den Diensten von
Ferdinand II. und Isabella von Kastilien. 1469 wurde er zum p o e ta laureatus gekrönt.
Nebst ändern Werken stammt von ihm ein ‘Carmen bucolicum’, worin in zwölf Eklogen
(im Wesentlichen) das Erdendasein Jesu beschrieben wird : In bukolischer Staffage, unter
Vergabe antikischer Namen, jedoch mit Personen der Gegenwart als Rollenträger, werden
die Stationen von der sa lv a to ris nativitas und der regum adoratio bis zur em issio sancii
spiritu s durchmessen ; die letzten beiden Stücke gelten dem Jüngsten Gericht und der vita
beata. Die erste Ekloge etwa besteht aus einem Wechselgesang zweier bethlehemitischer
Hirten, der eine, Mopsus, stellt den Widmungsträger des Zyklus, Ferdinands illegitimen
Sohn Alfons, vor, der eben zum Erzbischof von Saragossa ernannt worden war. Geraldini
hatte als dessen Erzieher gewirkt und schuf diese Eklogen zu seiner Weihe i. J. 1484.
Die Dichtung wurde im folgenden Jahr gedruckt ; bis 1597 folgten elf weitere Drucke.
In neuerer Zeit wurde sie durch Wilfred P. M u s t a r d (Baltimore 1924) herausgegeben.
Vor kurzem nun ist sie in einer Bochumer Dissertation in umfassenderer Weise kritisch
ediert, übersetzt und besprochen worden : Sigrun L e i s t r i t z . Das „Carmen Bucolicum“
des Antonio Geraldini. Einleitung, Edition, Übersetzung, Analyse ausgewählter Eklogen.
(BAC, Bochumer altertumswissenschaftliches Colloquium 61). Trier : Wissenschaftli­
cher Verlag Trier, 2004. 276 Seiten, Abb. ISBN 3-88476-690-2. — Einleitend spricht die
Bearbeiterin vom Lebenslauf dieses wenig bekannten Literaten, zählt seine — zum Teil
noch unveröffentlichten — Werke auf, beschreibt die alten Drucke des ‘Carmen buco­
licum’ und ordnet sie zu einem Stemma zusammen. Auf die Edition / Übersetzung folgen
in einem monographischen Teil eine Übersicht über die Geschichte der Eklogendichtung
seit der Antike ; dabei ist vor allem diejenige der frühen Renaissance, und hier die reli­
giöse Ekloge, von Gewicht. Geraldinis Eklogen werden in diese Tradition eingeordnet
und im Einzelnen charakterisiert, auch wird auf Motive aufmerksam gemacht, die in
ihnen häufiger wiederkehren. Drei der zwölf Stücke werden einer eingehenderen Unter­
suchung unterzogen. In einem Schlußkapitel geht es einesteils um die Beweggründe zur
Abfassung dieser Dichtung, andemteils um deren Wirkung.
288
PETER STOTZ
Im Jahre 1492 trat Konrad Celtis an der — 1472 gegründeten — Universität Ingol­
stadt eine Lehrtätigkeit an, wie dies üblich war, mit einer programmatischen Antrittsvor­
lesung. Noch im selben Jahr ließ er diesen Text drucken, zusammen mit einer Reihe von
Gedichten : An der Spitze steht ein an Celtis gerichtetes Epigramm des Henricus Euticus
in phaläkeischen Hendekasyllaben (I), sodann wendet sich Celtis in einem distichischen
Kurzgedicht an den Leser (II). Das erste Hauptstück ist ein Lobgedicht (panegyris) in
156 Hexametern, gerichtet an die Fürsten, denen er seine Berufung nach Ingolstadt
verdankte (III). Darin werden sie für ihre Bemühungen um die Hebung der universitären
Bildung gelobt ; der Hauptinhalt des Gedichtes ist indessen die Schilderung der von ihnen
geförderten Disziplinen. Es folgt die Antrittsrede selber (IV) ; sie stellt einen Appell dar,
sich um höhere Bildung zu bemühen und wird als das Mittel empfohlen, Deutschland
aus der gegenwärtigen politischen Krise herauszuführen. An den Schluß stellt Celtis
zwei sapphische Gedichte. Mit dem einen will er seinen Freund Sigismund Fusilius aus
Breslau dazu anhalten, junge Leute in den Wissenschaften zu unterweisen (V). Mit dem
Imperativ Perge ... reiht er katalogartig verschiedene Lehrgegenstände aneinander. Den
Ausklang bildet ein Hymnus an Maria mit der Bitte um Frieden und Eintracht unter den
deutschen Fürsten (VI). Diesem Ensemble von Texten ist die folgende Arbeit gewidmet :
Conradi Celtis Protucii Panegyris ad duces Bavariae. Mit Einleitung, Übersetzung und
Kommentar herausgegeben von Joachim G r u b e r . ( G ra tia , Bamberger Schriften zur
Renaissanceforschung 41). Wiesbaden: Harrassowitz, 2003. LXIV, 178 Seiten. ISBN
3-447-04697-X. — In der ausführlichen Einleitung werden die Anfänge der genannten
Universität und werden die ersten Jahrzehnte des Lebens von Celtis geschildert, auch
wird seine Tätigkeit an der Universität Ingolstadt charakterisiert. Dann wird das literatur­
geschichtliche Umfeld sowie der bildungsprogrammatische Inhalt der p a n eg yris erörtert.
Die kurzen Bemerkungen zu Sprache und Stil beziehen sich auf alle sechs Stücke. Für
die Edition wird, nebst dem genannten Druck, für die Texte I bis IV eine Prager Hand­
schrift zugrunde gelegt ; die beiden sapphischen Gedichte, die der Sammlung der Oden
des Celtis angehören, sind in weiteren Textzeugen erhalten. Die kritische Edition ist von
einer parallelen deutschen Übersetzung begleitet; daran schließt sich ein ausführlicher
Kommentar, welcher die Dispositiion der Texte klarlegt und die zahlreichen Anspielungen
in ihnen erläutert. Anhangsweise sind acht Briefe des Celtis ediert und übersetzt, die mit
dem Antritt seines Lehramtes Zusammenhängen. Die Textsammlung veranschaulicht den
pädagogisch-didaktischen Impetus, den Celtis mit so vielen deutschen Humanisten teilt.
Nicht ohne Interesse sind für die Leserschaft dieser Zeitschrift lexikographische
Arbeiten aus dem Spätmittelalter oder der Wende zum 16. Jahrhundert. Zu den letzteren
gehört die in ihrer Zeit sehr erfolgreiche ‘Pappa’ des niederländischen Dichters und Schul­
mannes Johannes Murmellius (1480-1517), später auch ‘Pappa puerorum’ oder ‘Pappa
nova’ genannt. Aus dem Zeitraum zwischen 1513 und 1576 lassen sich nicht weniger als
53 Drucke namhaft machen ; hinzu kommen Bearbeitungen, welche nicht mehr den Titel
‘Pappa’ tragen. Dieses dem Lateinunterricht dienende Werk besteht in seiner Grundan­
lage aus vier Teilen ; der weitaus wichtigste davon ist ein lateinisch-deutsches Sachgrup­
penglossar, aufgeteilt in 48 semantische Bereiche. Dadurch sollte den jungen Leuten der
lateinische Wortschatz beigebracht werden und zwar, in Abgrenzung zu den mittelalter­
lichen Lehrmitteln, vermehrt auf die p r o b a d auctores ausgerichtet. Hinzu kommt eine
Sammlung von Mustersätzen aus dem Schüleralltag, eine Reihe moralischer Maximen
sowie eine Anzahl Sprichwörter. Anhangsweise ist eine Konjugationstabelle beigegeben.
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
289
Der Inhalt der Drucke ist im Einzelnen recht unstabil. Vor kurzem ist eine FaksimileAusgabe zweier wichtiger Fassungen erschienen: des 1513 in Köln bei Quentel erschie­
nenen Druckes mit niederdeutschen Übersetzungen, sodann der hochdeutschen Bear­
beitung durch Gervasius Sopherus (Sauffer), gedruckt 1517 in Basel bei Adam Petri :
Johannes Murmellius. Pappa, Köln 1513 und Basel 1517. Mit einer Einführung von Peter
O. M ü l l e r . (D ocum enta lin gu istica , Quellen zur Geschichte der deutschen Sprache des
15. bis 20. Jahrhunderts [ohne Bandnummer]). Hildesheim: Olms, 2006. ISBN 3-48712732-6. — Die Einführung orientiert umfassend über die Anlage und die Verbreitung
dieses frühneuzeitlichen Schulbuches.
Jetzt ist auf einige M o n o g r a p h i e n einzugehen : An der Universität Bochum
ist 2003 eine theologische Dissertation eingereicht worden, die eine der folgenreich­
sten Schriften aus dem Ausgang der lateinischen Patristik zum Thema hat, die ‘Regula
pastoralis’ Gregors des Großen : Silke F l o r y s z c z a k . Die Regula p a sto ra lis Gregors des
Großen. Studien zu Text, kirchenpolitischer Bedeutung und Rezeption in der Karolinger­
zeit. (Studien und Texte zu Antike und Christentum 26). Tübingen: Mohr Siebeck, 2005.
X, 444 Seiten. ISBN 3-16-148590-4. — Im ersten Hauptteil dieser ausgedehnten Studie
geht es um die Schrift selber, in dem etwas kürzeren zweiten um deren Wirkungen bei
der Beschäftigung mit dem regimen anim arum in der Karolingerzeit. Am Anfang steht
eine begriffsgeschichtliche Untersuchung von (singularisch oder pluralisch gebrauchtem)
regula in der römischen Jurisprudenz, in der altkirchlichen Theologie und im Sinne einer
Lebensordnung — was dann in den Gebrauch des Wortes im Titel von Gregors Pastorai­
regel mündet. Nun geht es um diese selber : ihren Adressaten, ihre Intention und Funktion
und ihre griechischen und lateinischen Quellen. Der Text wird dann analysiert nach Inhalt,
Argumentationsstruktur, Sprache und Stil, Terminologie sowie Bildlichkeit und Motivik.
Dann wird nach der kirchenpolitischen Bedeutung der Pastorairegel gefragt. Im zweiten
Teil wird ihre Rezeption zunächst bei Bonifatius und Chrodegang beleuchtet, dann ihre
Bedeutung für die kirchenpolitische Gesetzgebung Karls des Großen und Ludwigs des
Frommen, auch für die Reform des Bischofsamtes unter Ludwgis Söhnen — hierbei
wird in einem Exkurs besonders auf Hrabans ‘De institutione clericorum’ eingegangen.
Hierauf werden die Wirkungen von Gregors Schrift in der „Spiegelliteratur“ der Karo­
lingerzeit dargestellt : in Alkuins De virtutibus et vitiis’, in Smaragds ‘Via regia’, in den
Schriften De institutione regia’ und ‘De institutione laicali’ des Jonas von Orleans, in
Dhuodas ‘Liber manualis’, in dem Fürstenspiegel De rectoribus christianis’ des Sedulius
Scotus und schließlich in den Traktaten Hinkmars von Reims.
Der C odex (ep isto la ris) C arolinus (C o d . Karol., ed. Wilhelm G u n d l a c h , MGH
Epist. 3, S. 469-653), jene Sammlung von 99 Papstbriefen an die fränkischen Hausmeier
und Könige aus der Zeitspanne zwischen 739 und 791, welche sich in einer — aus Köln
stammenden — Wiener Handschrift des 9. Jahrhunderts erhalten hat (ÖNB 449), ist zum
Gegenstand einer in ihren Dimensionen geradezu monumentalen Untersuchung gemacht
geworden : Achim Thomas H a c k . Codex Carolinus. Päpstliche Epistolographie im 8. Jahr­
hundert. (Päpste und Papsttum 35, 172. Halbband). Stuttgart : Hiersemann, 2006-2007.
XXII, 696 und VIII, 594 Seiten, Abb. ISBN 978-3-7772-0609-7. — Einleitend beschäf­
tigt sich der Verfasser mit der Geschichte der Textsorte Brief und ihrer Erforschung allge­
mein und kommt dann auf die frühen Papstbriefe und -urkunden zu sprechen. Im ersten
Hauptteil befaßt er sich mit dem C odex Carolinus als ganzem : mit der Vorrede zu dieser
290
PETER STOTZ
Sammlung, den darin angebrachten Lemmata, mit der Handschrift als solcher sowie mit
den (modernen) Bezeichnungen der Sammlung. In Cod. Guelf 254 Heimst., welche zehn
Briefe Leos III. an Karl den Großen enthält, sieht er den Ansatz zu einer Fortsetzung
dieser Sammlung. Der nahezu 240 Seiten starke Teil II enthält eine differenzierte Bespre­
chung der formelhaften Elemente im Protokoll und im Eschatokoll der Briefe — dies mit
einem Seitenblick auf die Normen des L ib er d iu m u s — , sodann der Brieftopik — wobei
ausgiebig auch die Briefe Gregors des Großen, sodann die der Bonifatius-Korrespondenz
zur Sprache kommen. Darauf ist von dem Schlußgebet und dem Schlußwunsch in den
Briefen die Rede. Teil III enthält die Untersuchung der Anrede des Königs und der Selbst­
bezeichnung des Papstes — sprachlich interessant ist hierbei der Gebrauch des Numerus
sowie der abstrakten Anreden — . In Teil IV sind auf rund 440 Seiten unterschiedliche
kommunikative Aspekte behandelt, auch solche, an die man angesichts dieses Titels nicht
unbedingt denkt, z. B. die Onomasiologie des Briefes. Vor allem geht es jedoch um prag­
matische Aspekte : Bezugnahmen in Briefen auf andere Briefe, um Fälschungen, abge­
fangene oder verheimlichte Briefe oder um den Aufbau einer ganzen Korrespondenz.
Höchst detailliert wird das Verhältnis der Sendung von Briefen zu der Entsendung von
Gesandten erörtert. Bei den Empfehlungs- und Auftragsformeln für Gesandte etwa wird
sogar auf Adverbien wie tantopere oder m agnopere geachtet. Ein weiteres Großkapitel
betrifft die Sitte, zusammen mit einem Brief Geschenke zu übersenden. Die ausgedehnte
Studie wird schließlich auf 60 Seiten resümiert. Der umfangreiche Anhang enhält :
1] eine Liste von Protokoll- und Eschatokollformeln in den Papstbriefen von Gregor dem
Großen bis Leo III., 2] ein Verzeichnis der Briefe der Karolinger von Karl Martell bis zu
Ludwig dem Frommen, 3] die Regesten der nachgewiesenen Deperdita : von Briefen von
Päpsten, Königen und Dritten, 4] eine Prosopographie der fränkischen und der päpstli­
chen Gesandten und 5] ein Verzeichnis der Geschenke, die erwähnt sind im Briefregister
Gregors des Großen, in der Bonifatius-ZLullus-Korrespondenz und im Codex Carolinus.
Es folgen tabellarische Übersichten zu der Wiener Handschrift und den Editionen, zur
Datierung der einzelnen Stücke und zu deren Erwähnungen in den (modernen) Jahrbü­
chern des fränkischen Reiches. Unter den allgemein üblichen Beigaben nimmt hier das
Quellen- und Literaturverzeichnis allein schon 145 Seiten in Anspruch.
Von dem lateinisch-deutschen Hoheliedkommentar Willirams von Ebersberg (um
1060), sind innerhalb weniger Jahre zwei höchst schätzenswerte Ausgaben erschienen
(vgl. ALMA 60, S. 264f. und 63, S. 272f.). Dabei steht jeweils eine der grundlegenden,
automahen Handschriften im Vordergrund, die Breslauer (Wroclaw, Univ.-Bibl. R 347,
nachstehend Br) und die Ebersberger (München, Staatsbibi. Cgm 10, Eb) aus dem
Ende bzw. der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die Überlieferungsgeschichte des Werks
insgesamt ist jedoch recht vielgestaltig : 25 Handschriften (und Fragmente) enthalten
die lateinische Vers- wie auch die deutsche Prosafassung, ihrer 16 nur die lateinische
Fassung, vereinzelte nur die deutsche Fassung oder auch nur das eine davon : die Para­
phrase oder den Kommentar. Die Aufhellung der Verwandtschaftsverhältnisse ist an die
Hand genommen durch folgende Arbeit, eine in Trier bei Kurt Gärtner 2004/05 einge­
reichte Dissertation: Niels B o h n e r t . Zur Textkritik von Willirams Kommentar des
Hohen Liedes. Mit besonderer Berücksichtigung der Autorvarianten. (Text und Textge­
schichte 56). Tübingen: Niemeyer, 2006. X, 260 Seiten, Abb. ISBN 978-3-484-36056-3.
— Die beiden „Kronzeugen“, die Breslauer und die Ebersberger Handschrift, zeigen
zahlreiche Unterschiede, welche vom Autor herrühren müssen ; Eb hat meist die bessere
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
291
Lesart, setzt aber Br voraus. Williram hat seine Arbeit nach ihrer Fertigstellung sukzes­
sive in Einzelheiten verbessert ; so sind schon zu seinen Lebzeiten acht unterschiedliche
Fassungen in Umlauf gekommen. Um und nach 1100 erfolgte zu zweien Malen eine
Kontamination. Um Br und um Eb scharen sich die Textzeugen zu zwei Hauptgruppen
(b bzw. e). Der Hauptteil der Arbeit gilt deren feinerer Gliederung. Bei der Hauptgruppe
b hat man es im Wesentlichen mit konkreten Abschriften von Br zu tun, bei e mit fünf
erschließbaren (Hyp-)Archetypen. Schließlich waren einige Varianten zu behandeln,
welche sich der stemmatischen Gliederung zu entziehen scheinen : Autorvarianten und
Fehler. Anhangsweise werden (nebst anderem) geboten : ein Verzeichnis der Autorvari­
anten, wie sie im Laufe der Arbeit behandelt worden sind, eine Zusammenstellung der
prosodischen Besonderheiten der lateinischen Wortformen, die Publikation und Auswer­
tung eines Krakauer Fragmentes, ein Verzeichnis von Wiederholungen in Willirams Text,
eine Stellungnahme zu der Ausgabe von L ä h n e m a n n / R a p p (vgl. ALMA 63, S. 272f.)
sowie schließlich eine Darstellung des Stemmas, wie es sich aus den voranstehenden
Untersuchungen ergibt.
Vor einiger Zeit ist hier eine umfassende Publikation zum ‘Liber ad honorem
Augusti...’ des Petrus de Ebulo kurz angezeigt worden (ALMA 53, S. 218). Wenn hier
eine kunstgeschichtliche Arbeit — hervorgegangen aus einer Zürcher Dissertation —
genannt wird, welche dieser süditalienischen Bilderhandschrift (Bern, Burgerbibi. 120II)
gewidmet ist, so vor allem deshalb, weil die Bebilderung dieses Werkes mit dem Text
eng verknüpft ist : Sibyl K r a f t . Ein Bilderbuch aus dem Königreich Sizilien. Kunsthi­
storische Studien zum L ib er a d honorem Augusti des Petrus von Eboli (Codex 120 II
der Burgerbibliothek Bern). (Zürcher Schriften zur Kunst-, Architektur- und Kultur­
geschichte 5). Weimar: Hain, 2006. 360 Seiten, Abb. ISBN 978-3-89807-102-4. —
Nach einleitenden Kapiteln über das Königreich Sizilien von 1189 bis 1194 und über
den Verfasser der Dichtung geht es zunächst um das künstlerische Umfeld (Vorlagen,
Konzepte der Illustration u. a. m.), sodann um Studien zur Beziehung von Text und Bild
im vorliegenden Falle. Die detaillierte Behandlung des ersten und zweiten Buches des
‘Liber . ..’ ist unter den Titel „Geschichte in Worten, Geschiebe in Bildern“ gestellt. Nach
einer Erörterung des Verhältnisses von Frauen- und Männerrollen geht es um die „Bildpanegyrik im dritten Buch“. Die — selber reich illustrierte — Arbeit schließt mit einem
Blick auf Auftraggeber und Adressaten und mit einer kurzen Zusammenfassung.
Kurz sei hier noch eine kleine Arbeit erwähnt, welche einem Corpus von 25 Briefen
gilt, die in den Jahren 1463 und 1464 an Adrian de But SOCist, einen flämischen Chroniste gerichtet wurden, und die bis dahin als fiktive Schreiben beurteilt worden waren :
Thomas H a y e . Briefe aus der Studentenzeit. Die Pariser Korrespondenz des Adrian de
But (1437-1488). (Analecta Cisterciensia 55, 2005, S. 269-299).
Im Folgenden sei auf einige T a g u n g s a k t e n hingewiesen : Zum Gedenken an
die 1150. Wiederkehr des Todestags von Hrabanus Maurus wurde — nebst dem großen
wissenschaftlichen Kongreß in Amiens und Lille — auch an der Stätte seines Wirkens
als Erzbischof, in Mainz, eine Tagung abgehalten, an welcher in wenigen Vorträgen das
Wirken und die Bedeutung Hrabans beleuchtet wurden. Hierauf geht zurück : Hrabanus
Maurus. Gelehrter, Abt von Fulda und Erzbischof von Mainz. Herausgegeben von
Franz J. F e l t e n und Barbara N i c h t w e i s s . Mit Beiträgen von Karl L e h m a n n ... [et
al.]. (Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz, Beiträge zur Zeit- und Kulturgeschichte
292
PETER STOTZ
der Diözese 2006). Mainz: Publikationen Bistum Mainz, 2006. 194 Seiten, Abb. ISBN
978-3-934450-26-4. — An der Spitze steht eine Einführung von Franz J. F e l t e n :
Hrabanus Maurus : Mönch, Gelehrter, Abt von Fulda und Erzbischof von Mainz (S. 9-19),
sowie ein Festvortrag, gehalten von Hrabans Nachfolger, Karl Kardinal L e h m a n n :
Hrabanus Maurus : eine Säule der Kirche von Mainz (S. 21-34). Daran schließen sich die
acht eigentlichen Tagungsbeiträge an : Mechthild D r e y e r . Alkuin und Hrabanus Maurus :
wozu Wissen? (S. 35-49). — Marc-Aeilko A r i s . Hrabanus Maurus und die B iblioth eca
F uldensis (S. 51-69). — Michele C. F e r r a r i . Dichtung und Prophetie bei Hrabanus
Maurus (S. 71-91,4 Abb.). [Es geht um bestimmte Aspekte seines ‘Liber sanctae crucis’.]
— Wolfgang H a u b r i c h s . Fulda, Hrabanus Maurus und die theodiske Schriftlichkeit
(S. 93-120). [theodisk , die althochdeutsche Vorgängerform von deu tsch , steht hier für
Schriftwerke in den Dialekten der einzelnen Stämme, die zunächst noch nicht zu dem
Gesamtbegriff ‘deutsch’ zusammengewachsen waren.] — Emst-Dieter H e h l . Kirchliches
Leben und kirchliches Recht bei Hrabanus Maurus (S. 121-140). — David L u s c o m b e .
Hrabanus Maurus and the Predestination Controversy (S. 141-158). [Mit einer deutschen
Zusammenfassung.] — Stephanie H a a r l ä n d e r . Hrabanus Maurus und die Verbind­
lichkeit des Klostereintritts von „Kindermönchen“ (S. 159-176). — Rudolf S c h i e f f e r .
Hrabanus Maurus : der erfolgreichste Autor des 9. Jahrhunderts (S. 177-187). [Mit einem
Exkurs : Hrabanus Maurus im D ecretum G ratiani.] — Den Abschluß des Bandes bildet
der Abdruck der anläßlich des Jubiläums gehaltenen Festpredigt von Kardinal L e h m a n n :
„Nichts ist dem Gottesdienst vorzuziehen“.
Im Jahre 2002 fand in Heidelberg eine Tagung statt, an welcher im transdiszipli­
nären Gespräch Produktionen lateinischer und volkssprachiger Texte im Umkreis dreier
bestimmter kontinentaler Universitäten, allesamt Gründungen des 14. Jahrhunderts,
behandelt wurden, und deren Akten nunmehr vorliegen : Schriften im Umkreis mitteleu­
ropäischer Universitäten um 1400. Lateinische und volkssprachige Texte aus Prag, Wien
und Heidelberg : Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Wechselbeziehungen. Herausgegeben
von Fritz Peter K n a p p , Jürgen M i e t h k e und Manuela N i e s n e r . (Education and society
in the middle ages and renaissance 20). Leiden : Brill, 2004. XXIX, 310 Seiten, Abb.
ISBN 90-04-14053-0. — Eingangs entwirft der Anreger dieser Tagung, F. P. Knapp, ein
Konzept in sechs Punkten, das er der Tagung hatte zugrundelegen wolle, das jedoch,
wie er selber feststellt, in den konkreten Ergebnissen nicht voll durchschlägt. Die elf
Forschungsbeiträge sind in zwei Gruppen gegliedert, lateinisches und volkssprachiges
Schrifttum betreffend. So reinlich läßt sich die Grenze allerdings nicht ziehen : auch in
der zweiten Hälfte ist das Ausgangsmaterial zum Teil lateinischsprachig. Hiernach die
Beiträge im einzelnen: Jana N e c h u t o v ä . Konrad von Soltau: ‘Lectura super caput
Firmiter’ (S. 3-19). [Dieser Autor wirkte 1368-1387 an der Prager, von 1387-1399 an
der Heidelberger Universität. Der Gegenstand ist das 1. Kapitel des 1. Titels der Dekretalen Gregors IX ] — Dorothea W a l z . Konrad von Gelnhausen : Leben und Predigt
(S. 20-39, 1 Abb.). [Von dem Kanonisten Konrad von Gelnhausen (ca. 1320/22-1390),
dem Verfasser der ‘Epistola concordiae’ von 1380, sind zahlreiche Predigten überliefert;
diese werden hier im Hinblick auf seine Biographie ausgewertet. Besonders behandelt
werden drei in Heidelberg gehaltene Predigten von 1382/83.] — Matthias N u d i n o .
Geschäft und Moral : Schriften De contractibus’ an mitteleuropäischen Universitäten im
späten 14. und frühen 15. Jahrhundert (S. 40-62). [Thema sind sieben Lehrschriften von
Theologen über Vertragsgeschäfte kurz vor und nach 1400.] — Frantisek S m a h e l . Die
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
293
Verschriftlichung der Quodlibet-Disputationen an der Prager Artistenfakultät bis 1420
(S. 63-91). [Mit zwei Anhängen : Verzeichnis der bekannten Prager Quodlibeten in den
Jahren 1394-1417 / Quodlibet des Mag. Heinrich von Ribenicz.] — Christoph F l ü e l e r .
Ethica in Wien anno 1438 : die Kommentierung der aristotelischen ‘Ethik’ an der Wiener
Artistenfakultät (S. 92-138, 3 Abb.). [Mit zwei Anhängen : Die Wiener Ethikkommen­
tare des 15. Jahrhunderts (chronologische Reihenfolge) / Verzeichnis der Magister der
Wiener Artistenfakultät, denen ein Werk der Moralphilosophie zugeteilt wurde.] — Wolf­
gang Eric W a g n e r . P rin ceps litteratu s aut illitteratus ? Sprachfertigkeiten regierender
Fürsten um 1400 zwischen realen Anforderungssituationen und pädagogischem Huma­
nismus (S. 141-177). — Dietrich S c h m i d t k e . Pastoraltheologische Texte des Matthäus
von Krakau (S. 178-196). [Der Theologe Matthäus von Krakau lebte von 1345 bis 1410.
— Anhangsweise ein kurzer deutscher Text.] — Christoph R o t h . Lateinische und deut­
sche Predigten im Umfeld von Universität und Hof in Heidelberg um 1420 (S. 197-230).
[Anhang : Zeittafel zu den deutschen Predigten in Heidelberg zwischen ca. 1350/1450.]
— Václav B o k und Freimut L ö s e r . Der Widerruf des Peter von Unicov vor der Prager
Universitätsgemeinde (1417) (S.231-250). [Der Genannte, ein Dominikaner, sagte sich
von seiner feindseligen Haltung gegenüber dem Wyclifismus los.] — Alfred T h o m a s .
‘Die Wyclifsche’. Frauen in der Hussitenbewegung (S. 251-267). [Thema ist eine tsche­
chische Satire auf die Hussiten.] — Fritz Peter K n a p p . Liebeslieder im Universitätsmilieu
(S. 268-271). — Der Band wird durch ein ausführliches Nachwort beschlossen : Jürgen
M i e t h k e . Rückblick eines Historikers auf eine interdisziplinäre Tagung (S. 275-299).
Die Arbeit an der großangelegten, erstmaligen historisch-kritischen Ausgabe der
Werke des Nikolaus von Kues, welche seit 1932 läuft, und über deren Fortschritte in
den letzten Jahren in ALMA berichtet wurde, ist Ende 2004 offiziell beendet worden,
wiewohl die letzten Bände noch nicht ausgedruckt Vorlagen. Aus diesem Anlaß wurde im
Februar 2005 an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften eine festliche Abschluß­
tagung durchgeführt, deren Vorträge jetzt im Druck vorliegen : Nicolai de Cusa Opera
omnia. Symposium zum Abschluß der Heidelberger Akademie-Ausgabe. Heidelberg,
11. und 12. Februar 2005. Herausgegeben von Werner B e i e r w a l t e s und Hans Gerhard
S e n g e r . (Supplemente zu den Schriften der Heidelberger Akademie der Wissenschaften,
Philosophisch-historische Klasse 19; Cusanus-Studien 11). Heidelberg: Universi­
tätsverlag Winter, 2006. XIII, 190 Seiten, 3 Tafeln. ISBN 3-8253-5127-0. — Auf eine
Grußadresse des Akademiepräsidenten, Peter Graf K i e l m a n s e g g , folgt zunächst eine
kurze, von Worten des Dankes geprägte Rückschau des Präsidenten der herausgebenden
Kommission, Werner B e i e r w a l t e s . Hierauf erhält der Verleger der Ausgabe — und
so vieler weiterer philosophischer Texte — , Manfred M e i n e r , das Wort. Anschließend
geht Hans Gerhard S e n g e r auf die Geschichte dieser Edition in all ihren Einzelheiten
ein. Sodann folgen drei Vorträge bzw. Aufsätze zu inhaltlichen Aspekten des Werkes
selber : Kurt F l a s c h . D o c ta ignoran tia und negative Theologie (S. 79-100). — Walter
H a u g . Gotteserfahrung bei Nicolaus Cusanus, dargestellt aus der Perspektive der Analo­
gieformel von der unähnlichen Ähnlichkeit (S. 101-145). — Wolfhart P a n n e n b e r g . Die
bleibende Relevanz der Erkenntnislehre des Kusaners (S. 147-162). — Den Abschluß
bildet ein musikgeschichtlicher Beitrag : Peter G ü l k e . Mutmaßendes Komponieren —
über die Musik zur Zeit des Cusanus (S. 163-190).
294
PETER STOTZ
Hier noch ein kurzer Blick auf die Akten einer Tagung, welche allerdings nur zum
kleineren Teil das Mittelalter, größerenteils die Frühe Neuzeit betrifft. Es geht um das
Aufkommen der Bildungsreise, im Wesentlichen bei den Humanisten, mit älteren
Wurzeln immerhin. Davon rühren zahlreiche lateinische und volkssprachliche Berichte
her; die ersteren sind bisher nur ganz mangelhaft erforscht, und schon gar nicht unter
literarischen Gesichtspunkten. Diesem Desiderat wurde der 3. Erfurter HumanismusKongreß (2005) gewidmet, dessen Ertrag jetzt vorliegt : Gerlinde H u b e r - R e b e n i c h /
Walther L u d w i g (Herausgeber). Frühneuzeitliche Bildungsreisen im Spiegel lateini­
scher Texte. (Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt: Acta Academiae
scientiarum 11, Humanismusstudien 2). Weimar : Hain, 2007. 235 Seiten, Abb. ISBN
978-3-89807-103-1. — Der Band wird eröffnet mit einem Aufsatz von Walther L u d w i g
über „die Bildungsreise in der lateinischen Reiseliteratur“. Gerlinde H u b e r -R e b e n i c h
hebt das besondere Interesse an den Sehenswürdigkeiten des antiken Rom hervor, das
aus der ‘Narrado de mirabilibus urbis Rome’ des Magisters Gregorius (12. oder 13. Jahr­
hundert) spricht. Folker R e i c h e r t beschäftigt sich mit zwei italienischen Griechen­
landreisenden des 15. Jahrhunderts, Cristoforo Buondelmonti und Ciriaco d’Ancona.
Topographische, archäologische und epigraphische Interessen führten sie in die Ägäis,
etwa zum Berg Athos und nach Kreta. Reinhold F. G l e i befaßt sich mit den Reisen des
Hythlodaeus, einer Figur in der ‘Utopia’ des Thomas Morus (1477-1535) ; dabei stellt er
einzelne „Toposfelder“ literarischer Reisebeschreibungen in Rechnung und geht Spuren
realer Reisen nach. Es folgen sechs weitere, literarisch und geistesgeschichtlich ergiebige
Aufsätze zu Reisetexten vom 16. bis ins frühe 18. Jahrhundert. Unter anderm geht es um
die Gattungen des Propemptikon, des Hodoeporicon und des L ib er am icorum (Stammbu­
ches) als Reisebegleiter.
Unter der Rubrik G e s a m m e l t e A b h a n d l u n g e n sei hier zunächst ein
Band erwähnt, in welchem eine Anzahl inhaltlich zusammenhängender Arbeiten von
Fritz Wagner wiederabgedruckt sind. Der langjährige Inhaber des Mittellatein-Lehrstuhls
an der Freien Universität Berlin hat sich seit den 1960er Jahren mit dem Schrifttum des
Zisterzienserordens beschäftigt. Und immer wieder hat er sich in kurzen Studien oder
Betrachtungen zu geistlicher Dichtung, zum Teil solcher von Angehörigen dieses Ordens,
geäußert, die vielfach an entlegener Stelle erschienen sind. Neunzehn von ihnen, aus dem
Zeitraum von gut drei Jahrzehnten stammend, sind nunmehr — unter einem etwas zu eng
gefaßten Titel — nachgedruckt worden : Fritz W a g n e r . P h ilologia sacra C isterciensis.
Untersuchungen zur mittelalterlichen Dichtkunst der Zisterzienser und ihrer Tradition.
(Quellen und Studien zur Zisterzienserliteratur 9). Langwaden: Bemardus-Verlag, 2005.
XI, 176 Seiten. ISBN 9-937634-47-9. — Die Sammlung enthält die folgenden Beiträge:
Zur Dichtkunst des Konrad von Haimburg (S. 1-15). [Betrifft den Kartäuserprior Konrad
von Gaming / Haimburg (1*1360).] — Versus de san cto A lexi (S. 16-20). [Gedicht, inc.
Verus christicola sanctus A lexis erat ; mit Edition.] — Der P lan ctus anim ae contritae
e t com patientis des Christan von Lilienfeld (S. 21-30). [Betrifft das Gedicht Christans (1. Hälfte 13. Jh.), inc. Fiere vo lo , m e fiere iuvat, vo lo nil nisi fiere.] — Ein Pium
dictam en auf den heiligen Alexius (S. 31-41). [Betrifft das Lied inc. O Alexi, flo s a m o ris;
mit Abdruck des Textes.] — Das Benedikt-Gebet des Christan von Lilienfeld (S. 42-52).
[Inc. Ave, p a sto r et pa tro n e; mit Abdruck des Textes.] — Ein Klagelied Christans von
Lilienfeld (S. 53-66). [Betrifft seine Zeitklage, inc. Cor, m aeroris n u bilo; mit Abdruck
des Textes.] — Das Bernhard von Clairvaux-Gebet des Christan von Lilienfeld (S. 67-76).
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
295
[Inc. Ave, p a te r m onachorum ; mit Textdruck und Übersetzung.] — Der Marienhymnus
A ve m aris stella des Ambrosius Autpertus (S. 77-83). [Mit Textdruck und Abdruck der
Nachdichtung von Guido Maria D r e v e s (1896). (Die Verfasserangabe muß selbstver­
ständlich für ungesichert gelten.)] — Der Morgenhymnus „Zum Hahnenschrei“ (Ad galli
cantum ) des Ambrosius von Mailand (S. 84-92). [Inc. A etem e re rum con ditor; mit Text­
druck und Abdruck der Nachdichtung von Angelus A. H ä u s s l i n g (1989).] — Das Weih­
nachtslied In dulci iubilo (S. 93-95). [Mit Textdruck und Übersetzung.] — D ies irae, dies
illa. Eine Sequenz der Totenmesse (S. 96-104). [Mit Textdruck sowie Abdruck der Nach­
dichtung von August Wilhelm S c h l e g e l (1802).] — Zum Weihnachtsfest (S. 105-108).
— Zum Weihnachtslied (S. 109-117). [Über Weihnachtslieder der verschiedenen Zeiten.]
— Osterfeier — Osterspiel — Osterlied (S. 118-128). — Die Mariensequenz Stabat
m a te r dolorosa (S. 129-137). [Mit Textdruck und Abdruck der Übersetzung von Horst
K u s c h (1967).] — Der Weihnachtshymnus Veni redem ptor gentium des Ambrosius von
Mailand (S. 138-143). [inc. Intende, qui regis Israel; mit Textdruck und Übersetzung
nach Paul K l o p s c h (1985).] — Der Osterhymnus Iam surgit hora tertia des Ambrosius
von Mailand (S. 144-150). [Mit Textdruck und Übersetzung.] — Der H ym nus a d spiritum
sanctum (S. 151-155). [Betrifft Veni, creator spiritus. Mit Textdruck und Abdruck der
Übersetzung von Paul K l o p s c h (1995).] — Zum Nachleben mittellateinischer Hymnik
(S. 156-166). [Mit Abdruck von der Nachdichtung G o e t h e s von Veni, creator spiritus
(von 1820).]
Sodann darf hingewiesen werden auf den Wiederabdruck kürzerer, jedoch sehr
gewichtiger Arbeiten einer Philologenpersönlichkeit, welche sich, von der Literaturwis­
senschaft ausgehend, intensiv mit sozial-, mentalitäts- und kommunikationsgeschichtli­
chen Fragen befaßt hat. Die Rede ist von Peter von Moos, der ehemals an der Universität
Münster gelehrt hat und nunmehr in Frankreich seinen Forschungen lebt; 2006 hat er
sein siebzigstes Lebensjahr vollendet. Beinahe zeitgleich sind von ihm mehrere Aufsatz­
bände erschienen. Nur gerade erwähnt sei an dieser Stelle die folgende Sammlung fran­
zösisch-, englisch- und italienischsprachiger Aufsätze : Peter v o n M o o s . Entre histoire et
littérature. Communication et culture au moyen âge. (Millennio medievale 58, Strumenti
e studi, n. s. 11). Firenze : SISMEL, Edizioni del Galluzzo, 2005. XVIII, 712 Seiten.
ISBN 88-8450-146-6. Beigegeben ist dem Band am Schluß das Schriftenverzeichnis des
Autors.
Etwas ausführlicher seien zwei Bände mit deutschsprachigen Abhandlungen ange­
zeigt: P’ v ’ M \ Abaelard und Heloise / Rhetorik, Kommunikation und Medialität.
Gesammelte Studien zum Mittelalter, Band 1/2. Herausgegeben von Gert M e l v i l l e .
(Geschichte : Forschung und Wissenschaft 14. 15). Berlin : LIT Verlag, 2005. 2006. III,
391 / [V], 509 Seiten. ISBN 3-8258-9077-5 / ... 9078-3. Ein dritter Band mit Studien,
die „Öffentlichem und Privatem, dem Gemeinsamen und dem Eigenen“ gewidmet sind,
wird folgen. — Der erste Band enthält Arbeiten, die nicht nur das berühmte Paar selber
betreffen, welches dem Band den Titel gegeben hat, sondern mannigfache Aspekte der
Geistigkeit und der menschlichen Existenz im Hochmittelalter, aber ebenso unsere
Geschichtsbilder, unsere quellenkritischen und hermeneutischen Zugänge ; im Einzelnen :
Die Bekehrung Heloises (S. 9-47). [Erstdruck: 1976, umgearbeitet nach einer französi­
schen Fassung von 1972 / 1975.] — Der Briefdialog zwischen Abaelard und Heloise:
ein existenzielles Sic et N on (S. 49-97). [Erstdruck unter anderem Titel : 1974.] — Lucan
296
PETER STOTZ
und Abaelard (S. 99-128). [Mit einem Anhang : Dichtung und Wissenschaft bei Abaelard. Erstdruck: 1976.] — Cornelia und Heloise (S. 129-162). [Erstdruck: 1975.] —
P ost festu m . Was kommt nach der Authentizitätsdebatte über die Briefe Abaelards und
Heloises? (S. 163-197). [Erstdruck: 1981.] — Das Abaelard und Heloise zugeschriebene
Briefwerk. Am Nullpunkt der Zuschreibungsversuche ? (S. 199-213). [Hervorgegangen
aus einem Rundfunkvortrag, als solcher 1988 gedruckt. Mit einem Anhang : Aus einem
Brief an John Marenbon.] — Heloise und Abaelard — eine Liebesgeschichte vom 13. zum
20. Jahrhundert (S. 215-232). [Erstdruck : 1997.] — Abaelard, Heloise und ihr Paraklet :
ein Kloster nach Maß. Zugleich eine Streitschrift gegen die ewige Wiederkehr hermeneutischer Naivität (S. 233-301). [Erstdruck : 2002. — Mit zwei Exkursen : I. Über Dich­
tung und Wahrheit / II. Kurzes Nachwort zu einer langen Geschichte mit mißbrauchten
Liebesbriefen: E pistolae duorum am antium (hier erstmals gedruckt).] — Was galt im
lateinischen Mittelalter als das Literarische an der Literatur ? Eine theologisch-rhetori­
sche Antwort Abaelards (S. 303-325). [Erstdruck: 1993 (in englischer Fassung: 2003).]
— Die Collationes Abaelards und die Lage der Juden im 12. Jahrhundert (S. 327-377).
[Vorstufen zu dieser Arbeit seit 1994.]
Die Themen des zweiten Bandes sind breiter gefächert, aber es stellt sich doch der
Eindruck einer gewissen Homogeneität ein. Er enthält zwölf Arbeiten über Rhetorik,
Argumentation, Gesprächsführung, Kommunikation allgemein, aber auch über mora­
lische Fragestellungen ; im Einzelnen: Literatur- und bildungsgeschichtliche Aspekte
der Dialogform im lateinischen Mittelalter. Der D ialogu s R a tii des Eberhard von Ypern
zwischen theologischer disputado und Scholaren-Komödie (S. 3-43). [Erstdruck : 1989
(vgl. ALMA 48/49, S. 222) ; mit Literatumachträgen.] — Das argumentative Exemplum
und die ‘wächserne Nase’ der Autorität im Mittelalter (S. 45-67). [Erstdruck: 1988].
— Die Kunst der Antwort. Exempla und dicta im lateinischen Mittelalter (S. 69-106).
[Gegenüber dem Erstdruck (1991) nachgeführte Fassung.] — Das exem plum und die
exem pla der Prediger (S. 107-126). [Stark überarbeitete deutschsprachige Erstfassung
eines 1998 in französischer Sprache erschienenen Aufsatzes.] — Die italienische A rs
arengandi des 13. Jahrhunderts als Schule der Kommunikation (S. 127-152). [Erstdruck :
1993, überarbeitet.] — Der Herold : ein Kommunikationsexperte zwischen den Zeiten
(S. 153-172). [Erstveröffentlichung nach einem Festvortrag von 2004.] — Briefkon­
ventionen als verhaltensgeschichtliche Quelle (S. 173-203). [Erstveröffentlichung nach
einem Vortrag von 2005.] — Gespräch, Dialogform und Dialog nach älterer Theorie
(S. 205-227). [Erstdruck: 1997 (vgl. ALMA 56, S. 273).] — Über pragmatische Münd­
lichkeit und Schriftlichkeit (S. 229-238). [Erstdruck : 1997 (vgl. ebenda).] — Rhetorik,
Dialektik und civilis scientia im Hochmittelalter (S. 239-264). [Erstdruck : 1997.] —
A tten do est quaedem sollicitudo. Die religiöse, ethische und politische Dimension der
Aufmerksamkeit im Mittelalter (S. 265-306). [Erstdruck 2001, überarbeitet und erwei­
tert.] — Der Fehltritt. Vergehen und Versehen in der Vormodeme (S. 307-429). [Über­
arbeitete und erweiterte Fassung dreier 2001 erschienener Arbeiten.] — Am Schluß
folgt (S. 430-484) die Zusammenfassung der einigen Beiträgen beigegebenen separaten
Bibliographien ; die übrigen sind betreffs Literaturangaben autonom.
Ebenfalls im Jahre 2006 ist ein Sammelband erschienen, der auf eine Tagung des
‘Arbeitskreises für historische Colloquien, Gesellschaft und individuelle Kommunika­
tion in der Vormodeme’ zurückgeht und Peter von Moos zugeeignet ist, der in seinem
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
297
Forscherleben immer wieder Fragestellungen nachgegangen ist, in denen sich Literatur­
wissenschaft und Geschichte, insbesondere Sozialgeschichte und Kommunikationsge­
schichte, berühren : Norm und Krise von Kommunikation. Inszenierungen literarischer
und sozialer Interaktion im Mittelalter. Für Peter von Moos. [Herausgegeben von] Alois
H a h n / Gert M e l v i l l e / Werner R ö c k e . (Geschichte : Forschung und Wissenschaft 24).
Berlin: LIT Verlag, 2006. [VII], 522 Seiten, Abb. ISBN 3-8258-9945-4. — Die Beiträge
gruppieren sich um acht Schwerpunkte : „Dialogizität / Interaktion“, „Schweigen / Diskre­
tion als Kommunikation“, „Geschichte und Geschichtsschreibung“, „Literatur und Verge­
meinschaftung“, „Individualität / Identität / Eigensinn“, „Religion und Mythos“, „Poetik
/ Poetologie“ und „Trost“. Aus der großen Zahl der Aufsätze mit durchweg interessanten
Fragestellungen werden im Folgenden einige herausgegriffen, in denen es ausgeprägter
um ganz bestimmte lateinische Texte geht: Sabine G ä b e . Die Binnenkommunikation im
A brah am Hrotsvits von Gandersheim (S. 7-34). — Christel M e i e r . Dialog- und Rede­
strategien im Ysengrim us. Ein Beitrag zur Kommunikation der Verstellung (S. 35-53).
— Fritz Peter K n a p p . Gestörte oder verhinderte Religionsgespräche. Das Judentum der
mittelalterlichen Diaspora aus der Sicht Peter Abaelards und Heinrichs von Langenstein
(S. 55-71). — Rüdiger S c h n e l l . Gastmahl und Gespräch. Entwürfe idealer Konver­
sation, von Plutarch zu Castiglione (S. 73-90). [Betrifft unter anderm Macrobius und
Johannes von Salisbury.] — Gert M e l v i l l e . Systemrationalität und der dominikanische
Erfolg im Mittelalter (S. 157-171). — Brigitte Miriam B e d o s -R e z a k . D ifform itas. Invec­
tive, individuality, and identity in twelfth-century France (S. 251-271). [Im Mittelpunkt
steht der ‘Tractatus . .. ’ bzw. die ‘Invectiva in Girardum Engolismensem episcopum’
Arnulfs, nachmals Bischofs von Lisieux, von etwa 1133 (NGML : A r n u l f . L e x o v .
invect. / MLW : A r n u l f . S a g . invect.).] — Peter G o d m a n . Cain at Soissons (S. 329-353).
[Betrifft A b a e l a r d . hist, cal.] — Giles C o n s t a b l e . The dislocation of Jerusalem in the
Middle Ages (S. 355-370). — Thomas L e n t e s . Ritus und Kommentar. Tradierung durch
Kommentierung im Meßkommentar des Wilhelm Durandus (S. 397-414). — C. Stephen
J a e g e r . The stature of the learned poet in the eleventh century (S. 417-438). [Anhangs­
weise ein Verzeichnis lateinischer Dichter aus der Zeit etwa von 950 bis 1217, die ein
höheres Amt innehatten.] — Thomas H a y e . Neue Werke des Laurentius von Durham ?
Zwei unbekannte Klagegedichte zum Tode des Abtes Wilhelm von Rievaulx (1132-1145)
(S. 465-477). [Mit Edition der beiden Texte, inc. Non praetexta togae und Vespere lux
o ritu r (Walther, Initia 12142 und 20265).] — Auch dieser Band enthält eine Biblio­
graphie der Werke des Jubilars. Diese läßt sich außerdem auf dem Netz konsultieren :
http://www.petervonmoos.ch/bibliographie.html.
Im s p r a c h w i s s e n s c h a f t l i c h e n Bereich soll hier ein neues Lehrbuch
zum Vulgärlatein vorgestellt werden : Reinhard K i e s l e r . Einführung in die Proble­
matik des Vulgärlateins. (Romanistische Arbeitshefte). Tübingen: Niemeyer, 2006. XI,
136 Seiten. ISBN 978-3-484-54048-4. — Dies ist eine knappe und leichtfaßlich geschrie­
bene Darstellung des Vulgärlateins, verstanden vor allen Dingen als Quellsprache der
romanischen Sprachen ; unter diesen wird hier vorwiegend mit Französisch, Italienisch
und Spanisch gearbeitet. Zunächst wird der Gegenstand allgemein umrissen. Bei der
Darstellung der Forschungslage wird von der Überwindung der Trennung gesprochen,
die eine Zeitlang zwischen der latinistischen Erforschung des römischen Volkslateins
und des romanistischen Zugriffs auf das Vulgärlatein bestanden hatte. Die Definition des
Forschungsgegenstandes hängt eng mit dessen Benennung zusammen ; an dem vielfach
298
PETER STOTZ
kritisierten Terminus „Vulgärlatein“ wird hier festgehalten. Es folgt eine Darstellung der
äußeren Entwicklungsgeschichte vom Lateinischen zum Romanischen, durch etliche
Karten veranschaulicht. Unter die Quellen des Vulgärlateinischen wird auch die Rekon­
struktion auf Grund späterer Befunde subsumiert. Im speziellen Teil werden Phonologie,
Morphologie und Syntax abgehandelt, hierauf Lexikon, Wortbildung und Phraseologie.
Bemerkenswert ist das Kapitel über griechische Einflüsse im Wortschatz, aber auch in
der Grammatik. Zum Schluß wird das Vulgärlatein sprachtypologisch charakterisiert. In
einem problemgeschichtlich orientierten Ausblick geht es vor allem um die Rekonstruk­
tionsmethode, sodann um den Übergang vom Lateinischen zum Romanischen. Anhangs­
weise werden drei Texte je mit Übersetzung und Kommentar abgedruckt. Das schmale
Bändchen ist ganz auf die heutige Situation berechnet : inhaltlich umfassend und
anspruchsvoll, trägt es doch die Züge eines Lehrbuches. Am Schluß der einzelnen Kapitel
finden sich konkrete Aufgabenstellungen. Es wendet sich — zwangsläufig — an junge
Romanistinnen und Romanisten, für die Latein etwas sehr Entlegenes ist : Jeder noch so
geringfügige lateinische Ausdruck mußte übersetzt werden. Daß als Anhang, gewisser­
maßen als Eiserne Ration, das Flexionsparadigma von am are mitgegeben werden mußte
— von den ändern drei Konjugationsklassen ist hier gar nicht erst die Rede — , stimmt
nachdenklich.
Unter der Rubrik N a c h s c h l a g e w e r k e darf das — mit Spannung erwar­
tete — Supplement zu den von Dieter Schalter und Ewald Könsgen erarbeiteten „Initia“
angezeigt werden : Initia carminum Latinorum saeculo undécimo antiquiorum. Bibliogra­
phisches Repertorium für die lateinische Dichtung der Antike und des früheren Mittelal­
ters. Bearbeitet von Dieter S c h a l t e r und Ewald K ö n s g e n unter Mitwirkung von John
T a g l i a b u e . Fortgeführt von Thomas K l e i n . Supplementband. Göttingen : Vandenhoeck
& Ruprecht, 2005. XLVIII, 493 Seiten. ISBN 3-525-25614-0. — Seit der Publikation
der „Initia“ (1977) waren in Bonn Ergänzungen gesammelt worden : zunächst Über­
sehenes, vor allem aber die Neuzugänge in seither erschienenen Quellenpublikationen
und — was die Initien der nachantiken Dichtung betrifft — die Erwähnungen in neuerer
Sekundärliteratur. Nun hat ein ehemaliger Schüler und Mitarbeiter Dieter Schabers das
Ganze zusammengeführt und gründlich redigiert. Das Siglensystem bleibt sich gleich,
und die seinerzeitige Einleitung konnte unverändert wieder abgedruckt werden. Das
Bibliographie-Supplement umfaßt 34 Seiten. Entsprechend den Möglichkeiten, die sich
in der Zwischenzeit ergeben hatten, wählte man bei der Darstellung folgenden Weg : Die
Initien des Altbestandes wurden in ihrer Gesamtheit elektronisch eingelesen und sind
hier wiedergegeben. So erscheint in diesem Supplementband jede Initienzeile mit der
zugehörigen Nummer, gegebenenfalls nun eben mit zusätzlichen Einträgen. Initien, die
bisher nicht berücksichtigt worden waren, werden an der entsprechenden Alphabetstelle
mit ,,-a“ (z. B. für 7461a) eingeschoben. Nunmehr ist die Voraussetzung dafür geschaffen,
daß künftige Ergänzungen in viel dichterer Folge und mit verhältnismäßig geringem
Eingabeaufwand produziert werden können.
Unseren Blick auf die Z e i t s c h r i f t e n beginnen wir mit dem ‘ M i t t e l l a t e i n i s c h e n J a h r b u c h ’ : Heft 3 von Band 41(2006) umfaßt fünf Aufsätze :
Ulrich S c h i n d e l . ‘Metren des Horaz’ ( S . 347-356). [Besprechung und Edition eines
kurzen Traktates ‘Metra Horatii’ des Papulus (wohl Mönch in Luxeuil) von 674 in der
Hs. Paris BNF lat. 7530 (aus Montecassino).] — Hermann K n i t t e l . Ein Frühwerk
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
299
von Walahfrid Strabo : D e su bversion e H ierusalem (S. 357-400). [Betrifft eine Walahfrid Strabo zugewiesene Predigt über Luc. 19, 41-47a in der Hs. St. Gallen, Stiftsbibi.
565 ; mit Edition, Übersetzung und ausführlichen Erläuterungen.] — Juan M a r t o s and
Rosario M o r e n o S o l d e v i l a . Hrotsvit of Gandersheim in Spain : Apropos of ‘Pelagius’
(S. 401-411). — Rainer J a k o b i . Causa Teucri. Zur Geschichte der mittelalterlichen
Beredsamkeit (S. 413-416). [Betrifft ein Fragment einer Schuldeklamation, das sich in
einer Basler Priscian-Hs. findet; mit Edition.] — Eiöd N e m e r k é n y i . The formation of
Latin literacy in medieval Hungary (S. 4 1 7 -4 2 1 ).
Heft 1 von Band 42 (2007) enthält folgende Beiträge : Francesco R o b e r g . Text- und
redaktionskritische Probleme bei der Edition von Texten des Gebrauchs Schrifttums am
Beispiel des ‘Antidotarium Nicolai’ (12. Jahrhundert) : einige Beobachtungen. Mit einem
Editionsanhang (S. 1-19). [S. 18f. Edition des Abschnitts über das Präparat B enedicta in
dieser höchst verbreiteten Pharmakopoe.] — Konrad B u n d . Studien zu Magister Heinrich
von Avranches IV und V. : IV. Der Streit um das Franziskushospital in Marburg (1232)
und das Gedicht für Konrad, Präzeptor des Johanniterordens in Alemannien, Magister der
Kommende Heimbach (R 152). /V . Ein Dichter in inoffizieller diplomatischer Mission:
Das Gedicht an den ‘Burgenbauer’ Erzbischof Theoderich II. von Trier (R 147) über die
Sicherheit Triers und die Schönheit Montabaurs und sein zeitgeschichtlicher Hintergrund
(1240). [Mit Edition und Übersetzung der genannten Gedichte. — S. 74-78: Bibliogra­
phischer Anhang. — Teile I II dieser Aufsatzfolge erschienen im ‘Deutschen Archiv für
Erforschung des Mittelalters’ 56, S. 127-169 und 525-545 (vgl. ALMA 59, S. 292L), Teil
III, unter dem Titel „Der Streit um die Reichsabtei Lorsch und die Starkenburg (12271232/48) und die Gedichte für Abt Konrad von Lorsch (R 114-117)“, in: Zeitschrift
für die Geschichte des Oberrheins 153, 2005, S. 77-164.] — Thomas R e i s e r . Doppelte
Dissonanz und perpetuierte Demut. Die Gattungsdiskussion zur Heiligenlegende im
Spiegel der ‘Vita beati Bernardi’ des Gaufredus Grossus (S. 79-95). [Betrifft die 1132/43
verfaßte Vita des Abtes Bernhard von Tiron.]
In Band 119 (2006) der ‘ W i e n e r S t u d i e n ’ betreffen folgende Artikel
das spät- und nachantike Latein : Wim V e r b a a l . A man and his gods. Religion in the
D e reditu suo of Rutilius Claudius Namatianus (S. 157-171). — Clemens W e i d m a n n .
Prolog und Verweissystem in Contra serm onem Arrianorum . Edition eines nicht
erkannten Augustinustexts (S. 173-197). — Antonino I s o l a . D e m onachis: un titolo
controverso (Codex Theodosianus 16, 3, 1/2) (S. 199-214). — Francesco M o s e t t i C a s a r e t t o . Modelli e antimodelli per la „Cena Cypriani“ : il „teatro interiore“, Zenone e
... Apuleio ! (S. 215-246). — Thomas H a y e . Poetische Briefe aus der Unterwelt. Zwei
posthume Invektiven gegen Georg Podiebrad, Johann Rokycana und die Prager Utra­
quisten (S. 247-260). [Mit Edition.] — Wolfgang S t r o b l . A rm a tibi sunt adversum
im m anissim um Teucrum sum enda. Humanismus, Papsttum und Kreuzzugspropaganda
im 15. Jh. Das Widmungsschreiben des Hilarión aus Verona an Sixtus IV. zu zwei Ps Chrysostomus-Übersetzungen (S. 261-298). [Mit Edition, Übersetzung und Kommentar.]
— Gottfried Eugen K r e u z . ... M usasque a d vera vocare. Schicksale des lukrezischen
Venusprooemiums bei Polignac und Wieland (S. 299-315). [Betrifft das Lehrgedicht
‘Antilucretius’ von Kardinal Melchior de Polignac (1747) und die Schrift ‘Die Natur
der Dinge’ von Christoph Martin Wieland (1751). Als Anhang : Textdruck von Polignac,
‘Antilucretius’ 1 , 1-80.]
300
PETER STOTZ
Aus dem 62. Jahrgang (2006) des ‘ D e u t s c h e n A r c h i v s
für Erfor­
schung des Mittelalters’ seien folgende Arbeiten herausgegriffen: Rudolf P o k o r n y .
Kreuzzugsprojekt und Kaisersturz. Eine übersehene Quelle zu den staufisch-byzantini­
schen Verhandlungen zu Jahresbeginn 1195 (S. 65-83). [Es geht um Heinrich VI. und
den Staatsstreich Alexios’ III. gegen dessen Bruder Isaak II. Angelos. Hiervon handelt
(außer Otto von St. Blasien) auch die Chronik von S. Maria di Ferraría.] — Matthias
T h u m s e r . Letzter Wille ? Das höchste Angebot Kaiser Heinrichs VI. an die römische
Kirche (S. 85-133). [Mit Edition des in Frage stehenden Schriftstückes : eines Vorschlags
des Kaisers an Coelestin III. zu einem Vertrags Schluß (v. J. 1196).] — Josef R i e d ­
m a n n . Unbekannte Schreiben Kaiser Friedrichs II. und Konrads IV. in einer Hand­
schrift der Universitätsbibliothek Innsbruck. Forschungsbericht und vorläufige Analyse
(S. 135-200). [Mit einem umfangreichen Anhang: Universitätsbibliothek Innsbruck,
Codex 400: Regesten der Schreiben im Teil 3, fol. 96r-195r (insgesamt 208 Nummern).]
— Hartmut Hoffmann. Die ältere Burchardvita, die jüngere Kilianspassio und Stephan
von Novara (S. 485-503, Abb. la, lb, 2). — Peter Landau. Lehrbuch contra Fälschung.
Die Bamberger Anfänge der europäischen Strafrechtswissenschaft und die Würzburger
Güldene Freiheit (S. 505-536). [Betrifft den Strafrechtstraktat ‘De criminalibus causis’ in
der Hs. Bamberg, Staatsbibi. can. 17, um 1160 an der Domschule in Bamberg entstanden.]
— Jürgen H o f f m a n n . Der Adalbertskult im Aachener Marienstift (S. 607-617). [Es geht
um das Offizium inc. A d fe sta p re c io si , das im Anhang ediert wird.] — Oliver M ü n s c h .
Ein Streitschriftenfragment zur Simonie (S. 619-629). [Mit Edition.] — Hinzu kommen
Gedenkworte zum Ableben zweier verdienter Forscher, deren Namen in den vergangenen
Jahren immer wieder auch in diesen Literaturberichten erschienen sind: Den Nachruf
für Hans Martin Schaller (1923-2005), einschließlich eines Verzeichnisses seiner letzten
Veröffentlichungen, verfaßte Rudolf S c h i e f f e r (S. 481-484); derjenige für Hubert
Mordek (1939-2006) stammt von Horst F u h r m a n n (S. 877-879).
Band 33/1 (2006) der Zeitschrift ‘ F r a n c i a ’ ist dem Gedenken an Eugen Ewig
(1913-2006) gewidmet, dem Gründer des Deutschen Historischen Instituts Paris. Folgende
Beiträge seien herausgegriffen: Alberto F e r r e i r o . „Petrine primacy“ and Gregory of
Tours (S. 1-16). — Ludwig F a l k e n s t e i n . Weitere Fälschungen unter den päpstlichen
Privilegien für die Abtei Montier-en-Der ? (S. 101-118) — Matthias M. T i s c h l e r . La
réforme à travers l’écriture. Transmission de savoir historique et changement de mentalité
historiographique entre le ixe et le xne siècle à la lumière de quelques considérations de
sociologie textuelle (S. 131-140). — Christian M e y e r . La Reichenau et les avant-cour­
riers de la „réception guidonienne“ dans l’espace germanique (S. 141-148). — Thierry
L e s i e u r . Nature, biformité et modèle du discernement. Aribon de Freising et les auteurs
de Saint-Emmeran de Ratisbonne (S. 149-161). — Dominique P o i r e l . H u x o Saxo. Les
origines germaniques de la pensée d’Hugues de Saint-Victor (S. 163-174).
Aus dem 39. Band der ‘ F r ü h m i t t e l a l t e r l i c h e n S t u d i e n ’ (2005),
welcher nicht nur Früh-, sondern auch recht viel Spätmittelalterliches enthält, seien die
folgenden Beiträge erwähnt: Rüdiger S c h n e l l . Die höfische Kultur des Mittelalters
zwischen Ekel und Ästhetik (S. 1-100). [Unter anderm geht es um „affabilitas als zentrales
Kennzeichen adlig-höfischen Verhaltens“.] — Maria W i n t e r . „In Schönheit prangt alles,
alles strahlt voller Zier“. Der karolingische Herrscher und sein Körper in den zeitgenös­
sischen Schriftquellen (S. 101-128). — Hagen K e l l e r . Meinwerk von Paderborn und
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
301
Heimrad von Hasungen. Spätottonische Kirchenmänner und Frömmigkeitsformen in
Darstellungen aus der Zeit Heinrichs IV. und Friedrich Barbarossas (S. 129-150). [Auf
der Grundlage von V i t a Meinw. und E k k e b . H e r s f . Heimer.] — Thomas H a y e . Ein
spätmittelalterliches Antidot für Ovid-Liebhaber. Ambrogio Migli und der ‘Antiovidianus’ im Spiegel venezianischer Glossen (S. 203-223). — Die zweite Hälfte des Bandes
(S. 247-479) enthält die Akten eines interdisziplinären Kolloquiums über das Thema
„Vertrauensbildung durch symbolisches Handeln“, welches — im Rahmen des Teilpro­
jektes ‘Konflikt- und Friedensrituale im Spätmittelalter’ im Sonderforschungsbereich 496
— vom 29. September bis zum 1. Oktober 2004 in Münster stattfand. Die zehn Beiträge,
so spannend ihre Themen auch seien, berühren den in ALMA gepflegten Schwerpunkt
kaum und werden daher hier nicht einzeln genannt.
Aus Band 117 (2006) der ‘ S t u d i e n
und M i t t e i l u n g e n
zur
G e s c h i c h t e de s B e n e d i k t i n e r o r d e n s und s e i n e r Z w e i g e ’
seien die folgenden Arbeiten genannt: Klaus S c h r e i n e r . Q ualis d e b ea t abbas esse.
Symbolische Ausdrucksformen, gedankliche Begründugen und sozialethische Hand­
lungsnormen mittelalterlicher Abtsherrschaft (S. 7-29). — Marie-Luise H e c k m a n n .
Riten rechtlicher Beglaubigung in den Privaturkunden des Klosters Cluny (S. 61-80).
— Werner B e i e r w a l t e s . Visio D ei. Die mystische Theologie des Nicolaus Cusanus im
Kontext benediktinischer Spiritualität (S. 81-96). — Odo L a n g . Neues zur Straßburger
Benediktinerkongregation. Das ‘Originale Leopoldinum’ gefunden? (S. 203-212).
Peter S t o t z
Universität Zürich
CRONACA DEGLI AVVENIMENTI ITALIANI: 2006-2007
Tra i convegni e le iniziative culturali che hanno avuto luogo in Italia negli ultimi mesi
del 2006 e lungo il corso del 2007 sono da ricordare :
Roma (25-28 ottobre 2006) : H undert Jahre Italia Pontificia. D as Papsttum und das
v ielgestaltige Italien - Integration und D esintegration im frühen und hohen M ittelalter
- C e n t’anni d i Italia Pontificia. Il P apato e l ’Italia m ultiforme - integrazione e disin­
tegrazione n e ll’a lto e p ien o m edioevo. Convegno intemazionale organizzato dalla PiusStiftung für Papsturkundenforschung e dal Deutsches Historisches Institut in Rom.
Abbazia di Piastra - Tolentino (Macerata) (18-19 novembre 2006) : Il monacheSimo
nelle M arche. XLII Convegno di Studi Maceratesi del Centro di Studi Storici Macera­
tesi.
Todi (Perugia) (3-7 dicembre 2006) : La vita e l ’opera di Iacopone da Todi. Convegno
organizzato dal Comitato Nazionale per le celebrazioni del VII centenario della morte di
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