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CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS

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CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
PAYS DE LANGUE ALLEMANDE
Wiederum kann eine größere Zahl an neuen Texteditionen angezeigt werden ;
begonnen sei mit kirchenrechtlichen Quellen :
Ungewöhnlich in ihrer Art ist eine systematisch angelegte Kanonessammlung aus der
2. Hälfte des 8. Jahrhunderts, in welcher unter 21 Titeln in 351 kurzen Kapiteln, und
zwar großenteils in Katechismusform, zahlreiche Gebiete des kirchlichen Rechtes darge­
stellt werden. Zu den behandelten Themen gehören : die Konzilien, Wahl und Weihe der
Bischöfe, das Verhältnis von Bischof und Diözesanklerus, der Lebensunterhalt der Geist­
lichkeit, Sexualmoral und kultische Reinheit, die Weihegrade unterhalb des Priester­
amtes, die Ekklesiologie, kirchliche Feiertage, Sünde und Buße, das Eherecht sowie
Wahrsagerei und Zauberei. Augenscheinlich handelt es sich um ein Nachschlagewerk für
Priester. Diese Sammlung ist durch sieben Textzeugen überliefert, vollständig allerdings
nur in Paris BNF ms. lat. 12444 aus St-Germain-des-Prés. Dies ist zugleich die älteste
Handschrift : sie stammt aus dem Ende des 8. oder dem Anfang des 9. Jahrhunderts. Die
Anlage der Sammlung selber liegt etwas weiter zurück ; die Sprachform erinnert noch
an das merowingische Latein. Als (hauptsächliche) Quellen wurden ermittelt die
‘Collectio Hibemensis’, die ‘Statuta ecclesiae antiqua’ und die ‘Collectio vetus Gallica’.
Vor kurzem ist nun in der Schule von Hubert Mordek (Freiburg im Breisgau) eine kriti­
sche Edition dieser umfangreichen Sammlung erarbeitet worden, begleitet von einer
eingehenden Untersuchung : Michael S t a d e l m a i e r . Die Collectio Sangermanensis XXI
titulorum. Eine systematische Kanonessammlung der frühen Karolingerzeit. Studien und
Edition. (Freiburger Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte, Studien und Texte 16).
Frankfurt am Main: Lang, 2004. XXVIII, 372 Seiten. ISBN 3-631-52544-3.
Unter den Editionen kirchenrechtlicher Quellen innerhalb der Monumenta Germaniae Histórica ist soeben eine Reihe abgeschlossen worden, deren Eröffnung auf eine
Zeit zurückgeht, in der an dieser Stelle noch nicht systematisch über dergleichen Publi­
kationen berichtet wurde ; hier denn nun ein Hinweis auf das Ganze : Es geht um die
sogenannten Capitula episcoporum, auch Bischofskapitularien genannt, welche seit der
Zeit Karls des Großen bis ins 10. Jahrhundert hinein erlassen worden sind. Es handelt
sich um Anweisungen teils an die Laien, vor allem jedoch an die Pfarrgeistlichkeit. Die
Gesamtzahl der edierten Texte liegt bei 61, im engeren Sinne gehören 48 bzw. 52 dazu.
Vielfach steht nur ein einziger Textzeuge zur Verfügung, und nur zu 18 Stücken sind uns
die Namen der Urheber überliefert. Die größte Bedeutung hatte diese Textgattung im
westfränkischen Reich in der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts, schwergewichtig in den
Diözesen der Kirchenprovinzen Tours, Sens und Rouen bis etwa 870, später vermehrt in
der Kirchenprovinz Reims. Im ostfränkischen Reich ist sie nur in der Anfangszeit
vertreten, in Italien erst spät und nur vereinzelt. Der Anfang läßt sich bezeichnen mit
Theodulf von Orleans (t821), dessen erstes Kapitular ungewöhnlich gut überliefert und
breit rezipiert worden ist, der Schlußpunkt mit Bischof Atto von Vercelli (926-960).
Inhaltlich geht es um Bestimmungen zu verschiedenen Aspekten des kirchlichen Lebens,
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PETER STOTZ
welche an Diözesankapiteln erlassen worden sind. Hiernach die bibliographischen
Angaben: Capitula episcoporum. 4 Teile (Monumenta Germaniae Histórica [Leges:]
Capitula episcoporum 1-4): 1. Teil. Herausgegeben von Peter B r o m m e r . Hannover:
Hahn, 1984. XX, 286 Seiten. ISBN 3-7552-5140-5 / 2. Teil : Herausgegeben von Rudolf
P o k o r n y und Martina S t r a t m a n n unter Mitwirkung von Wolf-Dieter R u n g e . Hannover :
Hahn, 1995. XVI, 241 Seiten. ISBN 3-7752-5148-0 / 3. Teil : Herausgegeben von R’ P \
Hannover: Hahn,1995. XVIII, 379 Seiten. ISBN 3-7752-5460-9 / 4. Teil. Bearbeitet von
R’ P’ unter Mitwirkung von Veronika L u k a s . Hannover: Hahn, 2005. VII, 251 Seiten.
ISBN 3-7752-5461-7. — Der zuletzt erschienene Band enthält unter dem Titel «Die
Textgattung capitula episcoporum» einen detaillierten Überblick über alle interessie­
renden Belange: Überlieferung, Abfassungzeitraum und Wirkungsregionen, Termino­
logie und Definitionsrahmen, Inhalte, Typologie, Publikation, Vorlagen, inhaltlich
verwandte Quellengattungen, Entwicklungslinien der Quellengattung, Auslaufen und
nachfolgende Quellengattungen sowie Rezeption. Dann folgen ergänzende Hinweise zu
den Bänden 1 bis 3, zwei Exkurse sowie verschiedene Register, darunter ein umfangrei­
ches Wort- und Sachregister.
In Handschrift 217 der Stiftsbibliothek St. Gallen findet sich ein Ensemble naturwis­
senschaftlich-medizinischer Texte aus dem Frühmittelalter. Sie sind anderswo, vielleicht
in Oberitalien, geschaffen worden, sind jedoch früh ins Kloster St. Gallen gelangt. Dazu
gehört der ‘Botanicus Sangallensis’, ein nur hier überliefertes Herbar, das den SimpliciaSammlungen zugehört. 62 Pflanzen werden darin beschrieben, und es werden Rezepte
gegen vielerlei Beschwerden mitgeteilt, auch Magisches gehört dazu. 38 Pflanzenbe­
schreibungen gehen auf das Herbar des Pseudo-Apuleius aus dem 4. Jahrhundert zurück.
Der Text wurde 1928 von Erhard L a n d g r a f ediert (MLW/NGML: B o t a n . Sangall.),
doch sonst ist er im Wesentlichen unerforscht geblieben. Hier hat nun die Dissertation
einer Schülerin des Berichterstatters Abhilfe geschaffen: Monica N i e d e r e r . Der
St. Galler Botanicus. Ein frühmittelalterliches Herbar. Kritische Edition, Übersetzung
und Kommentar. (Lateinische Sprache und Literatur des Mittelalters 38). Bern : Lang,
2005. 459 Seiten. ISBN 3-03910-195-1. — Der Text hat in stärkstem Maße vulgärlatei­
nisches Gepräge, so war die Herstellung eines sinnmäßig befriedigenden Wortlautes oft
recht beschwerlich. Mit der Überlieferung mußte behutsam umgegangen werden, doch
ohne Eingriffe ging es nicht ab. Nebst der Textkonstitution stellte sich immer wieder die
Frage, was der Verfasser oder Redaktor gemeint haben mochte, denn augenscheinlich
hat er seine Quellen immer wieder mißverstanden. Auch die Identifikation der gemeinten
Pflanzen gestaltete sich oft mühsam; gewisse Zuordnungen mußten hypothetisch
bleiben. Weiter waren die hier gebotenen Pflanzencharakterisierungen wie auch die
Rezepturen mit der übrigen Rezept- und Antidotarienliteratur des frühen und hohen
Mittelalters zu konfrontieren. Neben der kritischen Neuedition wird eine parallel
laufende Übersetzung ins Deutsche geboten, zudem wird dieser intrikate Text nach text­
kritischen, quellenkritischen und interpretatorischen Gesichtspunkten durch einen einge­
henden Kommentar erschlossen. Dabei kommt nicht allein die botanische Literatur bis
in die frühe Neuzeit in den Blick, sondern, was die sprachwissenschaftlichen Fragen
betrifft, die mittelalterliche Latinität, soweit erschlossen, insgesamt. Besonders ergiebig
war dabei das Zettelmaterial des MLW ; auch in gewissen formalen Belangen ist die
Arbeit nach dessen lexikographischer Praxis ausgerichtet.
Die Erschließung der Bücherverzeichnisse aus dem Mittelalter wurde in Deutschland
mit dem Unternehmen ‘Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der
Schweiz’ (MBK) eine Zeitlang auf breiter Basis vorangetrieben. Während sich hier ein
gewisser Stillstand eingestellt hat, sind weitere Verzeichnisse in monographischer Form
bearbeitet worden, so vor einigen Jahren dasjenige von Fulda (s. ALMA 53, 1995,
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S. 216f.). Gleiches gilt nun für das Kloster Lorsch an der Bergstraße : Angelika H ä s e .
Mittelalterliche Bücherverzeichnisse aus Kloster Lorsch. Einleitung, Edition und
Kommentar. (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen 42). Wiesbaden : Harrassowitz,
2002. IX, 417 Seiten. Abb. ISBN 3-447-04490-X. — Wie in manchen ändern Klöstern
wurden in Lorsch um die Mitte des 9. Jahrhunderts die Bücherbestände inventarisiert.
Aus diesen Dezennien haben sich in zwei Handschriften der Palatina insgesamt vier,
ihrem Inhalt nach weitgehend übereinstimmende Verzeichnisse gefunden (A bis D, C
zweigeteilt in Ca und Cb). Hinzu kommt das Verzeichnis der Handbibliothek des Prie­
sters Heilrat aus dem späten 9. Jahrhundert (H). Im ersten Teil dieser umfangreichen
Arbeit, einer Heidelberger Dissertation von 2000, werden diese Kataloge beschrieben
und in engster Anlehnung an die Regeln des MBK ediert. Dabei wird paläographischkodikologisehen Einzelheiten große Aufmerksamkeit gewidmet. Der zweite Teil besteht
aus einem Kommentar, worin für jeden einzelnen alten Band nach einem festen Schema
das Nötige und Mögliche gesagt wird, u. a. geht es um die Zusammenführung der
Einträge in den Verzeichnissen untereinander, um die Verknüpfung mit einer früheren,
wenig hilfreichen Edition von Angelo M a i bzw. Gustav B e c k e r , um die Identifikation
der Texte, den Nachweis des Drucks bei M i g n e und (möglichst) einer kritischen Edition,
sodann die — oft nur tentative — Identifikation mit einer heute noch erhaltenen Hand­
schrift. Die Einträge werden fünf Gruppen zugeordnet : Bände für Sakristei und Kirche,
Bibelhandschriften, historiographische Schriften, Kirchenväter — Augustin ist weitaus
am stärksten vertreten —, sodann der ganze Rest: Dogmatisches und Kirchenrechtli­
ches, jüngere christliche Schriftsteller, antike Autoren, Briefsammlungen und Gramma­
tiken. Konkordanzen sorgen für die nötigen Verstrebungen, detaillierte Register helfen
die Materialien erschließen.
Über den ersten Bischof der Diözese Würzburg, den Angelsachsen Burchard, einen
Schüler und Mitarbeiter des Bonifatius, weiß man nur wenig Gesichertes. Im Jahre 742
an die Spitze des neuerrichteten Bistums gestellt, hatte er sich vor allem mit missionari­
schen Aufgaben zu befassen ; als sein Todesjahr gilt 753. Geraume Zeit später, 986,
wurden seine Gebeine erhoben und in ein Würzburger Kloster überführt, das von da an
nach ihm hieß. Im Zusammenhang damit wurde, am ehesten im Zeitraum 960/970, eine
knappe Vita (BHL 1483) verfaßt. Demselben Umkreis entstammt die Passio maior
Kiliani; in 15 von 26 bekannten Handschriften der älteren Burchardsvita steht diese
damit in Überlieferungsgemeinschaft. Als Verfasser hat man den Würzburger Domscholaster Stephan von Novara vermutet. Auf dieser Vita und vielen anderen Quellen beruht
eine etwas jüngere, viel umfangreichere, in drei Bücher abgeteilte Gestaltung des Stoffes
(BHL 1484). In ihrem Widmungsprolog wendet sich ein E. an einen P. ; dabei handelt es
sich offensichtlich um Ekkehard von Aura und Pilgrim, Abt des Klosters St. Burkard von
(spätestens) 1130 bis 1146. Zwischen diesem Text und Ekkehards Weltchronik lassen
sich stilistische Gemeinsamkeiten feststellen. Der Text ist in drei Handschriften aus
Würzburg und aus dem Zeitraum 1450/1588 und in einer Amorbacher Handschrift von
1448 erhalten. Auf Anregung des Michael de Leone, eines Würzburger Gelehrten, schuf
ein Johannes von Lauterbach aus Erfurt 1350 auf der Grundlage der jüngeren Prosavita
eine Versifikation in 465 zweisilbig gereimten Versus concatenati (BHL 1485) ; von ihm
stammt außerdem eine Kiliansvita in Versform. Die Versvita Burchards ist in fünf Hand­
schriften vom 14. bis zum 17. Jahrhundert erhalten. Diese drei Viten sind soeben in kriti­
scher Edition vorgelegt worden : Die Lebensbeschreibungen Bischof Burchards von
Würzburg : Vita antiquior - Vita posterior - Vita metrica. Hrsg. Desirée B a r l a v a . (MGH.
Script, rer. germ. 76). Hannover : Hahn, 2005. VIII, 277 Seiten. ISBN 3-7752-5476-5.
Die Arbeit ist hervorgegangen aus einer Bonner Dissertation von 2003/04, die unter der
Leitung von Rudolf Schieffer stand.
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PETER STOTZ
In der Reihe ‘Reichenauer Texte und Bilder’ (zuletzt: ALMA 62, 2004, S. 234)
erscheinen immer wieder gefällige, reich illustrierte Bändchen mit lateinischen Texten
samt deutscher Übersetzung, die mit dem Kloster Reichenau in Bezug stehen. So
neulich : Walter B e r s c h i n und Martin H e l l m a n n . Hermann der Lahme. Gelehrter und
Dichter (1013-1054). (Reichenauer Texte und Bilder 11). Heidelberg: Mattes, 2004.
113 Seiten, Abb. ISBN 3-930978-67-9. — Darin sind fünf Beiträge vereinigt. Den
Eingang (S. 6-13) bildet die ‘Vita Herimanni’, d. h. das, was Berthold von der Reichenau
in seiner Chronik über Herimannus, qui et heros magnus zu sagen weiß. Der lateinische
Text ist der neuen Ausgabe der Chronik von Ian S. R o b i n s o n ( s . ALMA 62, 2004, S.
236) entnommen; er ist von W. B. ins Deutsche übertragen. Sodann folgt eine biogra­
phische Studie von W. B. : «Hermann der Lahme: Leben und Werk in Übersicht»
(S. 15-31). Der dritte Beitrag stammt von M. H. : «Der Rechenlehrer Herimannus. Mit
Edition der Regulae, qualiter multiplicationes fiant in abaco ». Diese kurze Schrift wird
zunächst eingehend erläutert und in der Folge nach fünf Handschriften kritisch ediert
und ins Deutsche übersetzt (S. 33-71). Unter dem Titel «Hermann der Lahme als
Sequenzendichter» (S. 73-105) bespricht W. B. die fünf Hermann beigelegten
Sequenzen, wobei er sie je nach ihrem lateinischen Text und in einer deutschen Über­
setzung wiedergibt. Die bekannte ältere Edition, Analecta hymnica 50, S. 308-317, ist
inzwischen ersetzt worden im Rahmen einer Dissertation aus Berschins Schule — und
ihr sind hier die lateinischen Texte entnommen. Diese Arbeit ist seinerzeit wegen der Art
ihrer Veröffentlichung kaum zur Kenntnis genommen worden (leider auch an dieser
Stelle nicht) : Bettina K l e i n - I l b e c k . Antidotum vitae. Die Sequenzen Hermanns des
Lahmen. 1998. III, 252 Seiten auf 4 Microfiches. Diss. Univ. Heidelberg 1992/93.
Außerdem werden die beiden mit Hermanns Namen in Bezug gesetzten Marianischen
Antiphonen, Salve, regina und Alma redemptoris mater, besprochen (ebenfalls mit Text­
druck und Übersetzung). Das Bändchen wird beschlossen durch eine Besprechung des
einzigen mittelalterlichen Bildnisses Hermanns des Lahmen durch M. H. (S. 107-109).
Vor kurzem erst durfte an dieser Stelle (ALMA 60, 2002, S. 264f.) eine sehr über­
lieferungsnahe Ausgabe der um 1060 geschaffenen ‘Expositio in Cantica canticorum’
Willirams von Ebersberg angezeigt werden. Während es dort im Wesentlichen um die
diplomatisch getreue Wiedergabe der aus dem Kloster Ebersberg selber stammenden
Handschrift München, Staatsbibliothek Cgm 10 geht, so wird mit folgender zweispra­
chiger Edition ein etwas anderes Ziel verfolgt: Williram von Ebersberg. Expositio in
Cantica Canticorum und das ‘Commentarium in Cantica Canticorum’ Haimos von
Auxerre. Herausgegeben und übersetzt von Henrike L ä h n e m a n n und Michael R u p p .
Berlin: de Gruyter, 2004. XXXV, 290 Seiten. ISBN 3-11-017724-2. Ebenso wie in der
etwas älteren Edition wird hier ein Text geboten, welcher die dreispaltige Seiteneintei­
lung Willirams getreu widerspiegelt: links die Nachdichtung in lateinischen Hexame­
tern, in der Mitte, in weit größerer Schrift, der biblische Grundtext, rechts die spätalt­
hochdeutsche Paraphrase samt den lateinischen Reservaten. Als Leithandschrift wird die
verlorene, jedoch durch Photographien dokumentierte Handschrift Breslau, Universitäts­
bibliothek R 347 herangezogen. Dieser Text wird bei Bedarf nach der Ebersberger
(Münchener) Handschrift korrigiert. Für die (in der Breslauer Handschrift großenteils
fehlenden) Angaben der voces (das heißt : der biblischen Sprecherrollen) ist die Hand­
schrift Leiden, Universitätsbibliothek B.P.L. 130 beigezogen.) Nebst dem textkritischen
und dem quellenkritischen Apparat — beide können recht kurz gefaßt sein — steht nun
am Seitenfuß jeweils der entsprechende Abschnitt aus dem Bezugstext, nach welchem
Williram gearbeitet hat, nämlich aus dem Hoheliedkommentar Haimos von Auxerre
(nach der Ausgabe von Gottfried H i t t o r p , Köln 1529, nachgedruckt in PL 117, Sp. 295358). All dies ist jeweils der linken Seite zugewiesen, während auf der rechten Seite die
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vier Textelemente, in genau entsprechender Druckanordnung, ins Deutsche übersetzt
gegenüberstehen. In der 3., dem althochdeutschen Text vorbehaltenen Spalte ist nicht
nur in der Edition, sondern auch in der Übersetzung, durch die Verteilung von Antiqua
und Kursive, zwischen Deutsch und Latein genau unterschieden. Der modernen deut­
schen Wiedergabe ist große Sorgfalt gewidmet; in der Einleitung wird über die
befolgten Grundsätze eingehend Rechenschaft abgelegt. Eine mit viel Überlegung erar­
beitete, höchst benutzerfreundliche Edition !
An der mittelalterlichen Weltchronistik fesselt uns vor allem die in ihr zutage
tretende geistige Gesamtschau, interessiert die Art der historischen Darstellung und die
Bewertung der Ereignisse. Hervorgegangen ist sie jedoch — das vergißt man vielleicht
bisweilen — aus komputistisch-chronologischen Bemühungen. Zunächst, aber auch
immer wieder neu, stellte sich das Problem, die verschiedenen Zyklen (Mondjahr,
Sonnenjahr, 7-Tage-Woche) und Ären, die chronologischen Fixpunkte in der historia
sacra und der Profangeschichte, miteinander in Einklang zu bringen. Ganz im Banne
dieser Bemühungen steht das Werk ‘De decursu temporum’ Heimos von Bamberg (etwa
1080/90 bis 1139), eines Schülers des Chronisten Frutolf von Michelsberg. Heimo fühlt
sich veranlaßt, die Zeitrechnung zu verbessern, nämlich die Weltschöpfungsära um
73 Jahre im Sinne einer Verlängerung zu korrigieren. Er tut dies in einer ausladenden,
aus sieben Büchern bestehenden Untersuchung, welche eine Weltchronik eigener Art
darstellt. Die ersten drei Bücher gelten der Zeit bis zur Passion Christi, das vierte und
fünfte Buch der Zeit seither, somit der sexta aetas nach der hergebrachten Weltalter­
lehre ; in den Büchern VI und VII wird das zuvor Ausgeführte in tabellarischer Form
nochmals dargestellt. Näherhin enthält Buch I eine grundlegende Untersuchung des zeit­
lichen Ablaufs zwischen Weltschöpfung und Passion, in Buch II werden die Ergebnisse
aus Nachrichten der profanen Geschichtsschreiber bestätigt, während Buch III der
Erklärung der Prophetie von den siebzig (Jahr-)Wochen (Dan. 9, 24-27) gewidmet ist. In
Buch IV werden die anni Domini mit den Regierungsjahren der Herrscher verrechnet —
eine Eigenheit Heimos ist, daß er die sexta aetas nicht mit der Geburt, sondern mit der
Passion Christi beginnen läßt —, in Buch V werden die Pontifikatsjahre der Päpste damit
koordiniert. Von Heimos Arbeit gibt es zwei Fassungen, die sich je in einer Münchener
Handschrift erhalten haben : Die erste datiert vom Jahre 1135 und ist in einer aus Augs­
burg, aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts stammenden Handschrift (clm 2, Sigle A)
enthalten. Eine zweite, überarbeitete und vermehrte Fassung, entstanden im Zeitraum
1135/38, ist in einer Tegemseer Handschrift aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts (clm
18769, T) überliefert. Soeben ist die kritische Erstedition dieses Werks erschienen,
hervorgegangen aus einer Würzburger Dissertation von 1983/84 : Heimo von Bamberg.
De decursu temporum. Herausgegeben von Hans Martin W e i k m a n n . (Monumenta
Germaniae Histórica: Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters 19). Hannover :
Hahn, 2004. VIII, 610 Seiten, 12 Abb. ISBN 3-7752-1019-9. Ediert sind darin die
Bücher I bis V, während von den — großenteils aus Tabellen bestehenden — Büchern
VI und VII nur die rahmenden Textpartien berücksichtigt sind. Der Hauptsache nach
geht es, wie sich versteht, um die Endfassung, doch wird die kürzere Erstfassung auf der
unteren Seitenhälfte mit ediert. Beigegeben ist eine in beiden Handschriften mit Heimos
Chronik verbundene, verhältnismäßig kurze komputistische Schrift, die Heimo redigiert
hat, für die er jedoch als Verfasser nicht feststeht.
Vor kurzem ist, hervorgegangen aus einer Kölner Dissertation von 2000, eine auf
breiter handschriftlicher Grundlage erarbeitete kritische Edition der metrischen ‘Vita
beate Marie Egiptiace’ Hildeberts von Lavardin (BHL 5419) vorgelegt worden : Hilde­
berti Cenomanensis episcopi Vita beate Marie Egiptiace. Cura et studio Norbert Klaus
L a r s e n . (Corpus christianorum, Continuado mediaevalis 209). Tumhout : Brepols, 2004.
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PETER STOTZ
328 Seiten. ISBN 2-503-05099-9. — Nach den Untersuchungen des Bearbeiters lassen
sich unter den gut 90 Textzeugen zwei Gruppen (a und b) bilden, einige entziehen sich
einer Einordnung. Im Allgemeinen wird der etwas jüngeren und längeren Fassung b der
Vorzug gegeben ; der so hergestellte Text umfaßt 904 Hexameter. Fünf Handschriften
enthalten ungefähr für das letzte Drittel eine völlig andere Fassung (f), die hier als
Anhang ediert wird (Vs. 638-994). Angesichts der herrschenden Kontamination hat sich
der Herausgeber dazu entschlossen, keiner Leithandschrift zu folgen, sondern einen
Mischtext herzustellen — zu « rekonstruieren », wie er zuversichtlich sagt. Die breite
Überlieferung hat ungeschmälert in den Apparat Eingang gefunden. Im Text wurden die
Schreibungen weitgehend normalisiert, bis hin zu mihi statt michi und nihil statt nichil
— womit freilich die für jene Zeit normalen Formen durch weniger gebräuchliche
ersetzt worden sind.
Die mittelalterliche Visionsliteratur scheint unerschöpflich zu sein. In den Berichten
der zurückliegenden Jahre konnten schon mehrfach Neuentdeckungen seitens eines der
besten Kenner dieses Gebietes, Paul Gerhard Schmidt, gemeldet werden. Kürzlich hat er
erneut einen Fund vorgelegt. Der kurze Text steht in mehreren Handschriften jeweils in
Überlieferungsgemeinschaft mit den ‘Miracula’ des Petrus Venerabilis und beschreibt
eine Vision, die einem klugen, vornehmen und reichen Ritter namens Walter, welcher in
der Gegend von Nivelles und Brüssel ansässig war, zuteil wurde : Paul Gerhard S c h m i d t .
Die Visio Walteri. In : Runica - Germanica - Mediaevalia, herausgegeben von Wilhelm
H e i z m a n n und Astrid v a n N a h e (Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen
Altertumskunde 37), Berlin : Walter de Gruyter, 2003, S. 719-726. — Wie üblich, ist der
lateinische Bericht nach den Angaben des Visionärs von einem Geistlichen niederge­
schrieben worden. Das Besondere an ihm ist, daß sich die Vision nicht unter dem
Einfluß von Krankheit oder in einer sonstigen Grenzsituation einstellt, sondern daß der
Visionär sie inmitten von wohligem Behagen, neben seiner Frau im warmen Bette
liegend, empfängt. Die Vision wird bei ihm vorher sozusagen angemeldet, und der Ritter
willigt, nach einer Bedenkzeit, in das Angebot ein. Die Vision gliedert sich in drei
einzelne Jenseitsreisen ; zwischendurch besprengt ihn seine Frau jeweils mit Weih­
wasser. Das erste Mal besucht er den Ort der Strafe, das zweite Mal den Aufenthaltsort
der geläuterten Seelen. Schließlich aber wird er einer Schändung von Heiligenreliquien
ansichtig, und es geht um die bevorstehende Bestrafung der Schuldigen. Augenschein­
lich ist die damit verbundene Androhung einer Strafe, die der Visionär unter die Leute
bringen soll, der eigentliche Skopus des Ganzen. Der Text wird hier ediert nach der
Handschrift Paris, BNF lat. 14463.
Aus dem jungen Zisterzienserorden gibt es eine Sammlung von Wunder- und — dies
vor allem — Visionserzählungen, welche Schlaglichter auf den Alltag und das geistliche
Leben der Ordensangehörigen werfen : den Liber miraculorum Herberts von Clairvaux.
Herbert, der wohl aus Südfrankreich stammte, weilte im Zeitraum von 1153 bis 1168/69
als Mönch in Clairvaux und war dann bis 1178 Abt des Klosters Mores in der Cham­
pagne. Nach einem erneuten Aufenthalt in Clairvaux wurde er 1181 Erzbischof von
Torres auf Sardinien, wo er spätestens 1198 starb. Die von ihm zusammengetragenen
Berichte finden sich, vollständig oder in Auszügen, in dreißig bekannten Handschriften.
Während eine Forschergruppe auf Sardinien den Komplex im Ganzen bearbeitet, ist
neulich von anderer Seite ein Teilbereich gut aufgearbeitet worden, dies in Form der
Edition und Kommentierung einer Sonderfassung, im Rahmen einer Habilitationsschrift
der Universität Innsbruck : Gabriela K o m p a t s c h e r G u f l e r . Herbert von Clairvaux und
sein Liber miraculorum. Die Kurzversion eines anonymen bayerischen Redaktors.
Untersuchung, Edition und Kommentar. (Lateinische Sprache und Literatur des Mittel­
alters 39). Bern: Lang, 2005. 372 Seiten. ISBN 3-03910-480-2. — Innerhalb der
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Gesamtüberlieferung, und von kürzeren Auszügen abgesehen, unterscheidet man
zwischen der Langfassung (ed. P.-F. C h i f f l e t , Dijon 1660; PL 185, Sp. 1273-1384),
vertreten durch 15 bekannte Handschriften, und einer Kurzfassung im Umfang von
81 Erzählungen, vertreten durch zwei Handschriften des 13. Jahrhunderts : München,
clm 6914 (aus Fürstenfeld) und Handschrift 6 ARC des tirolischen Zisterzienserstifts
Stams. Dieser Kurzfassung gilt die vorliegende Arbeit. Beigezogen wurde zusätzlich ein
besonders wichtiger Textzeuge der Langfassung, nämlich die Handschrift München clm
2607 (aus Aldersbach), die dem Redaktor der Kurzfassung als Vorlage gedient haben
dürfte. Auf dieser Grundlage wird eine kritische Edition geboten, die von einem knapp
gehaltenen Stellenkommentar begleitet wird. Innerhalb der einleitenden Untersuchungen
wird unter anderm der Frage nachgegangen, welches die leitenden Gesichtspunkte bei
der Erstellung der Kurzfassung war : Augenscheinlich ging es darum, eine rein zisterziensische Sammlung herzustellen ; alle Erzählungen über Nichtzisterzienser wurden
ausgeschieden. Und während in der Langfassung die Wunder- und Visionsberichte nach
einzelnen Themengruppen geordnet sind, wird hier durch Umgruppierung eine hierar­
chische Ordnung erreicht : Erzählungen über Äbte, über Mönche, über Konversen und
schließlich über weitere Ordensangehörige stehen je beieinander.
In seinem anregenden Vortrag « Das Interesse an mittellateinischer Literatur » (Wolf­
gang Stammler Gastprofessur für Germanische Philologie, Vorträge, Heft 3, Freiburg
Schweiz : Universitätsverlag, 1995, hier S. 27-32) erzählt Paul Gerhard S c h m i d t — ohne
zunächst zu verraten, wovon er spricht — einen dem hohen, allenfalls späten Mittelalter
angehörenden « Legendenroman » nach, in welchem es um Vergewaltigung und
Entführung, Entfremdung und Wiedererkennen geht : den ‘Libellus de Constantino
Magno eiusque matre Helena’. Erst spät wiederentdeckt und 1879 erstmals publiziert,
liegt er seit kurzem in einer modernen kritischen Edition vor (ed. Giulietta G i a n g r a s s o ,
Firenze 1999). Die im Folgenden anzuzeigende Publikation beruht textlich auf dieser
Edition (nebst einer späteren Ergänzung durch die Herausgeberin, in : Schede medievali
38, 2000, S. 211-219), nur daß da oder dort eine andere Lesart bevorzugt wird. Wenn die
Arbeit an dieser Stelle genannt wird, so deshalb, weil dieser und zwei damit zusam­
menhängende Texte in lateinisch-deutschem Paralleldruck bequem präsentiert und zumal
der ‘Libellus ...’ einer eingehenden, vor allem sprachlich ausgerichteten Kommentierung
unterzogen wird: Incerti auctoris Historia de ortu atque iuventute Constantini Magni
eiusque mater Helena / Historie über Herkunft und Jugend Constantins des Großen und
seine Mutter Helena. Von einem unbekannten Verfasser. Ein Beitrag zum ConstantinJahr 2006. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Paul D r ä g e r . Trier : Klio­
media, 2005. 238 Seiten. ISBN 3-89890-080-0. — An der Spitze steht der Text des
‘Libellus’ — hier ‘Historia ...’ oder, nach seinem Entdecker, Anonymus Heydenreichianus genannt —, begleitet von einer deutschen Übersetzung. Daran schließt sich die
kurze Tnstoria Helene matris Costantini inperatoris que requisivit crucem Domini nostri
Jesu Christi’, nach deren Entdecker und Editor (Amos P a r d u c c i , in: Studi romanzi ...,
1, Roma 1903, S. 101-105) auch ‘Anonymus Parduccianus’ genannt. Beigegeben ist
ferner De nativitate Constantini imperatoris’ nach der Ausgabe von Alfons H i l k a (in :
Aufsätze, Fritz Milkau gewidmet, Leipzig 1921, S. 149-152). Während diesen Begleit­
texten je nur in geringem Maße Anmerkungen beigegeben sind, umfaßt der Kommentar
zum Haupttext ungefähr 150 Seiten. Auf kurze Angaben zu den textkritischen Voraus­
setzungen folgen detaillierte Erläuterungen vor allem sprachlich-stilistischer und quel­
lenkritischer Art. Sie werden durch verschiedene Indices erschlossen. Erst danach, also
am Schluß des Buches, folgt die Einleitung in das Ganze. Darin wird die erzählte Hand­
lung sowie das literarische Genus, dem sie angehört, behandelt, auch wird sie mit der
historischen Wirklichkeit konfrontiert. Nach ausgiebiger Behandlung der Konstantin-
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PETER STOTZ
und Helena-Legende als solcher wird auf die Bibel als Spenderin einzelner Motive
eingegangen, sodann auf Sprache und Stil, und — fast ganz am Schluß — auf die (nach
wie vor ungelösten) Fragen nach Verfasser und Abfassungszeit. Die Arbeit schließt mit
Erklärungen zum Vorgehen des Bearbeiters, vor allem auch zu seiner Übersetzungs­
praxis. Die in Trier entstandene Arbeit versteht sich als Beitrag zu der in Trier 2006 fest­
lich begangenen 1700. Wiederkehr der Proklamation des — aus dieser Stadt stam­
menden — Konstantin zum Augustus.
Der — je nach Zählweise aus 31 oder 32 Kapiteln bestehende — pseudoaristoteli­
sche ‘Liber de causis’ (vgl. ALMA 58, 2000, S. 247f.) hat seit dem späten 12. Jahrhun­
dert große Beachtung gefunden. Der arabische Traktat ‘Kalam fi mahd al-khair’
(‘Abhandlung über das reine Gute’) wurde, wie angenommen wird, im 9. Jh. im Raum
Bagdad von einem uns unbekannten Autor auf der Basis der ‘Elementado theologica’
des Proklos verfaßt und ist von Gerhard von Cremona (im Zeitraum 1167/87) ins Latei­
nische übersetzt worden. Von dem arabischen Text haben sich drei Handschriften
gefunden, von der lateinischen Übersetzung nahezu 240. Nicht weniger als 27 mittelal­
terliche Kommentare zu dieser Schrift sind bekannt, darunter diejenigen von Thomas
von Aquin und von Albertus Magnus (‘De causis et processu universitatis a prima
causa’ ; MLW : A l b e r t . M. caus. univ.). Auch auf die spätmittelalterliche Mystik hat sie
beträchtlichen Einfluß, so bezieht sich Meister Eckhart häufig auf sie. Die maßgebende
Textedition ist diejenige von A. P a t t i n , Le Liber de causis. Édition établie à l’aide de
90 manuscrits avec introduction et notes (Tijdschrift voor filosofie 28, 1966, S. 90-203).
Zahlreiche Verbesserungen sind beigesteuert worden von R. C. T a y l o r , Remarks on the
Latin text and the translator of the Kalam Fi Mahd al-Khair / Liber de causis (Bulletin
de philosophie médiévale 31, 1989, S. 75-102). Anzuzeigen ist hier nicht eine neue
Edition, sondern sind gleich drei ungefähr gleichzeitig erschienene Bearbeitungen, die je
einen Textdruck, eine deutsche Übersetzung und eingehende Erklärungen des Textes
bieten, sich jedoch in manchen Belangen voneinander unterscheiden. Zunächst sei
genannt : Alexander F i d o r a / Andreas N i e d e r b e r g e r . Von Bagdad nach Toledo. Das
«Buch der Ursachen » und seine Rezeption im Mittelalter. Lateinisch-deutscher Text,
Kommentar und Wirkungsgeschichte des Liber de causis. Mit einem Geleitwort von
Matthias L u t z - B a c h m a n n . (Excerpta classica 20). Mainz: Dieterich, 2001. 270 Seiten,
Abb. ISBN 3-87162-053-X. — Die Arbeit enthält den lateinischen Text nach Pattin mit
Korrekturen Taylors, eine deutsche Übersetzung und einen knapp gehaltenen
Kommentar, ferner einen Überblick über die Wirkungsgeschichte dieser Schrift im 12.
und 13. Jahrhundert. — Anzuzeigen ist sodann : [Anonymus] Liber de causis / Das Buch
von den Ursachen. Mit einer Einleitung von Rolf S c h ö n b e r g e r . Übersetzung, Glossar,
Anmerkungen und Verzeichnisse von Andreas S c h ö n f e l d . Lateinisch-Deutsch. (Philoso­
phische Bibliothek 553). Hamburg : Felix Meiner, 2003. LI, 207 Seiten. ISBN 3-78731639-6. — Auf die eigentliche Einleitung folgt die Erörterung der Disposition der
Schrift, dann im Paralleldruck der unverändert von Pattin übernommene Text und eine
deutsche Übersetzung. Der Text wird in Form einzelner Anmerkungen erklärt. Schät­
zenswert sind die zahlreichen Beigaben : zunächst eine umfangreiche, strukturierte Lite­
raturübersicht, sodann Vergleichstabellen betreffend Proklos, die Kommentare von
Thomas und Albertus Magnus — einschließlich je einer detaillierten Disposition dieser
beiden Schriften — und die Zitate bei Meister Eckhart. Hinzu kommen eine Zeittafel
und ein lateinisch-deutsches Glossar mit Stellenangaben. — Sodann ist als Habilitati­
onsschrift der Universität Bern die folgende weitere Bearbeitung erschienen : Andreas
B ä c h l i - H i n z . Monotheismus und neuplatonische Philosophie. Eine Untersuchung zum
pseudo-aristotelischen Liber de causis und zu dessen Rezeption durch Albert den
Großen. Sankt Augustin : Academia Verlag, 2004. [VIII], 214 Seiten. ISBN 3-89665-
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
277
22-3-0, — Der umfangmäßig weit überwiegende erste Teil dieser Arbeit enthält, nächst
einer Einführung, kapitelweise den lateinischen Wortlaut und im Paralleldruck eine deut­
sche Übersetzung, die der Verfasser seinerzeit mit seinem Lehrer, Andreas G r a e s e r ,
erarbeitet hatte. Jedesmal schließt sich daran eine ausführliche Interpretation. In dem
weit schmaleren zweiten Teil befaßt sich der Autor unter dem Obertitel « Der Liber de
causis in aristotelischer Perspektive » mit der Deutung dieser Schrift durch Albert den
Großen. Dabei wird herausgestellt, daß Albertus sich dessen bewußt war, daß es sich um
kein echtes Werk des Aristoteles handelt, es jedoch im aristotelischen Sinne interpretiert
hat.
Innerhalb der Albertus-Magnus-Edition selbst darf ein neuer Band willkommen
geheißen werden (zuletzt : ALMA 62, 2004, S. 242) : Alberti Magni Super Porphyrium
De V universalibus. Edidit Manuel S a n t o s N o y a . (Alberti Magni Opera omnia, Tomus
1, Pars 1A; numerus currens 26). Monasteri! Westfalorum : Aschendorff, 2004. XXVI,
192 Seiten. ISBN 3-402-04753-5. — Darin geht es um den von Albertus im Zeitraum
1254/57 abgefaßten Kommentar zur ‘Isagoge’ des Porphyrios nach der Übersetzung des
Boethius ; in den Handschriften trägt er recht unterschiedliche Titel, so etwa ‘Liber de
praedicabilibus’ (entsprechend im MLW : A l b e r t . M. praedicab.). Alberts letzte Abhand­
lung in diesem Werk geht auf ein Kapitel in der ‘Logik’ Avicennas zurück. Als Leit­
handschrift dient Cambrai, Bibi. Mun. ms. 961, doch muß verhältnismäßig oft von ihr
abgewichen werden.
Mit dem Titel De novitiis instruendis’ ist ein kurzer Text überschrieben, der sich in
einer Sammelhandschrift mit zahlreichen Stücken geistlich-erbaulichen Charakters aus
dem Ende des 16. Jahrhunderts (Douai 827) findet, die als ganze wohl auf eine oder
mehrere Vorlagen aus dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts zurückgeht. Die darin
vertretenen Texte dürften im Wesentlichen aus dem Zeitraum 1166/1201 stammen, und
das wird auch für die vorliegende Schrift gelten. Da in ihrem Eingang Abt Goswin von
Anchin (nach 1085-1166) genannt wird, ist dieser in der Forschung verschiedentlich,
aber wohl zu Unrecht, als ihr Urheber bezeichnet worden. Sie selber stellt nichts weiter
als ein Florilegium dar, mit Zitaten aus Väterschriften wie auch aus solchen geistlicher
Autoren des 12. Jahrhunderts : Anselms von Canterbury, Bernhards von Clairvaux,
Hugos von St. Viktor, Wilhelms von St-Thierry und anderer. Ein besonderer Bezug zur
Schulung des monastischen Nachwuchses, zu der Phase des Eintritts in den Mönchs­
stand, ist aus dem Textkonglomerat nicht ersichtlich ; es scheint einzig der — gewiß aus
dem Hochmittelalter stammende — Titel zu sein, der die Schrift in dieser Weise festlegt.
Diese wird kritisch ediert und ausgiebig interpretiert in folgender Neuerscheinung :
Mirko B r e i t e n s t e i n (Hg.). De novitiis instruendis. Text und Kontext eines anonymen
Traktates vom Ende des 12. Jahrhunderts. (Vita regularis. Ordnungen und Deutungen
religiösen (sic) Lebens im Mittelalter: Editionen 1). Münster : LIT Verlag, 2004. VIII,
174 Seiten. ISBN 3-8258-7241-6. — Die Arbeit entstammt dem Projekt «Institutioneile
Strukturen religiöser Orden im Mittelalter » innerhalb des in Dresden angesiedelten
Sonderforschungsbereiches 537 : « Institutionalität und Geschichtlichkeit ».
Im Jahre 1852 edierte J.-L.-A. H u i l l a r d - B r é h o l l e s unter der Bezeichnung ‘Breve
chronicon de rebus Sicilie’ — richtiger wäre : ‘... de regibus ...’ — eine kurze Darstel­
lung der Könige Siziliens, dies auf recht unsicherer Textgrundlage. Als Abfassungszeit
dieses Geschichtswerkes ergibt sich 1272: die Zeit, in der das Haus Anjou seine Herr­
schaft in Süditalien errichtete und festigte. Der Verfasser war offenbar ein Geistlicher,
der mit Brindisi oder mit Siponto besonders verbunden und Beziehungen zum Hofe
Friedrichs II. unterhalten haben dürfte, ihn als junger Mann auch auf seinem Kreuzzug
begleitet hatte. Die große Affinität zu joachitischem Schrifttum ist kein genügendes
Indiz für die Annahme, es handle sich um einen Florensermönch. Der Text beruht auf
278
PETER STOTZ
zwei (relevanten) Handschriften, die beide aus Süditalien und aus dem Ende des
14. Jahrhunderts stammen. Die eine, Vat. Ottob. lat. 2940, endet mit dem Tode des
Kaisers (1250), fügt jedoch noch dessen Testament an. In der ändern Handschrift,
Neapel BN VIII C 9, ist die Erzählung bis zum Sieg Karls von Anjou bei Benevent
(1266) herabgeführt ; das Testament erscheint dort nicht. Bei der weiterführenden
Fassung des Neapolitanus dürfte es sich um die ursprüngliche handeln. Vorstehendes
sind die Ergebnisse der Untersuchungen, welche der Bearbeiter der folgenden Neuedi­
tion angestellt hat : Breve chronicon de rebus Siculis. Herausgegeben und übersetzt von
Wolfgang S T ü R N E R . (Monumenta Germaniae Histórica : Scriptores rerum Germanicarum
in usum scholarum separatim editi 77). Hannover : Hahn, 2004. VII, 129 Seiten. ISBN
3-7752-5477-3. — Nach den Ermittlungen des Herausgebers bewahrt der Neapolitanus
etwas häufiger als der Ottobonianus den korrekten Wortlaut. Ihm folgt er denn allge­
mein, auch in sonstigen Zweifelsfällen. Die Ausgabe gehört zu jenen MGH-Editionen,
denen eine deutsche Parallelübersetzung mitgegeben ist. Als Anhang wird das Testament
Friedrichs II. nach dem Ottobonianus ediert.
Die Geschichtsschreibung des Spätmittelalters ist zu einem nicht unbeträchtlichen
Teil geprägt durch regionale Fortsetzungen großer, umfassender Geschichtswerke.
Dieser aufs Ganze gesehen unscheinbare Zweig historiographischer Tätigkeit ist noch
ungenügend erforscht. Dies gilt unter anderm für die beiden weit verbreiteten
Geschichtswerke des Dominikaners Martin von Troppau ( f l 278): seine Papst- und
seine Kaiserchronik. Zwar sind einzelne daran anknüpfende Fortsetzungen bereits
ediert, unter anderm durch den in Würzburg lehrenden Rolf S p r a n d e l . (Eine der von
ihm erarbeiteten Editionen ist in ALMA 55, 1997, S. 304 kurz vorgestellt worden.)
Doch insbesondere für die Aufnahme, Nachwirkung und Weiterführung der
Geschichtswerke Martins in England standen Untersuchungen bisher aus. Diesem
Forschungsdesiderat wird nunmehr abgeholfen durch eine bei Sprandel 2001 einge­
reichte Dissertation, welche zu zwei separaten Publikationen geführt hat : einer Mono­
graphie und einem Editionsband. Erstere sei hier nur eben kurz erwähnt : WolfgangValentin I k a s . Martin von Troppau (Martinus Polonus), O. P. ( f l 278) in England.
Überlieferungs- und wirkungsgeschichtliche Studien zu dessen Papst- und Kaiser­
chronik. (Wissensliteratur im Mittelalter, Schriften des Sonderforschungsbereichs 226
Würzburg / Eichstätt 40). Wiesbaden: Reichert, 2002. XV, 418 Seiten, Abb. ISBN 389500-313-1. — Die Arbeit umfaßt die Musterung der Textzeugen der Chronik
Martins von Troppau : quantitative Erhebungen, die Untersuchung der englischen
Überlieferung insgesamt, die Frage nach einzelnen Provenienzen und die Analyse der
Abhängigkeiten untereinander. In der zweiten Hälfte der Arbeit geht es um die
Wirkungsgeschichte des Textes : zunächst um die verschiedenen Fortsetzungen, sodann
um Exzerpte und Interpolationen. Nach einer Einzelfallstudie zu einer Cambridger
Handschrift wendet sich der Verfasser den mittelenglischen Übersetzungen zu, sodann
der Verwendung der Chronik durch insulare Geschichtsschreiber vom späten 13. bis
zum 15. Jahrhundert. — Nun zum Editionsband: Fortsetzungen zur Papst- und Kaiser­
chronik Martins von Troppau aus England. Herausgegeben von Wolfgang-Valentin
I k a s . Zweite, verbesserte Auflage. (Monumenta Germaniae Histórica : Scriptores rerum
Germanicarum, Nova series 19). Hannover : Hahn, 2004. XXI, 397 Seiten. ISBN 37752-0299-4. — Der Bearbeiter gibt einen Überblick über die Fortsetzungen aus dem
englischen Raum. In die Aufzählung bereits edierter Texte bezieht er auch zwei wich­
tige Fassungen italienischer Herkunft ein, welche in England zu großer Wirksamkeit
gelangt sind. Vor allem aber widmet er sich den bis dahin ungedruckten Fortsetzungen,
die im Folgenden ihre Erstedition erfahren. Ihre Zahl beläuft sich auf knapp zwanzig ;
die meisten von ihnen führen die Papstchronik weiter, nur ihrer zwei die Kaiser­
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
279
chronik. Zwei weitere hierher gehörende Texte sind angeschlossen. Unter den Papst­
chronik-Fortsetzungen lassen sich zwei Gruppen unterscheiden : solchen, die auf beste­
henden Fortsetzungen aufbauen oder sonstwo anknüpfen, stehen andere Texte
gegenüber, für die eine vermittelnde Schrift zumindest nicht nachweisbar ist. Für die
erste Gruppe lassen sich die Abhängigkeiten durch eine stemma-artige Figur veran­
schaulichen; an deren Spitze stehen aus Italien gekommene Fortsetzungen. Manche
englische Papstchronik-Fortsetzungen knüpfen bei anderen kontinentalen oder engli­
schen Chroniken an. In dem umfangreichen Editionsteil werden sechzehn Texte (oder
Auszüge aus solchen) kritisch ediert. — Es ist darauf zu achten, daß diese Edition
wirklich nur in der 2., verbesserten Auflage verwendet wird.
Engelbert von Admont (um 1250-1331), ein Denker, der durch seine Studien in Prag
und in Padua mit den aristotelischen Schriften zur praktischen Philosophie in Berührung
gekommen war, und der später als Abt zunächst von St. Peter in Salzburg, dann des
Klosters Admont in der Steiermark wirkte, verfaßte drei Traktate ethisch-politischen
Charakters, darunter den Fürstenspiegel ‘De regimine principum’ und ein Werk über
Tugend und Glückseligkeit, gerichtet an adelige Laien, ‘Speculum virtutum’. Unter der
Leitung von Jürgen Miethke hat Karl U b l — welcher bereits in seiner Dissertation über
Engelbert gehandelt hatte (s. ALMA 62,2004, S. 253) — die kritische Erstedition des Lai­
enspiegels an die Hand genommen : Engelbert von Admont, Speculum virtutum. Heraus­
gegeben von Karl U b l . In : Die Schriften des Alexander von Roes und des Engelbert von
Admont, Teil 2. (Monumenta Germaniae Histórica : Staatsschriften des späteren Mittel­
alters I 2). Hannover : Hahn, 2004. VIII, 522 Seiten. ISBN 3-7752-0300-1. — Diese sich
in 12 partes oder (kleine) Bücher gliedernde Schrift ist geprägt durch ein auf natur­
rechtlichen Vorstellungen beruhendes Gottesverständnis, in welchem christlich-theolo­
gische Gedankengänge weitgehend gemieden sind ; dementsprechend sind Zitate aus der
Bibel oder Anklänge an sie für mittelalterliche Verhältnisse höchst selten. Das Werk
beruht weitestgehend auf den Schriften des Aristoteles, vor allem auf der Nikomachischen
Ethik und der Rhetorik. Weitere Quellen sind Texte Ciceros, Senecas und des Boethius,
die Engelbert jedoch, im Gegensatz zu den Schriften des Aristoteles, vielfach nicht wört­
lich, sondern nur sinngemäß zitiert. Neben vielen weiteren antiken und mittelalterlichen
Schriftstellern — unter ihnen etwa Thomas von Aquin und Aegidius Romanus, ‘De regi­
mine principum’ — zieht Engelbert auch zahlreiche Florilegien sowie Sprichwortgut
heran. Großes Gewicht haben bei ihm exempla. Was den Inhalt betrifft, geht es nicht
nur um gute und schlechte Lebensführung im moralischen Sinne, sondern auch — so
in Buch 10 — um das, was den Umgang mit den Mitmenschen angenehm macht,
um Urbanität. Zu den feinen Manieren, die man sich zulegen soll, gehört die Meisterung
gepflegter Konversation und dergleichen mehr. Engelbert hat seinen Tugendspiegel
wohl im Zeitraum 1306/13, somit während seines langen Admonter Abbatiats (12971327), abgefaßt und er widmet es zwei habsburgischen Herzögen. Er wird erstmals
im Geschichtswerk des Johannes von Viktring (vor 1343) erwähnt, war dann auf den
Konzilien von Konstanz und von Basel in Umlauf, sodann an der Universität Köln
und weiteren deutschen Universitäten, ferner in Cambridge. Das ‘Speculum virtutum’
hat sich in 28 Handschriften erhalten ; diese gliedern sich in zwei Klassen, von denen die
eine (a) mehr und ältere Textzeugen umfaßt, welche im Einzelfall oft gute Lesarten auf­
weisen. Die andere Klasse (b) bietet jedoch insgesamt den besseren Text und wird daher
im allgemeinen zur Editionsgrundlage genommen. In einem Werk wie dem vorliegenden
läßt sich verhältnismäßig leicht zwischen sinnvollen und unsinnigen Varianten unter­
scheiden, und durch Weglassung der letzteren konnte der textkritische Apparat knapp
gehalten werden. Als kleine Gegenprobe wird der Widmungsprolog mit allen Varianten
abgedruckt.
280
PETER STOTZ
Innerhalb der Erzählliteratur der zweiten Hälfte des Mittelalters gibt es, wie bekannt,
einzelne Komplexe, die in zahlreichen Fassungen im Lateinischen wie in den Volks­
sprachen zirkulierten, und bei denen die Beeinflussungen hin- und hergehen — der Text
also während Jahrhunderten «unfest», lebendig eben, blieb. Dazu gehören die euro­
päischen Ableger des wohl aus Persien stammenden Komplexes der ‘Sieben weisen Mei­
ster’, bestehend aus einer Rahmenerzählung und unterhaltsam-belehrenden Binnenerzäh­
lungen. Früh faßbare Textformen sind der ‘Dolopathos’ des Johannes de Alta Silva (Ende
12. Jahrhundert) und eine altfranzösische Versversion. Auf die letztere geht eine französi­
sche Prosafassung zurück, die mit der Sigle A gekennzeichnet wird, auf sie wiederum die
stark verbreitete lateinische Fassung ‘Historia septem sapientum’ (Sigle H). Diese letz­
tere, um die es in der Folge ausschließlich geht, ist seit der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts
in lateinischer Sprache im Umlauf, vom 15. Jahrhundert an in Übersetzungen in fast alle
europäische Sprachen. Innerhalb der Gesamtüberlieferung zeichnet sich die lateinische
‘Historia ...’ dadurch aus, daß in den meisten Handschriften den Erzählungen geistliche
Auslegungen beigegeben worden sind, und zwar gehörten diese, entgegen anderslauten­
den Ansichten, von Anfang an dazu. In den meisten Handschriften steht die ‘Historia ...’
in Überlieferungsgemeinschaft mit einer ändern Sammlung von Erzählungen, den ‘Gesta
Romanorum’. Ein Desiderat der Forschung war eine kritische Sichtung der Überliefe­
rungsverhältnisse und die Bereitstellung einer ihnen entsprechenden Edition, dies nicht
zuletzt auch als Grundlage für den Vergleich mit volkssprachlichen Fassungen. Dieser
Herculeus labor ist geleistet worden in Form einer 1999 eingereichten Basler Disserta­
tion, betreut von dem Germanisten Rüdiger Schnell und von Paul Gerhard Schmidt (Frei­
burg im Breisgau) : ‘Historia septem sapientum’. Überlieferung und textgeschichtliche
Edition. Von Detlef R o t h . 2 Bände (1 : Untersuchung und Edition der Redaktionen I und
II ; 2 : Edition der Redaktionen III und IV und Anhang). (Münchener Texte und Unter­
suchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 126. 127). Tübingen : Max Niemeyer,
2004. XI, VI, 763 Seiten (durchpaginiert). ISBN 3-484-89126-2. — Zunächst wird eine
gründliche Einführung in den Gang der Überlieferung und in die Textgeschichte gegeben,
dabei werden bereits einige markante Handschriften ihrem Entstehungskontext nach cha­
rakterisiert. Dem Bearbeiter sind 72 Handschriften bekanntgeworden ; vor seinen Ermitt­
lungen waren es nur gut 30 gewesen. Nach seinen Feststellungen lassen sie sich in vier
Gruppen gliedern. Seinen Überblick über die Textzeugen beginnt er mit einer tabel­
larischen Kürzestbeschreibung aller Handschriften, alphabetisch nach Siglen (und damit :
nach dem Aufbewahrungsort). Danach folgt ihre detaillierte Beschreibung — stets unter
minuziöser Verzeichnung des jeweiligen Gesamtinhaltes —, geordnet nach den Gruppen
I bis IV. Es folgt die Beschreibung der insgesamt 11 alten Drucke (zwischen 1473 und
1526), ferner die Zusammenstellung derjenigen ‘Gesta Romanorum’-Handschriften (drei
Gruppen), bei denen den ‘Gesta ...’ einzelne Erzählungen der ‘Historia ...’ eingegliedert
worden sind. Im Zuge der aufwendigen Recensio wird sodann zunächst das Verhältnis der
Handschriften innerhalb der vier Gruppen, dann dasjenige der Gruppen zueinander
bestimmt. Hierauf werden die Textgestalten näher beschrieben, es wird auf die geistlichen
Auslegungen eingegangen, zudem auf das Verhältnis zu den ‘Gesta Romanorum’. — Der
umfangreichere zweite Teil der Arbeit enthält nun die textgeschichtliche Edition
der ‘Historia ...’ ; dabei läßt sich aus den Gruppen I und II ein gemeinsamer Text herstellen, während die Gruppen III und IV je gesondert ediert werden. Damit synoptisch-ver­
gleichendes Lesen ermöglicht wird, sind die Fassungen der letzten beiden Gruppen in
einem Band für sich untergebracht. Für jede der drei Textfassungen wird eine Leithand­
schrift bestimmt ; es wird also von dem Versuch einer Rekonstruktion des jeweiligen Hyparchetyps abgesehen. Bei dem Text der Gruppen I/II sind die Lesarten der Handschriften
in zwei gesonderten Apparaten einander gegenübergestellt. Anhangsweise werden die aus
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
281
dem Rahmen fallenden reductiones einer bestimmten Handschrift wiedergegeben, die
dort für sich überliefert sind und mit den üblichen Ausdeutungen (Gruppe I) nicht über­
einstimmen. Schließlich folgen textkritische und sprachliche Erläuterungen, sodann
Zusammenstellungen von Zitaten und biblischen Similien wie auch von Parallelen zu den
‘Gesta Romanorum’.
Im Spätmittelalter hat man — wir wissen es alle — intensiv nachgedacht und
gestritten über das Verhältnis zwischen der geistlichen und der weltlichen Macht,
zwischen den Rechten des deutschen Königs und Kaisers und den Prärogativen des
Papstes. Zu den rechtskundigen, politisch denkenden Geistlichen, welche sich auf
kaiserlicher Seite über dieses Verhältnis Gedanken gemacht haben und in diesem Sinne
publizistisch tätig gewesen sind, gehört Lupoid von Bebenburg (um 1300-1363),
Domherr in Würzburg und seit 1353 Bischof von Bamberg. Der aus dem niederen Adel
Frankens stammende Lupoid erwarb sich in Bologna die Würde eines doctor decretorum. Als Kanonist war er dazu prädestiniert, in öffentlichen Auseinandersetzungen
aufzutreten. Dies tat er nach seiner Rückkehr nach Deutschland denn auch ausgiebig,
zunächst im Umkreis der Kurie von Mainz, dann als langjähriger Offizial des Bischofs
von Würzburg. In zahlreichen Rechtsstreitigkeiten stand der Kaiser samt dem deutschen
Episkopat der päpstlichen Kurie in Avignon gegenüber, und Lupoid erwarb sich in Jahr­
zehnten Erfahrung in der Behandlung strittiger Bischofswahlen. Zugleich ging es um die
Ausgestaltung der Verfassung des Reiches; in diesem Zusammenhang sei auf einen
Rechtsspruch der deutschen Kurfürsten in Rhense vom Sommer 1338 hingewiesen.
Lupoid könnte daran beteiligt gewesen sein ; jedenfalls ist sein ‘Tractatus de iuribus
regni et imperii Romanorum’ (im Wesentlichen 1340 fertiggestellt) ist in manchen
Dingen geradezu eine Paraphrase, ein Kommentar der fürstlichen Verlautbarung. Von
diesem Traktat und zwei weiteren Texten Lupolds ist, nach einer nahezu hundertjährigen
Vorgeschichte, eine kritische Edition erschienen : Politische Schriften des Lupoid von
Bebenburg. Herausgegeben von Jürgen M i e t h k e und Christoph F l ü e l e r . (Monumenta
Germaniae Histórica: Staatsschriften des späteren Mittelalters 4). Hannover : Hahn,
2004. XXIV, 608 Seiten. ISBN 3-7752-0304-4. — An erster Stelle steht hier der
genannte ‘Tractatus ...’, ein umfangreicher Text, der sich vollständig in zwanzig Hand­
schriften erhalten hat. Auf der Grundlage der kanonistischen Staatstheorie des 13. Jahr­
hunderts wird hier die Stellung und werden die Rechte des deutschen König- und
Kaisertums herausgearbeitet. Dabei werden fünf Hauptthesen verteidigt, die sich mit der
Erklärung von Rhense berühren. Eine ähnliche Stoßrichtung, doch einen gänzlich
anderen Inhalt hat der wenig später (1342) fertiggestellte und dem Herzog von Sachsen
gewidmete ‘Libellus de zelo Christiane religionis veterum principum Germanorum’. In
diesem durch 11 vollständige Handschriften vertretenen Text legt Lupoid dar, welchen
Glaubenseifer und welche Ergebenheit gegenüber dem römischen Stuhl die deutschen
Herrscher bewiesen hätten, und welch hohes Verdienst ihnen daraus erwachsen sei. Hier
beschreibt er mehr, als daß er argumentiert — diesbezüglich verweist er oft auf seinen
‘Tractatus ...’. Vielfach folgt er textlich recht eng seinen historiographischen Quellen.
Hinzu kommt als dritter Text eine etwa gleichzeitig mit dem ‘Tractatus ...’ geschaffene
Dichtung — 180 Langzeilen zu 14 Silben, vielfach von der Form 7pp+7p. Ihr Titel
lautet : ‘Ritmaticum querulosum et lamentosum dictamen de modemis cursibus et defectibus regni ac imperii Romani’. Dem Dichter erscheint in einem Traum eine venustis­
sima domina als allegorische Verkörperung des Reichs und beklagt sich über erlittenes
Unrecht und die Mißachtung ihrer Vorrechte. Der Dichter soll als ihr Diener furchtlos in
ihrem Namen auftreten. Diese in nur einer Handschrift erhaltene Dichtung enthält
31 Glossen, die sich auf den Verfasser selber zurückführen lassen. 1341 und um 1349
sind davon deutsche Nachdichtungen geschaffen worden. In der vorliegenden Edition
282
PETER STOTZ
werden zunächst, über das sonst in Einleitungen Übliche weit hinausgehend, und unter
Rückgriff auf ein breites und hier konkret reproduziertes Material, die historisch-politi­
schen Konstellationen deutlich gemacht, in welchen diese drei Schriften Lupolds stehen.
Schon früh gab es rabbinische Jesustraditionen, aus denen — vielleicht etwa zu Ende
des 3. Jahrhunderts — ein zusammenhängender Text polemisch-parodierender Art
geschaffen wurde. Unter dem Namen ‘Toldot Jeschu’ (‘[Abstammungs-]Geschichte
Jesu’) war dieser im Mittelalter in zahlreichen Fassungen in Umlauf, außer in Hebräisch
auch in Übersetzungen ins Arabische, Persische, Spanische und Deutsche. Die erste
Spur einer Kenntnis davon im christlichen Westen findet sich in Form von Zitaten in der
Schrift ‘De Iudaicis superstitionibus’ Agobards von Lyon von 826/827. Im 13. Jahrhun­
dert gibt Raymundus Martinus in seinem ‘Pugio fidei adversus Mauros et Iudaeos’ eine
größere Partie des ‘Toldot Jeschu’ in lateinischer Übersetzung wieder. Diese gelangte
über die ‘Victoria Porcheti adversus impíos Hebreos’ des Porchetus de Salvaticis (1303,
gedruckt 1520) zur Kenntnis Martin Luthers, der sie (1543) ins Deutsche übersetzte. Die
erste vollständige Übersetzung des ‘Toldot Jeschu’ ins Lateinische stammt indessen von
dem Wiener Geschichtsschreiber Thomas Ebendorfer (1388-1464) (vgl. zuletzt ALMA
62, 2004, S. 245). Davon liegt eine autographe, mit Fehlem behaftete Abschrift Ebendorfers in einer Wiener Handschrift vor ; eine Kopie findet sich in einem Göttweiger
Manuskript. Vor kurzem ist eine von einer deutschen Parallelübersetzung begleitete
Ausgabe dieses und damit zusammenhängender Texte erschienen : Das jüdische Leben
Jesu / Toldot Jeschu. Die älteste lateinische Übersetzung in den Falsitates Judeorum von
Thomas Ebendorfer. Kritisch herausgegeben, eingeleitet, übersetzt und mit Anmer­
kungen versehen von Brigitta C a l l s e n , Fritz Peter K n a p p , Manuela N i e s n e r und Martin
P r z y b i l s k i . (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
39). Wien / München : R. Oldenbourg, 2003. 107 Seiten. ISBN 3-7029-0475-1 (Wien) /
3-486-46852-7 (München). Zu Ebendorfers Schrift ‘Falsitates Iudeorum’ gehören als
rahmende Teile: 1] ein Prolog des Übersetzers, 2] nach dem Text von ‘Toldot Jeschu’
ein in der Handschrift in hebräischer Sprache und Schrift wiedergegebenes, mit lateini­
schen Interlinearglossen versehenes (nur hier überliefertes) Schmähgedicht, begleitet
von kurzgefaßten Anmerkungen Ebendorfers, sowie 3] ein gegen die Juden gerichteter
Traktat Ebendorfers, der jedoch unvollendet geblieben oder hier nur unvollständig einge­
tragen worden ist. Beigegeben ist außerdem die lateinische Teilübersetzung des
Porchetus samt deren deutscher Wiedergabe durch Luther. Seine Übersetzung des
‘Toldot Jeschu’ hat Ebendorfer mit Hilfe eines jüdischen Konvertiten bewerkstelligt ;
wahrscheinlich lief die Umsetzung über das Deutsche. Die Abfassung seiner antijüdi­
schen Schrift als ganzer könnte, so vermuten die Herausgeber, von der Wiener Gesera
von 1420, einem großangelegten Pogrom, angestoßen worden sein. Vielleicht gehört sie
der Mitte des 15. Jahrhunderts an und bedeutet eine Stellungnahme gegen die verhält­
nismäßig judenfreundliche Politik Friedrichs III.
Des Weiteren ist hier die Edition einer eigenen Schrift Ebendorfers anzuzeigen.
Während der Arbeit an seiner Kaiserchronik (vgl. ALMA 62, 2004, S. 245) kam ihm der
Gedanke, eine zurückblickende Abhandlung über die Schismen im Papsttum zu
verfassen und dieser Chronik als Anhang beizugeben. Veranlassung dazu mögen ihm
Eindrücke gegeben haben, die er 1432-1435 als Abgesandter der Universität Wien am
Konzil von Basel empfing. Die Absicht ließ sich in dieser Form nicht verwirklichen, und
so schuf er denn einen selbständigen Schismentraktat, begonnen bei dem Schisma
zwischen Cornelius und Novatian und herabführend bis zu Kalixt III. und Pius II., der
nur eben noch erwähnt wird. Der Hauptsache nach schrieb Ebendorfer diese Abhand­
lung 1451 nieder, doch arbeitete er bis 1458 weiter daran. Ihr Text ist autograph über­
liefert in Handschrift 3423 der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, die zahl­
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
283
reiche weitere Arbeiten Ebendorfers enthält ; es sind keine weiteren Textzeugen bekannt.
Ebendorfer verzichtete auf die Weiterführung und den Abschluß der Schrift wegen der
Arbeit an seiner Papstchronik (s. ALMA 55, 1997, S. 304f.), die inzwischen eingesetzt
hatte, und wozu der Schismentraktat eine Vorarbeit ist. Für die Behandlung der, je nach
Zählung, 24 oder 25 Schismen stützte Ebendorfer sich hauptsächlich auf die ‘Chronica
summorum pontificum et imperatorum Romanorum’ des Regensburger Chorherm
Andreas (vollendet 1422), daneben auf Martin von Troppau, den Anonymus Leobiensis
und andere Texte, unter anderm auch solche joachitischer Herkunft, vor allem auf die
Schrift ‘De causis, statu, cognitione ac fine schismatis et tribulationum futurarum’ des
Telesphorus von Cosenza (1386). Soeben hat Ebendorfers Schismentraktat eine neue
kritische Edition erhalten : Thomas Ebendorfer. Tractatus de schismatibus. Herausge­
geben von Harald Z i m m e r m a n n . (Monumenta Germaniae Histórica: Scriptores rerum
Germanicarum, Nova series 20). Hannover : Hahn, 2004. XXXIV, 147 Seiten. ISBN
3-7752-O22O-X. — Vorliegende Edition ist die Neubearbeitung der Dissertation, mit
welcher der Herausgeber 1952 bei Alphons Lhotsky promoviert hatte (erschienen in:
Archiv für österreichische Geschichte 120, 1954, S. 43-147).
Unter den zahlreichen historischen Werken von Enea Silvio Piccolomini (Pius II.,
1405-1464) ist seine im Sommer 1458, kurz vor seiner Papstwahl, vollendete
Geschichte Böhmens nicht das geringste. Sie reiht sich ein in eine ganze Reihe von
Beschreibungen einzelner Regionen Europas, hat denn auch Gemeinsamkeiten mit
seiner etwa gleichzeitig entstandenen Schrift ‘Europa’ sowie mit seiner ‘Historia
Austrialis’ (1453/58). Bereits während des Konzils von Basel war er auf Böhmen, vor
allem auf die Hussiten, aufmerksam geworden, in denen er eine große Gefahr sah. Die
‘Historia Bohémica’ ist nach heutiger Kenntnis in 39 Handschriften sowie zwei Inku­
nabeln überliefert. Bald schon ist sie in einzelne Volkssprachen übersetzt worden.
Noch in die Lebenszeit des Autors fällt die deutsche Übersetzung des Peter Eschenloër. Bald folgte eine Übertragung ins Tschechische durch Jan Hüska. Übersetzungen
ins Spanische und ins Italienische schlossen sich an. Im Gefolge vierer deutsch-tsche­
chischer Humanismus-Konferenzen (1985 bis 1993) entstand ein umfangreiches
Editionswerk: Aeneas Silvius Piccolomini. Historia Bohémica. Herausgegeben von
Joseph H e j n i c und Hans R o t h e . 3 Bände : Band 1 : Historisch-kritische Ausgabe des
lateinischen Textes, besorgt von J’ H’, mit einer deutschen Übersetzung von Eugen
U d o l p h / Band 2 : Die frühneuhochdeutsche Übersetzung (1463) des Breslauer Stadt­
schreibers Peter Eschenloër, herausgegeben von Václav B o k / Band 3 : Die erste altt­
schechische Übersetzung (1487) des katholischen Priesters Jan Hüska, herausgegeben
von Jaroslav K o l á r . (Bausteine zur Slavischen Philologie und Kulturgeschichte, Neue
Folge, Reihe B: Editionen 20, 1-3). Köln: Böhlau, 2005. ISBN 3-412-15404-0
(Gesamtwerk) / -5504-7 (Band 1). — Nachstehend einige Angaben zum lateinischen
Text und zu dessen Edition in Band 1 : Geboten wird eine kritische Edition unter
Berücksichtigung der gesamten bekannten Überlieferung, im Paralleldruck mit einer
deutschen Übersetzung. Am Fuß der linken Seite findet der umfangreiche Variantenap­
parat Platz, an dem der rechten die konzis gehaltenen Sachanmerkungen. Voran steht
eine Einleitungspartie von 263 Seiten. Hervorgehoben sei daraus der — von einer
deutschen Übersetzung begleitete — Abdruck dreier umfangreicher biographischer
Zeugnisse zu Piccolomini, sodann Erörterungen zu seiner Kenntnis Böhmens, zu den
Gemeinsamkeiten mit ändern seiner historiographischen Werke, zu den für die
‘Historia Bohémica’ selber herangezogenen — antiken und zeitgenösisschen —
Quellen, zur Überlieferung und zur Wirkungsgeschichte des Werkes und endlich zum
geschichtlich-politischen Denken Piccolominis, wie es hier zutagetritt, vor allem
betreffend die Rolle Böhmens im deutschen Reich.
284
PETER STOTZ
Emeut ist ein neuer Band innerhalb der Reihe der Editionen monastischer Brauch­
aufzeichnungen anzuzeigen (zuletzt : ALMA 59, 2001, S. 277f.). Er gilt einem der wich­
tigsten Consuetudinestexte des ausgehenden Mittelalters, nämlich den Caeremoniae der
Klöster, welche sich der Bursfelder Reform angeschlossen hatten : jener Bewegung, die
seit 1434 von dem Kloster Bursfelde (bei Göttingen) ausging und sich binnen kurzer
Frist vor allem in Norddeutschland, aber auch in ändern Regionen des nördlichen und
mittleren Europa ausbreitete und welcher am Vorabend der Reformation nicht weniger
als 94 Männer-, dazu zahlreiche Frauenklöster zugehörten. 1449 wurde in Bursfelde und
in Mainz je ein Ordinarius zusammengestellt ; in der ältesten, in Melk liegenden Hand­
schrift von 1457/58 ist der Bursfelder Ordinarius mit den Caeremoniae vereinigt. Die
Texte wurden im Auftrag des Kapitels in verschiedenen Arbeitsgängen redigiert;
1474/75 wurde die daraus hervorgegangene und approbierte Fassung gedruckt. Vor
kurzem ist nun eine kritische Ausgabe der Caeremoniae erschienen : Caeremoniae Bursfeldenses. Edidit Marcellus A l b e r t . (Corpus consuetudinum monasticarum 13). Sieg­
burg : Franciscus Schmitt, 2002. XIII, 477 Seiten. ISBN 3-87710-400-2. — Leitender
Textzeuge ist die genannte Inkunabel ; aus der großen Zahl von Handschriften sind ihrer
15 im Apparat berücksichtigt. Aus der ältesten unter ihnen, der Melker Handschrift, wird
für jedes Kapitel, soweit darin bereits vorhanden, die Anfangspartie im vollen Wortlaut
dem Inkunabeltext in Spaltendruck gegenübergestellt. Große Sorgfalt ist dem Sachkommentar gewidmet ; hier geht es vor allem um die Quellen der in die Caeremoniae einge­
gangenen Vorschriften. Auf sie und auf die Art ihrer Verarbeitung wird denn auch in der
Einleitung im Detail eingegangen. Unter den zahlreichen Indices sei hier das 75 Seiten
umfassende allgemeine Wortregister hervorgehoben.
Das im Braunschweigischen gelegene Kloster Königslutter trägt die Erinnerung an
seine Gründung durch König Lothar III. im Jahre 1135 in seinem Namen weiter. Heute
ein namhaftes Reiseziel wegen der aus dieser Zeit stammenden Kirche, war die könig­
liche Gründung bald nach der glanzvollen Anfangszeit zu einem unscheinbaren Kloster
herabgesunken. Ein ihm angeblich von hoher Stelle verliehener Ablaß war eine will­
kommene Einkommensquelle ; 1491 fand die Bursfelder Reform Eingang. Ganz zu Ende
des Mittelalters fand das Haus in der Person von Johannes Jacobi, der hier von 1503 bis
zu seinem Tod im Jahre 1540 die Abtswürde innehatte, einen Geschichtsschreiber, der in
seinem ‘Chronicon monasterii Regiae-Lothariae’ im Stile der althergebrachten ‘Gesta
abbatum’ die Geschicke des Klosters aufzeichnete. Dieser Text wird erstmals herausge­
geben in: Die Chroniken des Klosters Königslutter. Von Klaus N a s s . (Quellen und
Forschungen zur Braunschweigischen Landesgeschichte 37). Braunschweig : Selbst­
verlag des Braunschweigischen GeschichtsVereins, 2001. 142 Seiten, Abb. ISBN
3-928009-18-4. — Diese Chronik wird hier, begleitet von einer deutschen Parallelüber­
setzung und von zahlreichen Sachanmerkungen, aus der einzigen Handschrift (dem
Kopialbuch des Abtes) ediert. Beigegeben ist die Erstedition einer etwa hundert Jahre
jüngeren Geschichtsquelle, der ‘Chronica des Stiffts Königs Lutter’, verfaßt von Hein­
rich Meibom dem Älteren (1555-1625) in den Jahren 1613/25. Meibom wirkte seit 1583
an der Universität Helmstedt. Er gab regionale Geschichtsquellen heraus und verfaßte
mehrere Chroniken von Klöstern und Stiften jener Gegend. Seine deutsch geschriebene
Chronik von Königslutter ergänzte er durch achtzehn lateinische Urkunden aus der Zeit
von 1135 bis 1331, die er einem (inzwischen verlorenen) Kopialbuch entnahm. Der
Herausgeber seinerseits gibt seiner Arbeit nebst einem Verzeichnis der Äbte des Klosters
die kritische Edition fünf lateinischer Urkunden bei.
Mitgeteilt sei an dieser Stelle, daß sämtliche Blockbücher der Universitätsbibliothek
München in einer Mikrofiche-Ausgabe zugänglich gemacht worden sind: Farbmikrofiche-Edition der Blockbücher der Universitätsbibliothek München. Historische
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
285
Einführung von Wolfgang M ü l l e r . Katalogbeschreibungen und Verzeichnisse der Tafeln
von Helga L e n g e n f e l d e r . (Monumenta xylographica et typographica 5). München :
Lengenfelder, 2004. 96 Seiten Text, 8 Mikrofiches. ISBN 3-89219-405-X. — Zu den
publizierten Blockbüchem gehören: Armenbibel, ‘Speculum humanae Salvationist ‘Ars
memorandi’, ‘Defensorium virginitatis Mariae’, Apocalypsis, ‘Ars moriendi’ und andere.
Nunmehr ist auf einige M onographien hinzuweisen. Begonnen sei mit einem
Werk, das eine große Spannweite aufweist, und dessen Hauptausrichtung nicht zu den in
dieser Zeitschrift gepflegten Schwerpunkten gehört, jedoch aller Beachtung wert ist.
Thema sind die Formen und Methoden, in und mit denen die Inhalte der Artes liberales
im Mittelalter vermittelt worden sind, dies mit dem Blick auf die volkssprachliche
Umsetzung für ein Laienpublikum, und auf deren Darstellung in Medien, die von der
gelehrten Abhandlung zur veranschaulichenden Darstellung, zur « Inszenierung » führen,
handle es sich nun um Bilderhandschriften, Einblattholzschnitte oder Fastnachtsspiele :
Michael S tolz. Artes liberales-Zyklen. Formationen des Wissens im Mittelalter.
2 Bände. (.Bibliotheca Germanica. Handbücher, Texte und Monographien aus dem
Gebiete der Germanischen Philologie 47/1. II). Tübingen: Francke, 2 0 0 4 . XIII,
9 9 2 Seiten (durchpaginiert), 1 3 0 Abb. ISBN 3 -7 7 2 0 -2 0 3 8 -0 . — Das umfangreiche Werk,
eine Habilitationsschrift der Universität Bern von 2 0 0 0 , wird gerahmt von zwei Groß­
kapiteln von allgemeinerer Ausrichtung, « Zugänge » und « Perspektiven ». Dazwischen
steht ein — selber schon über 3 0 0 Seiten starker Mittelteil mit « Fallstudien » über Artes
liberales-Zyklen aus der Rezeption des ‘Anticlaudianus’ des Alanus ab Insulis. Der
zweite Band enthält Anhänge mit dem Abdruck lateinischer und deutschsprachiger
Texte, einen großzügig bestückten Abbildungsteil und umfangreiche Verzeichnisse und
Register. In dem einführenden Teil « Zugänge » geht es unter anderm um die bildungs­
geschichtlichen Grundlagen — mit Benennung auch der mittelalterlichen Instanzen wie
Gerberts, der Schule von Chartres, Johannes’ von Salisbury, Hugos von St-Victor und
anderer —, um die fachlichen Inhalte der einzelnen Artes, um Gebrauchskontexte und
die Methodik ihrer Vermittlung. Daran schließen sich drei « Pilotuntersuchungen » an ;
sie betreffen die Übersetzung des Martianus Capella durch Notker den Deutschen, die
Artes-Miniatur in Herrads ‘Hortus deliciarum’ und Verwandtes sowie den Aries-Zyklus
im ‘Welschen Gast’ des Thomasin von Zerklære. Der Mittelteil handelt von Artes-Perso­
nifikationen mit unterschiedlichem Status in Bilderhandschriften des ‘Anticlaudianus’,
über Artes-Signaturen in Einblattillustrationen sowie über die Heranziehung des Motivs
des Wagenbaus bzw. von Rad und Wagen zur Vergegenwärtigung der Artes. Im weiteren
geht es um Aries-Personifikationen als similitudines corporales in der Gedächtnislehre
des Thomas von Aquin, mit einer eingehenden Analyse der Quellen. Im Mittelpunkt des
Schlußteils, « Perspektiven », stehen « diskursive Transformationen » des Gegenstandes
in drei deutschsprachigen Texten : Die Artes stehen dabei im Dienste der Herrschaftsre­
präsentation, dienen als Memento mori oder vermitteln die Liebeskunst. Von den
Anhängen des zweiten Bandes seien erwähnt : die Edition lateinischer Aries-Merkverse
aus verschiedenen Handschriften (Anh. 1-3), eines enzyklopädischen Vorspanns zum
Psalmenkommentar des Wilhelm Müncher (nebst Bildbeischriften ; Anh. 5), von AriesAbschnitten im Spruchbuch des Heinrich von Mügeln (teils lateinisch, teils deutsch,
Anh. 6) sowie der (ebenfalls teils lateinischen, teils deutschen) Bildbeischriften einer
‘Vermahnung der geistlichen und weltlichen Stände Deutschlands’ (Anh. 7).
In Walter Berschins breit angelegter Arbeit über die Biographie im lateinischen
Mittelalter bis etwa 1220 hat die Darstellung der einzelnen Epochen ihr Ziel erreicht
(vgl. ALMA 59, 2001, S. 281). Inzwischen ist, wie angekündigt, ein das Ganze über­
wölbender Schlußband erschienen: Walter B e r s c h i n . Biographie und Epochenstil im
lateinischen Mittelalter. 5 : Kleine Topik und Hermeneutik der mittellateinischen Biogra-
286
PETER STOTZ
phie — Register zum Gesamtwerk. (Quellen und Untersuchungen zur Lateinischen
Philologie des Mittelalters 15). Stuttgart : Hiersemann, 2004. XIV, 361 Seiten. ISBN
3-7772-0409-9. — Seinen umfangreichen Essay, der das erste Drittel des Buches
ausmacht, ordnet der Verfasser nach dem bekannten Frage-Hexameter : Quis, quid,, ubiy
quibus auxiliis, cur, quomodo, quando ? Unter quis ? wird beispielsweise erörtert, ob der
Biograph seinen Helden kennen müsse, und es wird zwischen Distanzierung und Iden­
tifikation geschieden. Unter quid ? werden nebst anderem Gattungsfragen und solche der
Darstellung (Chronologie) behandelt. Mit ubi ? wird nicht nur nach den Orten von
Produktion und Rezeption gefragt, sondern auch nach der Anzahl der Exemplare eines
bestimmten Textes, quibus auxiliis ? bezieht sich auf Modelle der Biographie, auf ange­
wandte Schemata und gewisse Leitideen. Bei cur? geht es um die immer wieder
genannten Veranlassungen zur Abfassung einer Biographie : Angaben, denen man aller­
dings bisweilen ein gewisses Mißtrauen entgegenzubringen hat. Die Frage quomodo ?
vereinigt unterschiedliche schriftstellerische Erwägungen und Entscheidungen, so etwa,
ob Prosa oder Versform zu wählen sei. Eine ganze Reihe von Topoi wird hier gebucht.
Und schließlich geht es unter quando ? um die zeitliche Dimension bei Produktion
(Arbeitszeit) und Rezeption (Lesezeit), aber auch hinsichtlich des Abstandes des Autors
zu den beschriebenen Ereignissen. Unter all diesen Gesichtspunkten wird unablässig auf
Stellen in der vorangegangenen Darstellung der einzelnen biographischen Werke
verwiesen. Die umfangreichen Register zum Gesamtwerk umfassen lateinische Wörter,
Wortformen und Junkturen, ein Register der angeführten Stellen (Autoren bis etwa 600),
ein Sachregister (auch betreffend Zahlen), ein Register der geographischen Namen, eine
Konkordanz mit der BHL und schließlich ein Incipitregister für Stücke in gebundener
Form.
An der Universität Kiel läuft ein Graduiertenkolleg « Imaginado borealis : Perzep­
tion, Rezeption und Konstruktion des Nordens ». In diesem Rahmen und als Dissertation
der Universität Hamburg von 2003/04 ist eine mentalitätsgeschichtliche Untersuchung
erschienen, welche der Frage nachgeht, welche Benennungen für den ‘Norden’
bestanden haben, welche Vorstellungen von ihm, vor allem jedoch, welche Bewer­
tungen : David F r a e s d o r f f . Der barbarische Norden. Vorstellungen und Fremdheitskate­
gorien bei Rimbert, Thietmar von Merseburg, Adam von Bremen und Helmold von
Bosau. (Orbis mediaevalis, Vorstellungswelten des Mittelalters 5). Berlin: Akademie
Verlag, 2005. 415 Seiten. ISBN 3-05-004114-5. Im ersten Hauptteil der Arbeit geht es
um die Vorstellungen, die man sich vom ‘Norden’ gemacht hat. Zunächst werden die
griechischen und lateinischen Bezeichnungen des Nordens besprochen, sodann die
geographischen Vorstellungen, die man sich in der Antike, dann im 8. bis 10., und
schließlich im 11. und 12. Jahrhundert darüber gemacht hat. Was die Einschätzungen
angeht, wird bei denen der Himmelsrichtungen allgemein angesetzt, dann werden die
Wertungen des ‘Nordens’ bei den vier im Titel genannten Autoren gemustert. Im zweiten
Hauptteil geht es um das « Barbarische », um das Fremde am Norden. (Insofern trifft
sich die Arbeit teilweise mit der in ALMA 62, 2004, S. 250f., angezeigten von Völker
S c i o r . ) Eingesetzt wird hier mit methodischen Überlegungen und bei den sprachlichen
Bezeichnungen der Fremdheit in Antike und Mittelalter. Dann werden bei den vier
Autoren unterschiedliche Kategorien der Fremdheit dingfest gemacht : religiöse, ethni­
sche, politische und kulturelle Fremdheit. Bei R i m b . Anscar. geht es nebst anderem um
das missionarische Interesse, in T h i e t m . chron. erscheint der ‘Norden’ als Gegenwelt ;
bei A d a m . gest. wird ein antikisierendes Nördlichkeitsbild und die eschatologische
Bedeutung des ‘Nordens’ hervorgehoben.
Der St. Galler Mönch Ekkehart IV. ist vor allem als hochbegabter Erzähler bekannt
und geschätzt. Vielleicht nicht ganz so anziehend, jedoch bildungs- und kulturge­
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
287
schichtlich von nicht minderem Interesse sind seine verschiedenen — kleineren und
größeren — Dichtungen. Kürzlich ist hierzu ein willkommener kurzer Überblick vorge­
legt worden : Stefan W eber. Ekkehardus poeta qui et doctus. Ekkehart IV. von St. Gallen
und sein gelehrt poetisches Wirken. Nordhausen : Traugott Bautz, 2003. 103 Seiten.
ISBN 3-88309-113-8. — Unter dem Obertitel Ekkehardus poeta wird zunächst ausführ­
lich über die verschiedenartigen Dichtungen gehandelt, die Ekkehart autograph in seinen
‘Liber benedictionum’ eingetragen hat: die vermischten Gedichte in ‘Benedictiones
super lectores per circulum anni’, die Serie der spruchartigen ‘Benedictiones ad
mensas’, die Gemäldetituli für Mainz und diejenigen für St. Gallen, seine Übersetzung
von Ratperts althochdeutschem Galluslied und verschiedene Gelegenheitsgedichte sowie
Epitaphien. Außerhalb dieser Sammlung steht eine Poetik in nuce , nämlich ‘De lege
dictamen omandi’, stehen ferner Spottverse auf einen Trinker. Abgerundet wird dieser
Teil mit Gedanken über Ekkeharts dichterischen Stil. Ein ganz kurzer zweiter Teil gilt
dem Ekkehardus glossator , dies in engem Anschluß an einen Aufsatz von Peter Osterwalder mit diesem Obertitel (in : Variorum muñera florum ..., Sigmaringen 1985, S. 7382). Nützlich ist der anhangsweise beigegebene Überblick über alle Gedichte Ekke­
harts IV. mit Incipit (bei den ganz kurzen Texten : mit Vollabdruck) und Nachweis der
kritischen Edition.
Von dem Bibelepos ‘Hypognosticon’ des Laurentius von Durham ist vor kurzem die
kritische Erstedition vorgelegt worden (s. ALMA 62, 2004, S. 237). Nun hat die Heraus­
geberin dieses Textes den Ertrag ihrer interpretatorischen Arbeit daran in einer Mono­
graphie veröffentlicht : Susanne D aub. Von der Bibel zum Epos. Poetische Strategien des
Laurentius am geistlichen Hof von Durham. Köln : Böhlau, 2005. 283 Seiten. ISBN
3-412-14005-8. — Die Bearbeiterin bündelt ihre Beobachtungen nach den Kategorien
‘Makrostrukturen’ und ‘Mikrostrukturen’. Unter dem ersten Gesichtspunkt geht es um
die narrative Ordnung : einesteils um ihr Verhältnis zur Auswahl der Stoffe, andemteils
um Vor- oder Rückgriffe. Wie es in der Natur der Sache liegt, gibt es an Mikrostrukturen
weit mehr zu behandeln. Hauptgesichtspunkte sind hier der « narrative Schmuck » und
die « gedankliche Intensivierung des Diskurses ». Unter den Begriff ‘Schmuck’ gestellt
werden Ausführungen über Schlachtengemälde, Reden der auftretenden Figuren,
Vergleiche mit Tieren, allegorische Bilder — hier : das Lebensschiff und das Gefängnis
der Liebe —, sodann nicht-allegorische Beschreibungen, handle es sich um Dinge oder
um Personen — hier: der Sara und des häßlichen Menschen —, und schließlich um
katalogartige Textstellen. Als gedankliche Intensivierung werden hier gesehen : die
Ausdeutung einzelner Erzählsequenzen — hier: Sündenfall, Josephsgeschichte und
Amnons Liebe zu Thamar —, sodann die ausführliche Erörterung einzelner Gesichts­
punkte. Hierunter fallen Exkurse wissenschaftlichen Charakters — etwa : zur Zeugungs­
fähigkeit alter Menschen — und solche meditativer Art — über das heilige Kreuz und
Gottes Güte — und schließlich verschiedene Typen von Apostrophe : intradihegetisch —
der Dichter spricht eine Figur der Erzählung an —, extradihegetisch — er spricht den
Leser an — oder aber als Anrede seiner selbst oder seiner Muse. Die gewonnenen
Einsichten in die handwerklichen Fertigkeiten und die literarischen Verfahren des
Dichters werden in Form von Zwischenergebnissen und in einer Gesamtwertung zusam­
mengefaßt.
Wer sich bisher mit der Überlieferungsgeschichte der Werke der Hildegard von
Bingen (1098-1179) befaßte, tat dies vorwiegend unter textkritischen Gesichtspunkten
und fragte nach Überlieferungen, welche der Autorin besonders nahestehen. Von anderen
Hauptgesichtspunkten geleitet ist die folgende Arbeit : Michael E mbach. Die Schriften
Hildegards von Bingen. Studien zu ihrer Überlieferung und Rezeption im Mittelalter und
der Frühen Neuzeit. (Erudiri sapientia. Studien zum Mittelalter und zu seiner Rezepti­
288
PETER STOTZ
onsgeschichte 4). Berlin : Akademie Verlag, 2003. 595 Seiten. ISBN 3-05-003666-4. —
Das Hauptziel dieser Trierer Habilitationsschrift ist, die Rezeption und den Wirkungser­
folg der einzelnen Werke Hildegards über einen längeren Zeitraum hin zu erkunden. In
einem ersten Hauptteil werden die Basishandschriften und die Editionen von Hildegards
Werken erforscht. Ausgangspunkt ist dabei die Handschrift, die für Jahrhunderte die
Grundlage für die Kenntnis von Hildegards Schriften war: der Wiesbadener Riesen­
codex, und ist der Prozeß von dessen Herstellung im Skriptorium des Klosters Ruperts­
berg. Nacheinander werden dann die großen Werke bzw. Werkkomplexe untersucht nach
Rezeptionsspuren im Mittelalter, nach der handschriftlichen Überlieferung im
Einzelnen, nach der jeweiligen Editio princeps u. a. m. An der Spitze stehen die drei
großen Visionsbücher : ‘Scivias’, ‘Liber vitae meritorum’ und ‘Liber divinorum
operum’. Dann folgt das Epistolarium, einschließlich der ursprünglich darin überlie­
ferten beiden Viten, ‘Vita Ruperti’ und ‘Vita Disibodi’, sowie der umfangreicheren
Brieftraktate, die zum Teil ausgegliedert und als Werke eigener Geltung behandelt
wurden. Die beiden Sprachtraktate ‘Lingua ignota’ und ‘Litterae ignotae’ haben eine nur
ganz schmale Wirkungsgeschichte. Besondere Probleme werfen die beiden naturkund­
lich-medizinischen Schriften auf : der ‘Liber simplicis medicinae’ (auch ‘Physica’
genannt, bereits 1533 gedruckt) und der ‘Liber compositae medicinae’ (auch ‘Causae et
curae’ genannt, 1903 erstmals ediert). Der zweite, weit weniger umfangreiche Teil der
Arbeit betrifft einzelne Rezeptionsweisen und -Zusammenhänge : die Erwähnung Hilde­
gards in chronistisch-annalistischen Texten, sodann in der Mystik, in Ars moriendiTexten, in Reformschriften und in der Predigtliteratur. Auch pseudepigraphische und
polemische Überlieferungen werden erörtert. Schließlich wird Johannes Trithemius
(1462-1516) als großer Propagator Hildegards gewürdigt. Zu den Ergebnissen dieser
vielschichtigen Studie zählen die folgenden : Der Anteil Hildegards als Autorin an den
einzelnen Werkgruppen ist unterschiedlich und die Erarbeitung der Werke gliedert sich
in drei Phasen; der Verlust ihres Sekretärs Volmar 1173 bedeutet einen wichtigen
Einschnitt. (Der Anteil der verschiedenen Sekretäre an Hildegards Schriften ist noch
nicht genügend geklärt.) Die dritte Phase liegt in den Jahrzehnten nach ihrem Tode, als
sich eine « produktive Fortschreibung » von Hildegards Werk ereignete. Im 12./13. Jahr­
hundert waren vor allem ihre visionären Werke beliebt. Erwähnt sei die Zusammenstel­
lung von Auszügen aus ihrem Werk unter apokalyptischem Blickwinkel durch Gebeno
von Eberbach SOCist in seinem ‘Pentachronon’ (um 1220). Teile ihrer visionären
Schriften wirkten vielfach in Überlieferungssymbiose mit vergleichbaren Texten anderer
Autoren fort. Wichtig war die Überlieferung im monastischen Milieu, namentlich auch
bei den Zisterziensern. Die naturkundlichen Werke gelangten erst spät zu nennenswerter
Wirkung. Interessant ist der Entstehungsprozeß des ‘Liber compositae medicinae’, in
welchen spätere Redaktoren eingegriffen haben. Im 13. und vollends im 14. Jahrhundert
kommt es in der Produktion von Hildegard-Handschriften zu einem Einbruch, im
15. Jahrhundert wieder zu einem Aufschwung, der sich damals allerdings noch nicht in
gedruckten Ausgaben äußerte.
Kurz sei hier von einer Monographie die Rede, welche einem kirchen- und theolo­
giegeschichtlich wichtigen Legendenkomplex gewidmet ist, nämlich Erzählungen
davon, daß eine (Kloster-)Kirche von Christus und den Engeln selber gçweiht worden
sei : Matthias M. Tischler. Die Christus- und Engelweihe im Mittelalter. Texte, Bilder
und Studien zu einem ekklesiologischen Erzählmotiv. (Erudiri sapientia. Studien zum
Mittelalter und zu seiner Rezeptionsgeschichte 5). Berlin: Akademie Verlag, 2005.
244 Seiten, Abb. ISBN 3-05-004075-0. — Ausgehend von der Feststellung, daß die
mittelalterlichen Kirchweihlegenden ganz allgemein in der Kirchen- und Theologiege­
schichte bisher nicht die nötige Aufmerksamkeit gefunden haben, kommt der Verfasser
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
289
auf einen Komplex von Erzählungen zu sprechen, welche die Weihe einem übernatürli­
chen Eingreifen Christi und seiner Engel zuschreiben. In seiner Untersuchung geht er
altkirchlichen Traditionen und Vorstellungen nach, welche diese Legenden vorbereitet
und genährt haben dürften. Dann behandelt er die ältesten Weiheerzählungen selber,
zunächst solche innerhalb hagiographischer Texte, dann solche in selbständiger Form.
Hierauf fragt er nach dem jeweiligen kirchenpolitischen Umfeld dieser Legenden an
einem bestimmten Ort. Als prominentes Fallbeispiel dient hier zunächst das Kloster
Einsiedeln ; andere Orte folgen. Schließlich wird nach der zeitlichen Staffelung gefragt
hinsichtlich einzelner Orte, Motive und Überlieferungsformen. Christus- und Engel­
weihlegenden insgesamt erscheinen erst nach 1000 ; sie lösen gewissermaßen die Erzäh­
lungen von Michaelserscheinungen im 879. Jh. ab. Die Anstöße zur Herausbildung
solcher Erzählungen liegen weniger im Wettstreit zwischen älteren und jüngeren
Klöstern oder in der Bedrückung durch Klostervögte als in dem Bestreben, gegenüber
dem Diözesanbischof den « Status der spirituellen wie jurisdiktioneilen Unantast­
barkeit » zu wahren. Im Mittelteil der Arbeit werden in alphabetischer Folge für zwanzig
Orte, von Andechs über Figeac und Saint-Maur-des-Fosses bis Westminster, die
einschlägigen Texte — fast durchweg sind es lateinische — gedruckt. Ihre Textform
beruht auf älteren Ausgaben, die jedoch vielfach auf Grund der handschriftlichen Über­
lieferung revidiert worden sind. Im dritten Teil wird die bildliche Überlieferung behan­
delt für die Engelweihe der Bartholomäuspassion sowie für die Christus- und Engel­
weihe von St-Denis und von Einsiedeln.
Wenigstens ganz knapp sei hingewiesen auf eine Arbeit geistesgeschichtlicher
Ausrichtung, welche das Zeitverständnis in drei hochmittelalterlichen Weltchroniken
zum Gegenstand hat : Fabian S chwarzbauer. Geschichtszeit. Über Zeitvorstellungen in
den Universalchroniken Frutolfs von Michelsberg, Honorius’ Augustodunensis und
Ottos von Freising. (Orbis mediaevalis , Vorstellungswelten des Mittelalters 6). Berlin :
Akademie Verlag, 2005. 305 Seiten. ISBN 3-05-004112-9. — Der Arbeit, die auf eine
historische Dissertation der Universität Hamburg von 2002 zurückgeht, ist zum Ziel
gesetzt, «die allgemeinen Züge der Geschichtszeit in diesen Weltchroniken als
Geschichtszeit des hochmittelalterlichen Weltchronisten auszuweisen und deren spezifi­
sche Ausformungen abzugrenzen ».
An dieser Stelle ist eine begriffsgeschichtliche Untersuchung zu erwähnen : Peter
vo n
Moos. ‘Öffentlich’ und ‘privat’ im Mittelalter. Zu einem Problem historischer
Begriffsbildung. (Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger
Akademie der Wissenschaften 33). Heidelberg : Winter, 2004. 107 Seiten. ISBN 3-82531668-8. — Die höchst vielschichtig geführte Erörterung kann hier nicht in wenigen
Worten resümiert werden. Ausgangspunkt ist ein « forschungspraktisches Problem »,
nämlich der Umstand, daß in der neueren deutschsprachigen Mediävistik berechtigte
Hemmungen bestehen, die deutschen Begriffe ‘öffentlich’ und ‘privat’ auf mittelalter­
liche Verhältnisse anzuwenden. Der Verfasser der Studie geht dem Problem dadurch auf
den Grund, daß er das zweipolige Begriffsfeld zeit- und sprachenübergreifend
ausleuchtet. Dabei geht es zunächst um das Begriffspaar publicus / privatus und dessen
Entsprechungen im Italienischen, Französischen und Englischen, mit Beizug auch von
Srjpômoç und iôuüTr|ç. Herausgearbeitet wird so der Unterschied zwischen einem
alteuropäischen Gemeinschaftsbegriff, der sich mit Ausdrücken wie res publica oder
‘Gemeinnutz’ verbindet — dies in dem (politisch-sozialen) Spannungsfeld zwischen
« universell » und « partikulär » —, einerseits, und einem im Deutschen geltenden
Begriff von ‘öffentlich’ in dem (medialen) Sinne von ‘offen zutagetretend, manifest’ (im
älteren Deutsch offenlich): einem Begriff, der als Substantiv ‘Öffentlichkeit’ mit der
Aufklärung normative Züge angenommen hat. Im Zuge einer ausgreifenden Analyse
290
PETER STOTZ
werden auch die Bedeutungsentwicklungen von publicus im Mittelalter verfolgt — etwa
publicus ~ ‘herrschaftlich’, publicare ‘konfiszieren’ — und werden gesellschaftstheore­
tische Konzepte einzelner Denker von der Patristik bis zur Moderne berührt.
Mit etwas Verspätung sei an dieser Stelle ein Aufsatz textkriti sch-interpretatorischen Charakters erwähnt, der eine Dichtung aus der Zeit um 8 0 0 ( V u l f . Marc. II)
betrifft: Thomas G ä r t n e r . Kritisch-Exegetisches zur Marcellus-Vita des Vulfinus von
Die (MGH poet. lat. IV 3 p. 9 6 3 -9 7 6 Strecker). (Eranos 9 9 , 2 0 0 1 , 1 8 -2 7 ). Der Bearbeiter
sucht durch Umstellungen eine größere Zahl krasser Prosodiefehler auszumerzen, dies
mit Rücksicht darauf, daß im einzigen Textzeugen, einer Bologneser Handschrift aus der
frühen Neuzeit, manche Lücken klaffen und vielleicht in Vorgängerfassungen am Rande
stehende Wörter falsch eingesetzt worden sind.
Auf den Zeitpunkt der Beendigung seiner akademischen Lehrtätigkeit an der Univer­
sität Heidelberg ist von Walter Berschin ein Sam m elband erschienen, der nicht
weniger als 38 kleinere A rbeiten vereinigt: Walter Berschin. Mittellateinische
Studien. Heidelberg : Mattes Verlag, 2005. XII, 456 Seiten, 31 Abb. ISBN 3-930978-75X. — Die meisten dieser Arbeiten sind — an ganz unterschiedlichen Orten — bereits
früher erschienen, wurden für diesen Wiederabdruck jedoch formal, teilweise auch
inhaltlich bearbeitet. Leitender Gesichtspunkt bei der Auswahl war, ob die jeweilige
Arbeit inhaltlich oder methodisch etwas Neues bringt. Immerhin wurden fünf Arbeiten
mit Überblickscharakter mit abgedruckt : diejenigen über Dinamius Patricius von
Marseille (s. ALMA 59, 2001, S. 287), über die Ost-West-Gesandtschaften am Hof
Karls des Großen und Ludwigs des Frommen, über die Schule der Reichenau, über
Hildegund von Schönau und schließlich diejenige über Homer im Reich Friedrichs II.
Durchweg ist das chronologische Prinzip gewahrt. Insgesamt neun Arbeiten betreffend
die Zeit bis 800. Hervorgehoben seien aus dieser Gruppe die kurze, bisher unveröffent­
lichte Studie : « Possidius, Vita Sancii Augustini. Eine patristische Biographie mit klas­
sischem Hintergrund » (S. 1-7), sodann die Arbeiten über «die älteste erreichbare Text­
gestalt der Passio Sanctae Afrae » (BHL 107b ; mit Edition und Übersetzung), über
« Gallus abbas vindicatus» und « Columban und Gallus in Bregenz » sowie über die
zweite Prosavita des hl. Cuthbert, verfaßt von Beda. Neben diesen Arbeiten aus dem
biographisch-hagiographischen Bereich stehen andere aus einem ändern großen
Forschungsgebiet Berschins, der Vermittlung des Griechischen im Westen : so zunächst
die Studie über Griechisches in der Domschule von Verona, dann diejenige über den
Übersetzer Bonifatius Consiliarius (s. ALMA 50, 1991, S. 149). — Elf Arbeiten
beschlagen Themen aus der Karolingerzeit, darunter solche über bestimmte Hand­
schriften und Texte, so zur Lokalisierung und Datierung der althochdeutschen Bene­
diktregel (s. ALMA 62, 2004, S. 254), zum St. Galler Klosterplan als Literaturdenkmal
(s. ALMA 60, 2002, S. 276) sowie zur Überlieferungsgeschichte der Werke des Notker
Balbulus (die deutschsprachige Version des entsprechenden Beitrags in : La trasmissione
dei testi latini del medioevo ... TE TRA 1, Firenze 2004) und über « neun Psalteria
quadrupartita Salomons III. von Konstanz » (neu darin, als Appendix : Edition, Überset­
zung und Besprechung des Gedichts Nongentis p a ritérque novem labentibus annis
¡¡Schalter / Könsgen 10539]). Die Kodikologie betrifft Berschins Inventar von 28 Hand­
schriften im Diptychonformat. Hervorgehoben sei der erstmals publizierte Aufsatz « Vier
karolingische Exlibris » (S. 169-178). Die griechische Sprache betrifft der Aufsatz über
« Griechisches in der Klosterschule des alten St. Gallen ». Hinzu kommen Studien zu
einzelnen Inschriften, so zu den Tituli der Wandbilder von Reichenau-Oberzell (s.
ALMA 54, 1996, S. 265). — Fünf Arbeiten betreffen die ottonische Kultur. Mit
Berschins Hrotsvit-Ausgabe (s. ALMA 59, 2001, S. 273) hängt eine Studie über « Tradi­
tion und Neubeginn » bei dieser Dichterin zusammen (die deutschsprachige Version des
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
291
in Poesía latina m e d i e v a l Firenze 2005, in spanischer Sprache erschienenen Beitrags),
mit dem hagiographischen Forschungsschwerpunkt zwei neue Studien über die Viten
Ulrichs von Augsburg : « Realistic writing in the tenth century : Gerhard of Augsburg’s
Vita (I) S. Uodalrici (A.D. 982-993) (S. 249-254) sowie: « Gebehardus episcopus Augustensis, Vita (II) S. Uodalrici (BHLS nr. 8361)» (S. 255-266) : Letzteres im Wesentli­
chen eine Neuedition dieser fragmentarischen Vita mit einer Übersetzung. Zu nennen ist
außerdem eine biographische Studie über Bischof Erkanbald von Straßburg (965-991).
— Acht Beiträge sind Themen aus dem Hochmittelalter gewidmet. Zu dem Forschungs­
gebiet « Griechisches im Westen » gehören ein Aufsatz über die Übersetzer des 11. Jahr­
hunderts in Amalfi (mit einer Edition des ‘Obitus s. Nikolay’, übersetzt von Iohannes
monachus Amalfitanus, BHL 6156h) und eine Studie über den «byzantinisch-liturgi­
schen Hintergrund » salemitanischer Übersetzungen aus der Zeit um 1100. Genannt
seien ferner die Arbeiten über die Reaktion auf den Tod Gregors VII. nach fünf oberita­
lienischen Streitschriften, über einen Text von Rupert von Deutz zu Johannes dem
Täufer sowie ein bisher unveröffentlichter Vortrag über die Gedichte Hildegards von
Bingen (S. 339-346). — Die verbleibenden fünf Arbeiten betreffen die Zeit vom Spät­
mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Dazu gehören Beiträge über Sueton und Plutarch im
14. Jahrhundert, über Rudolf Agrícolas Biographie Petrarcas, sodann über « Neulateini­
sche Utopien im Alten Reich (1555-1741) ». Themen der Forschungsgeschichte
beschlagen die hier erstmals veröffentlichte Studie « Fachmann (1*1851) und der
Archetyp » (S. 389-394) und diejenige über « Bücher des Jahres 1948». — Der Band
wird durch mehrere Register erschlossen — eines betrifft « Wörter, Junkturen, Zeichen »
— und enthält außerdem die vollständige Bibliographie der Arbeiten Berschins.
Nun sei der Blick auf zwei Festschriften gelenkt :
Zu seinem 65. Geburtstag haben Kollegen, Freunde und Schüler dem Zürcher Histo­
riker Ludwig Schmugge eine umfangreiche Festschrift überreicht, in welcher die drei
Felder, auf denen der Jubilar in letzter Zeit hauptsächlich geforscht hat, durch ganz
unterschiedliche, doch zusammen einen Eindruck von Homogeneität erweckende
Beiträge vertreten sind : Päpste, Pilger, Pönitentiarie. Festschrift für Ludwig Schmugge
zum 65. Geburtstag. Herausgegeben von Andreas M eyer, Constanze Rendtel und Maria
W ittmer-B utsch. Tübingen: Max Niemeyer, 2004. XIV, 582, Abb. ISBN 3-484-801670. — Im Folgenden seien diejenigen Beiträge genannt, in denen es vorwiegend um Text­
liches geht, zunächst zum Bereich « Päpste » : Peter Landau. Fälschungen zum Begriff
des Benefiziums und der Simonie im Decretum Gratiani. Ein Beitrag zur Entstehungs­
geschichte des kirchlichen Benefiziums im kanonischen Recht und zu Papst Alex­
ander II. (S. 3-13). — Patrick H ersperger. Die Dekretale Ecclesia vestra nuper von
Honorius III. in der Rezeption verschiedener Werke der klassischen Kanonistik (S. 3148). — Bernhard S chimmelpfennig. Der Ablaßtraktat des Genueser Arztes Galvanus de
Levanto (S. 73-82). [Mit Textauszügen.] — Ottavio Clavuot. Ve rus Christi vicarius.
Programmatik der Darstellung Papst Eugens IV. in Biondos Schriften und an Filaretes
Portal von St. Peter (S. 83-107, 5 Abb.). — Arnold Esch. A us dem Alltag eines Ablaß­
kollektors. Eine Reise durch Deutschland, die Niederlande und Österreich anhand der
Buchführung 1470-1472 (S. 109-134, 2 Abb.). — Knut Schulz. Was ist deutsch ? Zum
Selbstverständnis deutscher Bruderschaften im Rom der Renaissance (S. 135-179,
1 Abb., 3 Karten). [Enthält ein lateinisches Gutachten über die Voraussetzungen für die
Aufnahme in die deutsche Schuhmacherbruderschaft in Rom v. J. 1633 mit paralleler
deutscher Übersetzung.] — Mit dem Thema « Pilger » befassen sich : Maria W ittmerB utsch und Martin Gabathuler. Karl der Große und Zürich. Zur Gründungsphase des
« Großmünsters » (S. 211-224). [Mit Analyse von Textstellen aus dem sogenannten
Zürcher Rotulus.] — Michele C. Ferrari. Inquisitione diligenti et fideli. Beglaubi-
292
PETER STOTZ
gungsstrategien und hagiologische Recherchen im Mittelalter (S. 225-236). [Unter
anderem geht es um den Bericht eines gewissen Godefridus über seine Recherchen (v. J.
1256) zur Identität von in Clairvaux verehrten Heiligen ; dieser Text wird anhangsweise
ediert.] — Martina W ehrli-Johns / Peter S totz. Der Traktat des Dominikaners Albert
von Weißenstein über das Salve regina (gedruckt : Zürich um 1479/1480) (S. 283-313).
[Mit Edition und Übersetzung dieses Textes im Paralleldruck.] — Dem Forschungs­
schwerpunkt « Pönitentiarie » sind zugeordnet : Andreas M eyer. Quellen zur Geschichte
der päpstlichen Pönitentiarie aus Luccheser Imbreviaturen des 13. Jahrhunderts (S. 317351). [Mit Edition von 13 Urkunden und Briefen.] — Jürgen M iethke. Die Eheaffäre der
Margarete «Maultasch», Gräfin von Tirol (1341/1342). Ein Beispiel hochadliger Fami­
lienpolitik im Spätmittelalter (S. 353-391). [Unter anderm geht es um vier lateinische
Traktate in einer heute in Bremen liegenden Sammelhandschrift aus der Zeit kurz nach
1356.] — Michael Haren. Montaillou and Drogheda. A medieval twinning (S. 435-456).
[Anhangsweise ist Sermo 40 der Predigtsammlung von Erzbischof Richard FitzRalph
von Armagh (Mitte 14. Jh.) ediert.] — Wolfgang P. M üller. The price of papal pardon.
New fifteenth-century evidence (S. 457-481). [Mit Edition einer Taxordnung von 1431.]
— Daniel Rutz. Incipit formularius, quo utebantur minores penitenciara sacri concilii
Basiliensis (S. 483-498). [Mit Edition.] — Paolo O stinelli. L’offerta della grazia.
Dispense e assoluzioni concesse da vescovi e invitati pontifici in Lombardia nel
XV secolo (S. 531-549). [Mit Edition von acht Schreiben betreffend Ehedispense v. J.
1478.] — Hinzu kommen zahlreiche weitere Arbeiten kultur- und sozialgeschichtlichen,
personen-, familien- und institutionengeschichtlichen sowie quellenkundlichen Charak­
ters. Die Festschrift enthält zudem das Schriftenverzeichnis des Geehrten.
Mit Heinrich Tiefenbach hat vor kurzem ein Altgermanist seinen sechzigsten
Geburtstag gefeiert, der in seinen Forschungen immer wieder deutlich gemacht hat, wie
eng verzahnt Latein und Deutsch im frühen und hohen Mittelalter sind. (Am bekannte­
sten sind den Mittellateinem wohl seine « Studien zu Wörtern volkssprachiger Herkunft
in karolingischen Königsurkunden» von 1973 (zu D ipl. Loth. I./ D ipl. Loth. IL, s.
ALMA 40, S. 150f.). Dies spiegelt sich denn auch in der ihm zu Ehren veranstalteten
Festschrift : Entstehung des Deutschen. Festschrift für Heinrich Tiefenbach. Herausge­
geben von Albrecht Greule, Eckhard M eineke, Christiane T him-M abrey. (Jenaer germa­
nistische Forschungen, Neue Folge 17). Heidelberg : Winter, 2004. 563 Seiten, Abb.
ISBN 3-8253-1593-2. — Im Folgenden werden diejenigen Beiträge genannt, in welchen
Lateinisches als Ausgangspunkt oder Gegenposition in Erscheinung tritt : Rolf B erg­
mann. Das Sachglossar im Clm 13090 (S. 9-29). [Betrifft. Gloss. III S. 388f. St.-S.] —
Helge Eilers. Die Satzsyntax der althochdeutschen Isidorübersetzung im Vergleich zur
lateinischen Vorlage (S. 65-86). — Evelyn Scherabon Firchow and Richard Louis
H otchkiss. Notker Labeo’s œuvre : The description of a long-time project (S. 87-118).
— Elvira Glaser und Andreas N ievergelt. Althochdeutsche Griffelglossen :
Forschungsstand und Neufunde (S. 119-132). — Emst H ellgardt. Die Praefatio in
librum antiquum lingua Saxonica conscriptum, die Versus de poeta et interprete huius
codicis und die altsächsische Bibelepik (S. 173-230). [Enthält unter anderm : einen
diplomatischen Abdruck dieser beiden lateinischen Texte nach alten Drucken nebst ihrer
Übersetzung und ihre Untersuchung auf Similien, auf Prosarhythmus bzw. Verstechnik
sowie deren inhaltliche Erörterung. Anhangsweise werden ältere Editionen der Praefatio
wiedergegeben und werden Testimonien des 16. Jahrhunderts für die beiden Texte beige­
bracht. Es folgt ein Katalog von Similien sowie eine Aufstellung über den Cursus im
Prosatext. Den Abschluß macht eine ausführliche Forschungsbibliographie.] — Patrizia
Lendinara. Old High German niunouga ‘lamprey’ and the glosses in a manuscript of the
Quid suum virtutis (S. 271-286). [Betrifft die moralisierende Lehrdichtung Quid suum
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
293
virtutis aus dem 11. Jahrhundert, ed. Anke Paravicini, Heidelberg 1980 ; NGML : Theod.
S. Trud.(?) quid virt.] — Achim M asser. Der Glossator der lateinisch-althochdeutschen
Benediktinerregel (S. 287-302). — Claudine M oulin. Work in progress. Zu einem Würz­
burger Bibelglossar (Würzburg, UB. M. p. th. f. 3) (S. 303-354). [Mit Edition und
Kommentar.] — Ingo Reiffenstein. Hallein — salina nostra. Zur Semantik des Dimi­
nutivs (S. 367-381). — Jörg R iecke. Texttraditionen frühmittelalterlicher Fachprosa
(S. 383-394). [Betrifft das ‘Sommale Danielis’ (vgl. ALMA 46/47, 1986/87, S. 154f.) :
einerseits volkssprachliche Fortführungen der Traumbuch-Tradition, andererseits
althochdeutsche Glossen zum lateinischen Text ; ferner die Anamnese Notkers des Deut­
schen.] — Hans Ulrich Schmid. Die Pariser Tatian-Zitate — Edition, Analysen, Überle­
gungen (S. 395-425). — Ruth S chmidt-W iegand. Der sermo rusticus und die Lex Salica
(S. 427-432). — Franz S immler. Methodische Grundlagen zur Ermittlung von Gesamt­
satzstrukturen, ihrer Teilsatzanzahl und ihren Abhängigkeitsbeziehungen in der latei­
nisch-althochdeutschen Tatianbilingue (S. 433-470). — Stefanie S tricker. Die althoch­
deutsche Glossierung von Priscian: Institutio de arte grammatica. Merkmale einer
Sachtextglossierung im 9. Jahrhundert (S. 471-490). — Petrus W. Tax. Die Glosa Psalmorum ex traditione seniorum — eine weitere exegetische Quelle für Notkers Psalter ?
Eine wahrscheinliche neue Nebenquelle und ihre Problematik (S. 491-501). [Zu der aus
dem frühen 7. Jahrhundert und wohl aus der Provence stammenden Glosa psalmorum
vgl. ALMA 51, 1992/93, S. 211 und 53, 1995, S. 213.] — Lothar V oetz. Zur Rekon­
struktion der lateinischen Vorlage der ‘St. Pauler Interlinearversion zu Lc 1, 64-2, 51’
(sogenannte St. Pauler Lukasglossen) (S. 503-513). — Den Abschluß des Bandes bildet
die Bibliographie des Jubilars.
Wie immer an dieser Stelle ein Blick auf die neuesten Bände und Faszikel der
einschlägigen Z eitschriften.
Begonnen sei wie üblich mit dem ‘Mittellateinischen Jahrbuch’, und zwar Band 39
(2004), Heft 2 ; daraus sind hier zu erwähnen : Christiane Grossmann. Pietas est dei
notio — eine Untersuchung zu Lact. Inst. V 14, llf. (S. 171-181). — Gerlinde B retzigheimer. Der Herkules-Mythos als Gefäßdekor : eine ‘descriptio’ des Theodulf von
Orleans (S. 183-205). [Betrifft T heodulf. carm. 28 (Contra indices) Vs. 177-210.] —
Armando B isanti. Appunti sulla fortuna mediolatina e romanza dei ‘Novi Aviani’
(S. 207-218). — Der Band wird ergänzt durch Arbeiten über «Manetti und Ficino über
die Schönheit der Welt » (Clemens Zintzen) und über sprichwörtliche Lehren in Wolf­
rams von Eschenbach ‘Parzival’ (Wolfgang M ieder). Eine Forschungsmitteilung (Clara
W ille) betrifft den Kommentar des Pseudo-Alanus zu den ‘Prophetie Merlini’. — An
der Spitze des Heftes stehen Worte des Gedenkens an I Deug-Su (1938-2004), einen
Mittellateiner koreanischer Abstammung, der in Italien (und Deutschland) wirkte, von
Seiten seines einstigen Lehrers, Claudio Leonardi.
In Band 39, Heft 3 beschlagen im engeren Sinn unser Interessengebiet : David
R. Carlson. The invention of the Anglo-Latin public poetry (circa 1367-1402) and its
prosody, especially in John Gower (S. 389-406). — Christiane N eerfeld / Anja W olken­
hauer. Pietro Dolfin di Giorgio: ein venezianischer Humanist und seine Bibliothek
(S. 407-440). [Mit kommentierter Edition des Inventars der Bücher aus seinem
Nachlaß.] — Weitere, gewichtige Beiträge betreffen die « Fama in antiker und mittelal­
terlicher Sprache und Literatur» (Werner W underlich) sowie das Thema « Dogmati­
scher oder emergenter Dialog ? Überlegungen zur Konzeptualisierung theologischer und
philosophischer Erkenntnis im Hochmittelalter » (Wolfram D rews).
Heft 1 von Band 40 (2005) enthält die Beiträge : Thomas Gärtner. Die Bucheinteilung
als künstlerisches Gliederungsprinzip lateinischer Erzähldichtung in Antike und Mittel­
alter (S. 3-33). — William S ayers. The etymology of Late Latin malina ‘spring tide’ and
294
PETER STOTZ
ledo ‘neap tide’ (S. 35-43). — Florian S chaffenrath. Eugippius und sein Leser. Zur Funk­
tion dreier Figuren im Brief des Eugippius an Paschasius am Beginn seiner ‘Vita sancti
Severini’ (S. 45-51). — Sam Barrett. The rhythmical songs of Paulinus of Aquileia
(S. 53-73). [Betrifft : Secondary reports / primary sources / musico-poetic analysis / trans­
mission.] — Martha B ayless. Simulation and dissimulation in the snow child sequence
(‘Modus Liebinc’) (S. 75-83). [Betrifft C arm. Cantabr. 14.] — Armando B isanti. Il fior
del giglio nella tradizione poetica latina e medievale (note ad Alessandro Neckam, Suppl.
defect. 1, 331-346) (S. 85-95). — Benedikt Konrad V ollmann. Das ‘Metrum Leonis’ des
Leo von Vercelli. Anmerkungen zu einer Neuedition (S. 101-108). [Bericht zur For­
schung, anschließend an: Leone di Vercelli, Metrum Leonis ..., Edizione critica a cura
di Roberto G amberini, Firenze 2002 ; mit einer deutschen Übersetzung der Fragmente.] —
Eine Forschungsmitteilung betrifft den Inkunabelkatalog der Bayerischen Staatsbiblio­
thek im Internet (BSB-Ink online ; Bettina Wagner). — Am Eingang des Heftes steht
ein Nachruf auf Bengt Löfstedt (1931-2004), verfaßt von Franz B runhölzl.
Aus Heft 2 des 40. Bandes seien folgende Beiträge herausgegriffen : Klaus B itter­
ling. Physiologus und Bestiarien im englischen Mittelalter (S. 153-170, mit 19 Abb.). —
Udo Kühne. Die Lehre vom Predigtaufbau in frühen Artes praedicandi (S. 171-190). —
Kurt S chneider. Adamnan als Stilist (S. 191-195). — Carsten W ollin. Die Lebenswelt
der mittelalterlichen Intellektuellen im Spiegel der lateinischen Epigrammatik (S. 225261). — Tobias Leuker. Sparsa anime fragmenta recolligere — Ciceros Beitrag zu
Petrarcas Bild (S. 263-266) (S. 263-266). — Konrad B und. Die Rezeption Hildegards
von Bingen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit (S. 267-271). [Bericht, der sich
auseinandersetzt mit: Michael Embach, Die Schriften Hildegards von Bingen ..., Berlin
2003 (siehe oben Seite 287).]. — Weitere Beiträge tragen die Titel «Buchreligionen als
Reichsreligionen? Lokale Grenzen überregionaler religiöser Kommunikation» (Jörg
R üpke) und : « Der klügste Bischof der Christenheit oder nur der Bischof von lesi ? Der
anonyme ‘Ritmo laurenziano’ und die europäische Vagantendichtung (Frank-Rutger
Hausmann). Dazu kommt ein Bericht über eine Bibliographie zu Nikodemus Frischlin
(1547-1590 ; Robert Seidel) sowie eine Mitteilung über die Fortschritte des ‘Mittellatei­
nischen Wörterbuches’ (Marie-Luise W eber).
Aus Band 117 (2004) der ‘W iener S tu d ien ’ ist hier zu nennen : D. Thomas B enediktson. Ut balatus ouis sic est rugiré leonis . Medieval composition and modem editing
(S. 225-232). [Es geht um das Tierstimmengedicht mit diesem Incipit, welches in insge­
samt zehn Handschriften in zwei verschiedenen Fassungen überliefert ist, die hier ediert
werden. Anhangsweise wird ein Überblick über insgesamt neun dichterische Texte
gegeben, die auf dem Tierstimmenkatalog von Pseudo-Sueton beruhen.]
Im 60. Jahrgang (2004) des ‘D eutschen A rchivs für E rforschung des M ittel­
a lte rs’ sind folgende Beiträge textlich-sprachlich ergiebig: Herbert S chneider. Ein
unbekannter Ordo ad principem consecrandum aus dem süditalienischen Normannen­
reich (S. 53-95). [Wohl aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. — Mit Edition.] — Amo
M entzel-R euters. Literaturbericht Handschriftenkataloge (S. 201-231). [Fortsetzung
des in ALMA 60, 2002, S. 287 erwähnten Berichtes.] — Hartmut H offmann. Die Trans­
la tio n s et Miracula s. Mennatis des Leo Marsicanus (S. 441-481). [Es geht um zwei
unterschiedliche Translationen dieses unbekannten Heiligen (1094 und wohl 1102/07).
Mit Edition der Translationes I (BHL 5927a) / II (BHL 5928) und der Miracula (BHL
5929).] — Nikolas Jaspert. Zwei unbekannte Hilfsersuchen des Patriarchen Eraclius vor
dem Fall Jerusalems (1187) (S. 483-516). [Mit Edition.] — Gabriela S ignori. Hochmit­
telalterliche Memorialpraktiken in spätmittelalterlichen Reformklöstem (S. 517-547).
[Es handelt sich um den Gebrauch von Totenrotuli ; mit Abdruck einiger dichterischer
und prosaischer Einträge.]
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
295
Aus dem 37. Band (2003) der ‘Frühm ittelalterlichen S tudien’ seien herausge­
griffen : Bruno Reudenbach. Bild — Schrift — Ton. Bildfunktionen und Kommunikati­
onsformen im ‘Speculum virginum’ (S. 25-45 ; Abb. 1-11). — Bernd Roling. Das
M oderancia- Konzept des Johannes de Hauvilla. Zur Grundlegung einer neuen Ethik
laikaler Lebensbewältigung im 12. Jahrhundert (S. 167-258). — Christoph Friedrich
W eber. Schriftstücke in der symbolischen Kommunikation zwischen Bischof Johann
von Venningen (1458-1478) und der Stadt Basel (S. 355-383 ; Abb. 38).
Innerhalb von Band 31/1 (2004) der Zeitschrift ‘Francia, Forschungen zur westeu­
ropäischen Geschichte’ sind sprachlich-textlich von besonderem Interesse : Hans
H ummer. The identity of Ludouicus piissimus Augustus in the Prœfatio in librum
antiquum lingua Saxonica conscriptum (S. 1-14). — Mireille C hazan. Les vies latines
de saint Clément, premier évêque de Metz (S. 15-43). — Pascale B ourgain. Le poème
sur Clovis attribué à saint Remi (S. 141-149). [inc. Dives opum, virtute potens clarusque
triumpho (vgl. den Aufsatz von F. S taab, erwähnt ALMA 60, 2002, S. 284) : mit Edition
und Übersetzung.] — Thierry Lesieur. Les gloses du manuscrit Clm 14137 : Othlon et
la pensée dionysienne (S. 151-163).
Universität Zürich
Peter Stotz
CRONACA DEGLI AVVENIMENTI ITALIANI : 2004-2005
Tra i convegni e le iniziative culturali che hanno avuto luogo in Italia negli ultimi
mesi del 2004 e lungo il corso del 2005 sono da ricordare :
Arezzo (23-25 settembre 2004) : Alberti e la tradizione. Per uno « smontaggio » dei
«m osaici» albertiani. Convegno intemazionale di studi organizzato dal Comitato
Nazionale per il VI centenario della nascita di Leon Battista Alberti insieme con il
Centro di studi sul Classicismo e la Fondazione Aretina di studi sul Classicismo di
Arezzo.
San Miniato (Pisa) (8-10 ottobre 2004) : La morte e i suoi riti in Italia tra Medioevo
e prim a Età moderna. X Convegno intemazionale di studi della Fondazione Centro studi
sulla civiltà del Tardo medioevo di San Miniato.
Tolentino (Macerata) (27-29 ottobre 2004) : Santità e società civile nel medioevo.
Esperienze storiche della santità agostiniana. Convegno intemazionale di studio orga­
nizzato dal Comitato nazionale per la celebrazione del VII centenario della morte di San
Nicola da Tolentino (1305-2005) in collaborazione con la SISMEL.
Salerno (3-5 novembre 2004) : La Scuola medica salernitana. Gli autori e i testi.
Convegno intemazionale organizzato dall’Università degli Studi di Salerno in collabora­
zione con l’École pratique des Hautes Études - IVe section, l’Université de Lausanne, la
SISMEL e Micrologus, Natura, Scienza e Società medievali.
Perugia (1-2 dicembre 2004) : Gregorio Magno e Veresia tra memoria e testimo­
nianza. Convegno nazionale organizzato dal Dipartimento di studi paleocristiani
tardoantichi e medievali dell’Università degli Studi di Perugia e dal Dipartimento di
Studi storici dal Medioevo all’età contemporanea dell’Università degli Studi di Lecce
con il patrocinio del Comitato Nazionale per le celebrazioni del XIV centenario della
morte di Gregorio Magno.
Roma (2-4 dicembre 2004) : Petrarca e Roma. Convegno di studi organizzato
dall’Associazione Roma nel Rinascimento.
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