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C H R O N I Q U E S ...
CHRONIQUES ET C O M P T E S R E N D U S
PAYS D E L A N G U E A L L E M A N D E
Zu Beginn des diesjährigen Berichtes sei, wie immer, ein Blick auf neu
erschienene E d i t i o n e n geworfen. An der Spitze m ö g e die an entlegener
Stelle erschienene Ausgabe eines Textes stehen, der zwar noch der späten
Antike angehört, jedoch innerhalb der Alexanderüberlieferungen im Mittelal­
ter eine große Rolle spielt, nämlich eine reich kommentierte und von einer
Übersetzung begleitete Ausgabe des angeblichen Briefwechsels Alexanders
mit dem König der Brahmanen ( T h L L : Ps. ALEX. c. Dind. coli. / Vetus
L a t i n a : A N A I ) : Die 'Collatio Alexandri et D i n d i m i ' . Lateinisch-deutsch.
Übersetzt und kommentiert von Marc STEINMANN. (Göttinger Forum für Alter­
tumswissenschaft, Beihefte 3). Göttingen: Duehrkohp & Radicke, 2000. VIII,
180 S. ISBN 3-89744-113-6. Das Buch, aus einer Staatsexamensarbeit von
1998 hervorgegangen, enthält einen Textdruck, der zwar im Ganzen der Edi­
tion von Telfryn PRITCHARD (Classica et mediaevalia 46, 1995, S. 255-283)
folgt, wobei jedoch in begründeten Fällen einer andern Textgestaltung der
Vorzug gegeben wird. D e m Text steht die deutsche Übersetzung gegenüber;
den Seitenfuß nimmt ein recht ausgebauter Similienapparat ein. In dem daran
anschließenden Kommentar k o m m e n die textkritischen und sprachwissen­
schaftlichen Fragen, die sich stellen, ausgiebig zur Behandlung. Es bleibt —
so läßt der Bearbeiter seinen Epilog ausklingen — als Desiderat „ weiterhin
eine textkritische Edition, die wenigstens einen Großteil der bekannten Hand­
schriften als Grundlage h a t " .
Die tausendste Wiederkehr der Begegnung Karls des Großen und Papst
Leos III. im westfälischen Paderborn bot im Jahre 1999 Veranlassung, dieses
Ereignisses dort in Form einer ausgebauten Ausstellung zu gedenken. Dazu ist
ein opulentes Katalogwerk erschienen: 799 — Kunst und Kultur der Karo­
lingerzeit. Karl der Große und Papst Leo III. in Paderborn. Katalog der Aus­
stellung Paderborn 1999, herausgegeben von Christoph STIEGEMANN und Mat­
thias WEMHOFF. 2 Bände. M a i n z : Philipp von Zabern, 1999. 938 S., viele Abb.
ISBN 3-8053-2456-1. An dieser Stelle soll es aber vor allem u m den lateini­
schen Text gehen, in dem diese Begegnung beschrieben i s t ; ihm gilt die fol­
gende, in zwei Teile zerfallende Publikation: Wilhelm HENTZE (Hg.). De
Karolo rege et Leone papa. Der Bericht über die Zusammenkunft Karls des
Großen mit Papst Leo III. in Paderborn 7 9 9 in einem Epos für Karl den
Kaiser. Mit vollständiger Farbreproduktion nach der Handschrift der Zentral­
bibliothek Zürich, M s . C 7 8 , und Beiträgen von Lutz E. v. PADBERG, Johannes
SCHWIND und Hans-Walter STORK. ([Mit:] Beiheft: De Karolo rege et Leone
papa. Herausgegeben und übersetzt von Franz BRUNHÖLZL. [Studien und Quel­
len zur westfälischen Geschichte 3 6 ] [Unveränderter Nachdruck a u s : Karolus
Magnus et Leo papa, ein Paderborner Epos vom Jahre 7 9 9 , herausgegeben
von Joseph BROCKMANN, Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte 8 ,
Paderborn 1 9 6 6 , S. 5 7 - 9 7 . ) Paderborn: Bonifatius, 1 9 9 9 . 1 5 7 und 4 8 Seiten,
Abb. im Text, Farbfaksimile. I S B N 3 - 8 9 7 1 0 - 0 6 4 - 9 . Die 5 3 6 Hexameter, u m
die es hier geht, sind in den letzten Jahren immer wieder Gegenstand wissen­
schaftlicher Erörterungen gewesen. (Vgl. A L M A 5 7 , S. 3 2 9 , und frühere
Erwähnungen.) Die gegensätzlichen Standpunkte spiegeln sich hier in den
unterschiedlichen Titelfassungen von Hauptband und Beiheft. Während die
einen es bereits für eine Selbstverständlichkeit nehmen, daß einst ein aus vier
Büchern bestehendes, in den Jahren von Karls Kaisertum von Angilbert oder
Einhart verfaßtes 'Aachener Karlsepos' bestanden habe, wovon diese Verse
lediglich ein Fragment bilden würden, halten andere daran fest, daß die uns
vorliegenden Verse eine abgeschlossene Dichtung darstellen — ihr ist seit
langem der Notname 'Karolus Magnus et Leo papa' zugewiesen (MLW /
N G M L : CARM. de Karolo et Leone). Diesen letzteren Standpunkt vertritt
energisch Franz Brunhölzl in einer Vorbemerkung zum Nachdruck seiner —
vom gegenüberstehenden lateinischen Text begleiteten — Übersetzung. Er
hält dies für die Dichtung eines Iren. Der Hauptteil der Publikation (S. 9 - 1 0 4 )
besteht einer Abhandlung von Lutz E. VON PADBERG über „ Das Paderborner
Treffen von 7 9 9 im Kontext der Geschichte Karls des Großen ". Innerhalb des
Kapitels über „ d a s Gipfeltreffen in P a d e r b o r n " wird (S. 6 6 - 8 0 ) nun auch
'Das Karlsepos' behandelt: Auf einen Abriß über die lebhafte Forschungsdis­
kussion folgt ein Überblick über die Gliederung der vorliegenden Verse, unter
Einbezug des hypothetischen größeren Ganzen, sowie ein Abschnitt über die
dem Werk beigelegte Intention. Hans-Walter STORK gibt (S. 1 0 5 - 1 1 8 ) eine
eingehende Beschreibung der — aus St. Gallen stammenden — Sammel­
handschrift Zürich, Zentralbibliothek C 7 8 . Der kurze Abschnitt, der den in
Frage stehenden Text enthält, erscheint in einem gediegenen Vollfaksimile.
Den Abschluß des Hauptbandes (S. 1 4 3 - 1 5 5 ) bildet ein von Johannes
SCHWIND erarbeiteter reichhaltiger Similienapparat zu dem Text. (Vgl. den
Aufsatz des Verfassers im 'Mittellateinischen Jahrbuch', weiter unten.)
Bernold von Konstanz. D e excommunicatis vitandis, de reconciliatione
lapsorum et de fontibus iuris ecclesiastici (Libellus X). Herausgegeben von
Doris STÖCKLY unter Mitwirkung von Detlev JASPER. (Monumenta Germaniae
Historica: Fontes iuris Germanici antiqui in usum scholarum separatim editi
1 5 ) . H a n n o v e r : Hahn, 2 0 0 0 . VIII, 2 3 6 S. I S B N 3 - 7 7 5 2 - 5 4 2 5 - 0 . Bernold von
Konstanz (um 1 0 5 0 - 1 1 0 0 ) , zeitweilig M ö n c h von St. Blasien und von Aller­
heiligen in Schaffhausen, trat im Investiturstreit als Anhänger der gregoriani-
sehen Partei publizistisch hervor. Eine der daher rührenden Schriften ( M L W :
BERNOLD. CONST. libell. X ) wird hier in einer ausgebauten Neuedition (auf
Grund dreier Handschriften ediert in M G H , Libelli de lite 2, S. 112-142) vor­
gelegt. Sie gliedert sich in vier selbständige Teile, und nur in deren erstem,
der Antwort auf eine Anfrage des Geistlichen G. über die Wiederaufnahme
kirchlich Gebannter, nennt Bernold sich als Verfasser. Die weiteren Teile —
eine Abhandlung über die Buße, deren Möglichkeit, Dauer und Wandlungen
im Lauf der Zeit (Teil II), eine solche über Schismatiker und Häretiker
(Teil III, an Teil I anknüpfend) sowie die umfangreiche Abhandlung über die
Quellen des Kirchenrechtes (nämlich Verlautbarungen der Apostel, Päpste
und der Konzilien) und dessen rechte Auslegung (Teil IV) — können ihm nur
auf Grund der Beobachtung innerer Gemeinsamkeiten zugeordnet werden.
Lediglich zwei Handschriften enthalten die Langfassung des Konglomerates
mit allen vier Teilen, die übrigen nur die Kurzfassung, nämlich Teile I und II
(oder noch weniger). Die Überarbeitung und Zusammenfügung der einzelnen
Teile könnte in Bernolds Umgebung erfolgt sein. 13 von den 22 Handschrif­
ten gehen auf das 12. Jahrhundert zurück, sechs gehören dem Spätmittelalter
oder der frühen Neuzeit an und stammen aus Italien: rezeptionsgeschichtlich
von Interesse, sind sie textkritisch ohne Eigenwert. Die Edition des Textes
wird von detaillierten Sachanmerkungen begleitet, die tief in die kirchliche
Rechtsgeschichte führen.
Im Zusammenhang mit einer größeren Arbeit, welcher die überlieferungs­
geschichtliche Untersuchung der Briefe Hildeberts von Lavardin zum Ziel
gesetzt ist, ist kürzlich die Edition und Erörterung zweier Textkomplexe vor­
gelegt worden, die hiermit in einem lockeren Bezug s t e h e n : Peter ORTH.
Hildeberts Prosimetrum De querimonia und die Gedichte eines A n o n y m u s .
Untersuchungen und kritische Editionen. (Wiener Studien, Beiheft 2 6 ;
Arbeiten zur Mittel- und neulateinischen Philologie 6). W i e n : Verlag der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2000. 170 S. ISBN 3-70012912-2. I m ersten Teil geht es u m Hildeberts Prosimetrum, als dessen Titel
sich das kurze ' D e querimonia' eingebürgert hat ( N G M L : HILDEB. querim.
carn., bisher nach P L 171, Sp. 9 8 9 - 1 0 0 4 ) , einen von der 'Philosophiae con­
solado' des Boethius inspirierten Dialog zwischen dem Autor selber als
Fürsprecher des Leibes und seiner anima. Der Bearbeiter neigt der Ansicht
zu, das Werk sei unvollendet geblieben, daher von Hildebert auch nicht mit
einem Titel versehen und herausgegeben worden. In verschiedener Hinsicht
hat sich Laurentius von Durham in seiner 'Consolado de morte amici' darauf
bezogen. Vinzenz von Beauvais hat in sein 'Speculum historíale' Exzerpte
daraus eingearbeitet. Formal besteht der Text aus fünf Prosastücken und fünf
Gedichten. Ihrer drei sind in stichischen Hexametern geschrieben, eines in
Distichen und eines in Terentianeen. (Dieses Stück, M e t r u m 2, gliedert sich
übrigens in Strophen zu j e vier Versen.) In dieser Selbstbesinnung lassen sich
Reflexe einer großen Feuersbrunst in L e M a n s und von der Drangsal erken­
nen, die Hildebert von Seiten Wilhelms II. des Roten erlitt; demnach würde
A
A
das Werk vermutlich aus der Zeit kurz nach 1099/1100 stammen. Dieses wird
auf Grund von neunzehn Textzeugen erstmals kritisch ediert. I m zweiten Teil
seiner Arbeit befaßt sich der Autor mit einer Gruppe von 25 Gedichten
vermischten Inhalts aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, die wohl alle
von demselben Verfasser s t a m m e n : einem für uns anonym bleibenden Dichter
anglonormannischer Herkunft, einem begabten jüngeren Zeitgenossen
Hildeberts. Die — größtenteils in elegischen Distichen gehaltenen — Texte
finden sich einzig in der Handschrift Vat. Reg. lat. 585 (in Überlieferungs­
gemeinschaft mit ' D e querimonia') sowie in zwei Abschriften davon.
Unter den deutschen Königen und Kaisern ist der Heinrich II. der erste
und — abgesehen von dem später kanonisierten Karl dem Großen — der ein­
zige gewesen, der zu der Ehre der Altäre erhoben worden ist, und zwar
zusammen mit seiner Gemahlin Kunigunde, dies im Jahre 1146, somit gut
120 Jahre nach seinem Tode. Die treibende Kraft hierzu war das Hochstift des
von i h m gegründeten Bistums Bamberg. Hier wurde — im Zusammenhang
mit d e m die Kanonisation herbeiführenden Bericht — eine Vita verfaßt, die
recht bald schon geringfügig ergänzt wurde. Diese ist heute durch sechs erhal­
tene Handschriften vertreten, die Klagenfurter Handschrift (K) mitgerechnet,
deren Text im Zeitraum 1159/1167 durch den Bamberger Diakon Adelbert
erweitert wurde. Diese zweite Rezension ( M L W : Ps. ADALB. BAMB. Heinr.) ist
viel breiter, nämlich in 37 Textzeugen überliefert, wozu noch ein Fragment
und fünf Deperdita kommen. Die Heinrichsvita war bis jetzt zu benützen nach
WAiTzens Ausgabe ( M G H SS 4, S. 792-814), dessen Einschätzung der Über­
lieferungsverhältnisse sich inzwischen als unrichtig herausgestellt h a t : Eine
Abschrift von K zur Leithandschrift nehmend, mißdeutete er den Textbestand
der ersten Redaktion als nachträgliche Text Verkürzung. Die Klärung und Auf­
arbeitung der Überlieferung geschieht, im Gefolge einer grundlegenden
Arbeit von Renate (Neumüllers-)KLAUSER von 1957, in der folgenden Neue­
dition, die eine Münchener Dissertation v o m 1998 darstellt: Die Vita sancti
Heinrici regis et confessoris und ihre Bearbeitung durch den Bamberger
Diakon Adelbert. Herausgegeben von Marcus STUMPF. (Monumenta Germaniae Histórica: Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim
editi 69). H a n n o v e r : Hahn, 1999. VIII, 374 S. I S B N 3-7752-5390-4. In einer
ausgedehnten, den Editionsteil an Umfang weit übertreffenden Einleitung,
werden alle Aspekte der Überlieferung und des Zustandekommens der beiden
Fassungen ausführlich erörtert. Die Darstellungsinteressen der ursprünglichen
Vita stellt er unter die Leitbegriffe: „ Prädestination und Aufstieg ", „ streiten
für Kirche und R e i c h " , „Prüfung und B e w ä h r u n g " , „ d e r T r i u m p h a t o r " und
schließlich „ d e r H e i l i g e " . Die Erweiterungen betreffen die Gründungsge­
schichten von Bamberger Stiften, die in der Erstfassung noch nicht behandelt
worden waren, sodann die Einfügung von Urkunden und überhaupt Materia­
lien, welche die Stellung des Hochstiftes in einem lange andauernden Konflikt
mit den Erzbischöfen von Mainz und den Bischöfen von Würzburg zu befe­
stigen vermochten. In seinem Editionstext hält der Herausgeber die beiden
Fassungen so auseinander, daß er zwei Zählungen nebeneinander her laufen
läßt: der ersten Redaktion weist er eine Kapitelzählung mit gewöhnlichen
Ziffern zu, der zweiten eine solche mit in eckige Klammern gestellten Ziffern.
Dort, wo es einmal nicht u m ein Weniger oder Mehr, sondern u m die unter­
schiedliche Darstellung desselben Gegenstandes geht, wird
Spaltendruck
gewählt. Anhangsweise wird ein kurzer Bericht über Heinrichs Kanonisation
ediert, der in zwei Handschriften der ersten Fassung eingeschaltet ist. Dazu
k o m m e n zwei hier erstmals edierte Prologe, die in einer bzw. in zwei spät­
mittelalterlichen Handschriften dem Vitatext voranstehen.
Unter den Jenseitsvisionen, die im Hochmittelalter das religiöse Denken
und Fühlen mächtig angeregt haben, war eine der verbreitetsten und wirk­
samsten die 'Visio Tnugdali', u m die Mitte des 12. Jahrhunderts in Regens­
burg von einem irischen Wandermönch namens Marcus niedergeschrieben.
Von ihr sind bisher 172 Handschriften
bekanntgeworden,
einschließlich
14 Deperdita. Ein weiteres Zeugnis für die Beliebtheit des Textes ist die Tat­
sache, daß u m 1190 im bayerischen Prämonstratenserkloster Windberg (bei
Straubing) ein Geistlicher namens Alber danach eine mittelhochdeutsche
Versfassung schuf. In der folgenden Arbeit, einer Mainzer Dissertation von
1997, geht es vor allen Dingen u m sie und ihr Verhältnis zur lateinischen
F a s s u n g : Brigitte PFEIL. Die 'Vision des Tnugdalus' Albers von Windberg.
Literatur- und Frömmigkeitsgeschichte im ausgehenden 12. Jahrhundert. Mit
einer Edition der lateinischen 'Visio Tnugdali' aus Clm 22254. (Mikro­
kosmos, Beiträge zur Literaturwissenschaft und Bedeutungsforschung 54).
Frankfurt/M.: Lang, 1999. 317, *XLVII, *57 S. ISBN 3-631-33817-1. I m
Folgenden soll hervorgehoben werden, was aus dieser Arbeit für die Kenntnis
der lateinischen Fassung zu gewinnen i s t : Nach ausführlichen Präliminarien
über die Forschungsproblematik und das Entstehungsumfeld der deutschen
Versfassung faßt die Autorin deren lateinische Quelle, den Text des Marcus
also, in den B l i c k ; nebst anderem k o m m t sie auf die Datierung des zu Grunde
liegenden Visionserlebnisses (1148/49) zu sprechen. Ihr Augenmerk gilt der
Münchener Handschrift C l m 22254, die in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts
in Windberg selber angelegt worden ist und die unmittelbare Quelle für
Albers deutsche Dichtung darstellt. Es folgen ausgedehnte Textvergleiche,
wobei der Gegenstandsbereich von Strafe, B u ß e und Reue besonderes Inter­
esse findet. Mit einbezogen wird übrigens auch die 'Navigatio sancti Brendani
abbatis', dies unter anderm dort, wo es u m den Wortschatz des Weges und der
Bewegung in deutsch-lateinischer Gegenüberstellung geht. Ein Exkurs ist der
Struktur der lateinischen 'Visio' gewidmet. Was das Buch aber besonders
wertvoll macht, ist die beigegebene kritische Edition des lateinischen Textes
nach d e m genannten Münchener Codex als Leithandschrift, unter Beigabe der
Varianten von fünfzehn weiteren Handschriften des 12. und frühen 13. Jahr­
hunderts. Davon war die Mehrzahl in der bisher maßgebenden Ausgabe von
Albert WAGNER (1882) noch nicht berücksichtigt.
Nicht u m eine eigentliche Neuedition, jedoch u m eine allseitige Bearbei­
tung, mit Abdruck des lateinischen Textes und einer deutschen Übersetzung,
handelt es sich bei dem folgenden, auch äußerlich recht ansprechenden Werk
über den kunsthandwerklichen Traktat des Theophilus Presbyter (THEOPH.
sched.): Erhard BREPOHL. Theophilus Presbyter und das mittelalterliche
Kunsthandwerk. Gesamtausgabe der Schrift ' D e diversis artibus' in zwei
Bänden. Lateinischer Originaltext und deutsche Übersetzung mit Kommenta­
ren, Rekonstruktionszeichnungen und Abbildungen ( 1 : Malerei und G l a s ; 2 :
Goldschmiedekunst [Band 2 = 2., überarbeitete Auflage von E ' B ' , Theophi­
lus Presbyter und die mittelalterliche Goldschmiedekunst, Leipzig / Wien
1987]). K ö l n : Böhlau, 1999. I S B N 3-412-08498-0 / -08598-7. Der Bearbei­
ter, selber Goldschmiedemeister und Maschineningenieur, befaßt sich schon
seit vielen Jahren mit dieser einzigartigen Schrift, welche der Sache nach
soviel Erklärungsaufwand erheischt, und er tut es so, daß er alle Anweisun­
gen mit der Praxis konfrontiert, alle seine Lösungen in Skizzen oder durch
materielles Nachgestalten erprobt und dabei auch an den überlieferten Kunst­
werken des Hochmittelalters M a ß nimmt. Zugrunde gelegt ist der Arbeit der
lateinische Text nach der Edition von Charles Reginald DODWELL, Theophilus,
D e diversis artibus (Medieval texts), London 1961. In der Übersetzung wird
— sprachlich und auch druckgraphisch — vielfach analytisch verfahren: daß
etwa die Glieder einer Aufzählung, zu Kurzzeilen abgebrochen und durchnu­
meriert, untereinander angeordnet sind, daß den deutschen Termini in Klam­
mern die lateinischen Äquivalente beigegeben sind, und dergleichen. Kapitel­
weise werden in Kommentaren die Techniken erläutert und veranschaulicht,
durch Hin- und Herverweise wird der Überblick erleichtert. Nicht nur für die
Kunst- und Technikgeschichte, sondern auch für die lateinische Lexikogra­
phie ist mit diesem anschaulich gestalteten und ausgesprochen leicht zu hand­
habenden Arbeitsbuch viel gewonnen. (Dem Nicht-Philologen wird man ver­
zeihen, daß er [ 1 , S. 20a] DODWELLS absurden Versuch [dort: S. XIXf.]
kritiklos übernimmt, für die Schrift einen Terminus a quo zu gewinnen durch
die Interpretation von armariolum
cordis mei als angeblicher arabischer
Lehnbedeutung.)
In diesem gedrängten Überblick können Übersetzungen von Texten (sei es
mit oder ohne Textdruck) in der Regel nicht berücksichtigt werden. Eine Aus­
nahme ist gewiß gerechtfertigt für die Bände der Reihe 'Fontes christiani', die
einem für heutige Bedürfnisse höchst glücklichen Konzept folgen: Wiederab­
druck eines kritischen Textes, Übersetzung, gehaltvolle Einleitung nebst zu
weiterem Studium nützlichen Beigaben. Dieser Formel (vgl. A L M A 55,
S. 287f.) folgen auch die folgenden beiden Bände, die in den letzten Jahren
erschienen sind: H u g o von Sankt Viktor. Didascalicon de studio legendi / Stu­
dienbuch. Lateinisch-deutsch. Übersetzt und eingeleitet von Thilo OFFERGELD.
(Fontes christiani, Zweisprachige Neuausgabe christlicher Quellentexte aus
Altertum und Mittelalter 27). Freiburg im Breisgau: Herder, 1997. 455 S.
I S B N 3-451-23910-8 (gebunden) / ... 23810-1 (kartoniert). Grundlage ist der
lateinische Text der Edition von Charles Henry BUTTIMER (1939), allerdings
ohne den quellenkritischen und den textkritischen Apparat, jedoch mit zahl­
reichen Sachanmerkungen (worunter Quellenangaben). In der knapp hundert
Seiten umfassenden Einleitung wird die politisch-soziale und die geistige
Situation der Zeit behandelt, hierauf die Augustinerabtei St-Viktor sowie die
Lebensumstände des Autors selber. Es folgt eine Charakterisierung des
'Didascalicon' nach den äußeren und den inneren Belangen. Besonders wird
nach der Stellung der artes und nach jener der Geschichte in diesem Werk
gefragt. Nützliche Beigaben erlauben eine vertiefte Beschäftigung mit dem
Text und seinem Inhalt. — Vita sanctae Hildegardis / Leben der heiligen Hil­
degard von Bingen — Canonizatio sanctae Hildegardis / Kanonisation der
heiligen Hildegard. Lateinisch-deutsch. Übersetzt und eingeleitet von Monika
KLAES. (Fontes christiani ... 29). Freiburg: Herder, 1998. 300 S. I S B N 3-45123376-2 (gebunden) / ... 23366-5 (kartoniert). Die Bearbeiterin, die einige
Jahre zuvor die von einer umfangreichen Untersuchung begleitete kritische
Edition der Hildegardvita vorgelegt hatte — Vita sanctae Hildegardis, cura et
studio Monicae KLAES (Corpus christianorum, Continuatio mediaevalis 126),
Turnholti 1993 — macht hier das Wesentlichste ihrer Arbeit einem breiteren
Benutzerkreis zugänglich. Neben der eigentlichen Vita, deren Endredaktion
auf Theoderich von Echternach zurückgeht, wird der Bericht, der zu ihrer
Heiligsprechung führen sollte (1233, mit Ergänzungen v o m Jahre 1243) nach
einer älteren Edition (P. BRUDER, i n : Analecta Bollandiana 2, 1883, S. 118129) abgedruckt und — in bewußter N a c h a h m u n g des darin herrschenden
Protokollstils — übersetzt. Mit enthalten ist ferner der von Peter DRONKE
(Problemata Hildegardiana, i n : Mittellateinisches Jahrbuch 16, 1981, S. 97131, hier S. 127-129) herausgegebene Exorzismus. In ihrer Einleitung
umreißt die Bearbeiterin die Bedeutung der Hildegardvita, wirft einen Blick
auf ihr Leben und ihre Werke und geht dann den Einzelheiten der mehrstufi­
gen Entstehungsgeschichte der Vita wie ihrer Überlieferungsgeschichte nach.
Kurz wird auch der Gang des Kanonisationsverfahrens beleuchtet. Zu den
nützlichen Beigaben gehört ein Register lateinischer Begriffe und ein deut­
sches Sachregister.
In der schadhaften Handschrift M ü n c h e n clm 2574b liegt uns eine Samm­
lung ganz unterschiedlicher Texte vor, die auf Albert von Behaim zurückgeht,
der wahrscheinlich aus Böhaming bei Niederaltaich stammt, vor 1200 gebo­
ren wurde und 1260 oder bald danach starb. Er war Domherr in Passau, eine
Zeitlang lebte er in Rom. Nach Deutschland zurückgekehrt, betätigte er sich
zugunsten der päpstlichen Partei gegen Friedrich II. A n der päpstlichen Kurie
in Lyon auf weilend, n a h m er Einfluß auf die Versöhnung bayerischer Präla­
ten mit dem Papst. Ihm werden außerdem Aufzeichnungen historischen und
politischen Charakters sowie ein Kommentar zu den 'Getica' des Jordanes
beigelegt. Der von seiner kirchenpolitischen Tätigkeit und seinen mannigfa­
chen Interessen zeugende Münchener Codex — übrigens die älteste in
Deutschland erhaltene Papierhandschrift — enthält Einträge, die aus der Zeit
zwischen 1244 und 1260 und von zahlreichen Schreibern s t a m m e n ; eine der
Hände ist wohl diejenige Alberts selber. Von dem Primärbestand ist eine
M e n g e von Sekundäreintragungen an zunächst frei gebliebenen Stellen zu
unterscheiden. Dieses Textensemble liegt nunmehr kritisch ediert vor i n : Das
Brief- und Memorialbuch des Albert Behaim. Herausgegeben von Thomas
FRENZ und Peter HERDE. (Monumenta Germaniae Histórica: Briefe des späte­
ren Mittelalters 1). M ü n c h e n : M o n u m e n t a Germaniae Histórica, 2000. X V I ,
655 S., Abb. im Text, Karten. I S B N 3-88612-091-0. Historisch wichtig, doch
hier nicht eingehender zu behandeln sind die zahlreichen Briefe und Akten­
stücke zum kirchenpolitischen Tagesgeschehen. Auch etliche Gedichte sind
aufgenommen, so deren vier auf die Niederlage Friedrichs II. vor Parma i. J.
1248 (Nrn. 97-100). Hervorgehoben seien die großen R a u m einnehmenden —
zum Teil höchst fehlerhaften — Abschriften bekannter Texte, so der 'Revelationes' des Pseudo-Methodius (Nr. 4 3 , unter Beigabe des SACKURschen Textes
im Apparat) oder das pseudoaristotelische 'Secretum secretorum' (Nr. 73) —
allenfalls dessen ältester sicher datierbarer Textzeuge — , ausgiebige Exzerpte
aus der 'Historia scholastica' des Petrus Comestor (Nrn. 158, 167 usf.), aber
auch Texte zur Astrologie, Notizen zur Geographie und (biblisch-mythologi­
schen) Völkerkunde, bis hin zur Erwähnung eines Bleichmittels für die Haare
oder einem Rezept gegen Schwerhörigkeit! Bei der geschilderten Sachlage
mußten sich die Herausgeber dazu verstehen, in ihrer eigenen Arbeit unter­
schiedlich vorzugehen: die Briefschaften zu politischen Tagesgeschäften sind
intensiver bearbeitet als jene inserierten Texte, die außerhalb dieser Samm­
lung eine umfangreiche und auch qualitätvollere Überlieferung haben.
(Immerhin werden etwa zu den Petrus Comestor-Partien zahlreiche wertvolle
Nachweise gegeben.) Ebenfalls mit der besonderen Sachlage hängt zusam­
men, daß auf die Erarbeitung eines ausführlichen Wortindexes verzichtet
worden ist. Neben dem selbstverständlichen Register der Eigennamen findet
sich ein knappes, jedoch nützliches Verzeichnis medizinischer und naturwis­
senschaftlicher Ausdrücke, mit lateinischen und neuhochdeutschen Lemmata.
Nach längerer Pause (vgl. zuletzt A L M A 52, S. 293) kann das Erscheinen
eines neuen Bandes der kritischen Ausgabe der Werke des Albertus Magnus
angezeigt w e r d e n : Alberti Magni Super Dionysium de ecclesiastica hierarchia. Edidit Maria BURGER commentariis a Paulo SIMON atque Wilhelmo
KÜBEL praeparatis usa. (A'i M ' i Opera omnia tomus 36, pars 2 = Numerus
currens 24). Monasterii Westfalorum: Aschendorff, 1999. X V I , 121 S. ISBN
3-402-04748-9. Dieser Band ist der erste seit der 1995 erfolgten Reorganisa­
tion des Bonner Instituts. Mit der Umstellung auf einen hier selber vorberei­
teten Computersatz ist auch das Layout geringfügig umgestaltet w o r d e n : Der
kommentierte Grundtext läuft nicht mehr am Seitenfuß mit, sondern ist als
leicht eingezogene Kolumne in den Haupttext integriert; zudem ist ihm nun
ein eigener Kritischer Apparat zugeordnet. Auch der Variantenapparat des
Albertustextes bietet sich in etwas veränderter Gestalt dar. Insgesamt ist die
neue Präsentation gefällig und klar.
Zu den klassischen Texten zum Universalienstreit zählt der 'Tractatus de
universalibus' Walter Burleys (um 1275- nach 1344). Eine kritische Edition
bestand zwar bereits in Form einer im Typoskript verbliebenen amerika­
nischen Dissertation — The Tractatus de universalibus of Walter Burley, ed.
by M . E. SHRIVER, Dissertation, St. Bonaventure University, 1958 — , fand
jedoch k a u m Verbreitung. Eine Übersetzung ins Deutsche wurde vorgelegt im
Rahmen der Übersetzungsanthologie: Texte zum Universalienstreit. Übersetzt
und herausgegeben von Hans-Ulrich WÖHLER, 2 Bände, B e r l i n : Akademie
Verlag, 1992-94, h i e r : 2, S. 115-148. Derselbe Bearbeiter legt nun eine zwei­
sprachige Ausgabe vor, in welcher er — dies will der schwer verständliche
Untertitel besagen — seine damalige, hier von einem erweiterten Kommen­
tar- und Anmerkungsteil begleitete Übersetzung einer (behelfsmäßigen) kriti­
schen Edition gegenüberstellt: Walter Burley. Tractatus de universalibus /
Traktat über die Universalien. Lateinisch-deutsch. 2., verbesserte neuere Edi­
tion [sie], herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von
Hans-Ulrich WÖHLER. (Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissen­
schaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse 75, 5). Stuttgart: Hirzel,
1999. 84 S. I S B N 3-7776-0958-7. Die Textedition beruht auf vier Hand­
schriften, von denen drei noch dem 14. Jahrhundert angehören, und der
Inkunabel Venedig 1497 als Kontrollinstanz; Leithandschrift ist die Hs.
London, Lambeth Palace 70. Während die Einleitung von den Überliefe­
rungsverhältnissen und weiteren Präliminarien handelt, stellt das Nachwort
einen Essay zu Walter Burleys Universalienkonzept dar, dabei werden auch
andere Schriften des Autors einbezogen.
Ein vielseitiger Denker und ungemein fruchtbarer Schriftsteller an der
Wende zum 14. Jahrhundert war Engelbert, M ö n c h des steirischen Klosters
Admont, u m 1250-1332 lebend, von 1297 bis 1327 Abt dortselbst. Von ihm
stammt eine große Zahl an Werken zu ganz verschiedenen Gebieten, darunter
Auslegungen biblischer und liturgischer Texte, Schriften über die Trinität, die
Passion und die Wunder Christi, die Jungfrau Maria und a n d e r e ; hinzu kom­
men naturwissenschaftliche Werke im Anschluß an Aristoteles, weiter moral­
philosophische Texte, darunter zwei Fürsten- und Tugendspiegel, außerdem ein
'Opusculum de ortu, processu et fine regnorum et preeipue regni seu imperii
R o m a n i ' . Von dieser staatstheoretischen Schrift, einem weiteren Traktat sowie
zwei Briefen wird ein Textdruck mit deutscher Übersetzung veranstaltet i n :
Engelbert von Admont. Vom Ursprung und Ende des Reiches und andere
Schriften. Herausgegeben von Wilhelm BAUM unter Mitarbeit von Felix
KUCHER und Raimund SENONER. (Grazer Beiträge zur Theologiegeschichte und
Kirchlichen Zeitgeschichte 11). G r a z : Leykam, 1998. 312 S. I S B N 3-70117391-5. Von der staatstheoretischen Abhandlung sind neunzehn Handschriften
nachgewiesen, der Textdruck jedoch richtet sich nach keiner von ihr, sondern
lediglich nach einem Druck von 1610. Es folgt der Traktat 'Utrum sapienti
competat uxorem ducere', bei dem die Angabe der benützten Textgrundlage
sogar vergessen worden ist, sodann zwei Briefe: der autobiographische an
Magister Ulrich in Wien, der eine Liste von Engelberts Werken enthält, sodann
die Widmungsepistel seines Kommentars zu Psalm 118. Diese beiden Texte
sind der Edition von George B i n g h a m FOWLER (in : Recherches de théologie
ancienne et médiévale 28, 1961, S. 300-306 bzw. S. 307-312) entnommen. Den
deutschen Übersetzungen ist ein gewisses M a ß an kommentierenden Anmer­
kungen beigegeben. Beschlossen wird der Band durch informative Aufsätze :
Felix KUCHER handelt über den „ Bildungsgang und das philosophische Umfeld
Engelberts von Admont ", außerdem bietet er ein „ Handschriftenverzeichnis
der Werke Engelberts von A d m o n t ". Von Wilhelm BAUM stammen Beiträge
über „Engelbert von Admont und die Aristotelesrezeption in P a d u a " sowie
„ die Rezeption des Werkes von Engelbert von A d m o n t im Mittelalter und in
der N e u z e i t " . Diese Veröffentlichung ist gewiß ein nützlicher Beitrag zur
Erschließung der viel zu wenig bekannten Werke Engelberts ; indessen bleibt
die kompetente kritische Edition seiner Werke ein Desiderat, das Forschungs­
anstrengungen anderer Art voraussetzt. — Zu Engelbert siehe auch den Aufsatz
von UBL im 'Deutschen Archiv' (dazu unten).
Von Maffeo Vegio (1407-1458), bekannt vor allem durch sein Supplement
zur 'Aeneis', stammt ein 1430/31 in Pavia geschriebenes, gut 1000 Hexame­
ter umfassendes, in vier Bücher gegliedertes Kleinepos, dessen Titel 'Vellus
aureum' bereits deutlich macht, daß es von der Argonautensage handelt. Vor
allem geht es darin u m die Liebesgeschichte zwischen Jason und Medea.
Vegio arbeitet mit dem Götterapparat und anderen hergebrachten Ingredien­
zien mythologischer Epik, geht aber damit recht eigenständig um. Die 'Argonautica' des Valerius Flaccus dürften dem Dichter zur Abfassungszeit dieses
Werkes (zumindest mit dem einschlägigen zweiten Teil) noch nicht bekannt
gewesen sein. Von Vegios Epyllion sind sechs Handschriften des 15./16. Jahr­
hunderts sowie vier Drucke aus d e m 16. bis 18. Jahrhundert bekannt. Nun­
mehr ist von dem Werk die von einer deutschen Prosaübersetzung begleitete
Erstedition vorgelegt w o r d e n : Maffeo Vegio. Vellus aureum / Das goldene
Vlies (1431). Einleitung, kritische Edition, Übersetzung [von] Reinhold F.
GLEI / Markus KÖHLER. (Bochumer altertumswissenschaftliches Colloquium
38). Trier: Wissenschaftlicher Verlag, 1998. 198 S. I S B N 3-88476-325-3. In
ihrer Einleitung machen die Bearbeiter zunächst Angaben zu Vegios Biogra­
phie und zu seiner sonstigen „ w e l t l i c h e n " Epik ('Aeneis'-Supplement und
'Astyanax'). Von dem 'Vellus aureum' wird zunächst eine detaillierte Über­
sicht geboten. Was die benutzten Vorbilder betrifft, wird für die Makrostruk­
tur Ovid (Ov. met. 7, 1-158) namhaft gemacht, für die Mikrostruktur, d. h. für
motivisch vergleichbare Einzelszenen oder Personenreden erweist sich Vegio
als dem von ihm hoch verehrten Vergil vielfach verpflichtet. Der Katalog der
Argonauten läßt sich auf denjenigen in den damals noch k a u m erschlossenen
'Argonautika' des Apollonios Rhodios zurückführen, die im Übrigen jedoch
keine Vorbildrolle gespielt zu haben scheinen. Der Ausgabe ist ein vollständi­
ger, innerhalb der Lemmata nach Flexionsformen geordneter Index
verborum
beigegeben.
Im Rahmen der großangelegten Cusanus-Ausgabe (vgl. A L M A 57, S. 327)
ist ein weiterer Band erschienen: Nicolai de Cusa Dialogus de ludo globi.
Edidit commentariisque illustravit Iohannes Gerhardus SENGER. (Nicolai de
Cusa Opera omnia iussu et auctoritate Academiae litterarum Heidelbergensis
ad codicum fidem edita 9). H a m b u r g i : Meiner, 1998. XLII, 2 4 0 S., Abb. im
Text. I S B N 3-7873-1309-5. Seine beiden Dialoge ' D e ludo globi', 1462/63 in
R o m verfaßt, gehören zu den Spätwerken des C u s a n u s : Von der Betrachtung
eines einfachen Spiels ausgehend, stößt der Autor darin, wie der Herausgeber
ausführt, in tiefsinniger Spekulation zu einer Drei-Welten-Theorie (Gott, Uni­
versum, Mensch) vor. Nach zwei Handschriften, unter Beizug von vier frühen
Drucken, wird hier die erste historisch-kritische Edition der Schrift vorgelegt.
Beigegeben sind am Ende des ersten und des zweiten Buches j e ein von
einem unbekannten Dritten stammendes Gedicht zum Lob des Kugelspiels.
(Vgl. hierzu den Aufsatz von Karl BORMANN, i m : Mittellateinisches Jahrbuch
20, 1985, S. 184-192 [hierzu: A L M A 48/49, S. 198].)
Im letztmaligen Bericht ( A L M A 57, S. 327f.) wurden die ersten Ergeb­
nisse der Edition der Werke Johannes Reuchlins (1455-1522) vorgestellt.
Davon ist inzwischen ein weiterer Band erschienen: Johannes Reuchlin.
Sämtliche Werke
Band 4 : Schriften z u m Bücherstreit, 1. Teil: Reuchlins
Schriften. Herausgegeben von Widu-Wolfgang EHLERS ... [et al.]. StuttgartBad Cannstatt: Frommann-Holzboog, 1999. 481 S., Faks. I S B N 3-77281777-7. Dies ist der erste Teilband der auf vier Bände berechneten Werk­
gruppe zum Streit über die jüdischen Bücher. In diesem Band sind enthalten
der 'Augenspiegel' (1511) mit deutschem Anfang und Schluß, jedoch einer
lateinisch abgefaßten E i n l a g e : 'Argumenta, quae possent scholastice in
contrarium obiici' und seine umfangreiche 'Defensio ... contra calumniatores suos Colonienses' ( 1 5 1 3 ) ; hinzu k o m m e n zwei kurze deutsche
Schriften 'Tütsch missiue, warumb die Juden so lang im eilend sind' (1505)
und 'Ain clare verstentnus in tütsch . . . ' (1512), Letzteres eine deutsche
Bearbeitung der lateinischen Partie des 'Augenspiegels'. Der Edition der
lateinischen Texte ist eine deutsche Übersetzung beigegeben, die frühneu­
hochdeutschen stehen für sich selber. — Außerdem ist von anderer Seite —
nämlich von der Reuchlin-Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der
Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Stadt Pforzheim (Reuchlins
Heimatstadt) — eine historisch-kritische Ausgabe seiner Korrespondenz in
Angriff g e n o m m e n worden, von der ein großer Teil in lateinischer, der Rest
in deutscher Sprache gehalten ist. Von der auf vier Bände veranschlagten
Ausgabe ist bisher erschienen: Johannes Reuchlin. Briefwechsel. Band 1 :
1477-1505. Unter Mitwirkung von Stefan RHEIN bearbeitet von Matthias
DALL'ASTA und Gerald DÖRNER. Stuttgart-Bad Cannstatt: Frommann-Holz­
boog, 1999. LXV, 505 S. ISBN 3-7728-1983-4. Auf den genannten Zeit­
raum entfallen 136 Briefe, während die Vorgängerausgabe von Ludwig
Geiger (1875) deren nur 96 enthalten hatte. Ein Drittel von ihnen sind
Briefe Reuchlins, zwei Drittel solche seiner Briefpartner. Die herausge-
berische Betreuung der einzelnen Stücke ist recht intensiv: Jedem Stück
wird ein detailliertes Regest vorangestellt, die Sachkommentierung umfaßt
vielfach mehrere Seiten in Petitdruck. Sie gilt dem jeweiligen Briefpartner
und den erwähnten Personen, Zuständen und Ereignissen. Beigegeben sind
einige Reuchlin betreffende Urkunden und Akten.
Wir gelangen nun zu einer Auswahl textbezogener M o n o g r a p h i e n :
Eine der intensivsten Arten philologischer Textarbeit ist, am lateinischen
Schrifttum des Mittelalters — nicht nur sammelnd, sondern problemorientiert
— die Wirkungen eines bestimmten Autors der Antike aufzuzeigen. Dies wird
vorbildhaft geleistet in der folgenden Münsteraner Dissertation von 1 9 9 6 :
Stefan SCHULER. Vitruv im Mittelalter. Die Rezeption von 'De architectura'
von der Antike bis in die frühe Neuzeit. (Pictura et poesis, Interdisziplinäre
Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst 12). K ö l n : Böhlau, 1999. IX,
463 S. 49 Abb. I S B N 3-412-09998-8. Ein erster, allgemeiner Teil der Arbeit
gilt d e m Fortleben von Vitruvs Architekturtraktat einerseits in der Heranzie­
hung zu mannigfachen Zwecken von der Antike (Frontin, Plinius maior
u. a. m.) bis in die frühe Neuzeit (Coluccio Salutati, Juan Luis Vives u. a. m.),
andererseits in der handschriftlichen Tradition des Vitruvtextes selber, handle
es sich u m Überbleibsel in Form von Eintragungen in Bibliothekskatalogen
oder u m heute noch vorliegende Handschriften; hierbei wird auch auf die
Illustrationen eingegangen. Der zweite, spezielle Teil gilt in der Hauptsache
der Präsenz des antiken Architekturschriftstellers im 'Speculum m a i u s ' des
Vinzenz von Beauvais, die nach vielerlei Gesichtspunkten durchleuchtet wird.
Danach richtet sich der Blick auf die Stellung der Architektur in den Enzy­
klopädien des 13. Jahrhunderts überhaupt. Zahlreiche Verzeichnisse runden
den gehaltvollen und materialreichen Band a b ; darunter sei das beschreibende
Inventar der Vitruv-Handschriften v o m 8. bis ins 19. Jahrhundert (132 N u m ­
mern) besonders erwähnt. Das Register der Sachen, Begriffe und Orte enthält
auch zahlreiche lateinische Termini, die in dem einen oder andern Zusam­
menhang besprochen werden.
Mit dem Ziel, die Vorstellungen u m die Adelsheiligkeit in der Merowingerzeit und die Wandlungen des Heiligkeitsideals im 7. Jahrhundert besser zu
erkennen, wird in der folgenden Arbeit, einer bei d e m Historiker Friedrich
Prinz geschriebenen Münchener Dissertation von 1998, die älteste Vita der
heiligen Geretrudis, der ersten Äbtissin des Doppelklosters Nivelles in Brabant (um 626-659 lebend), untersucht: Eveline PETRASCHKA. Fränkischer Adel
und irische Peregrini im 7. Jahrhundert. Die Vita der hl. Geretrude von Nivel­
les — ein Zeugnis des hagiographischen Kreises u m den Iren Foillan.
(Europäische Hochschulschriften, Reihe I I I : Geschichte und ihre Hilfswis­
senschaften 849). Frankfurt / M . : Lang, 1999. 174 S. ISBN 3-631-34899-1.
I m Wesentlichen geht es u m die etwa 670 (nicht: „ 770 " [so ein arger Druck­
fehler auf S. 53]) abgefaßte älteste Vita (BHL 3490 / M L W : VITA Gertr. A ) ;
demgegenüber stellt die Fassung B eine Überarbeitung der Karolingerzeit dar,
während die Fassung C aus dem Ende des 11. Jahrhunderts stammt. I m Sinne
eines Ausblickes wird am Schluß ein in zwei Fassungen (von etwa 700 bzw.
von etwa 783) vorliegender Mirakelbericht ( M L W : MIRAC. Gertr. I/II) behan­
delt. Nach einer Untersuchung der Entstehungs- und Überlieferungsge­
schichte der Vita werden die darin zutage tretende Heiligkeitskonzeption und
das dahinter stehende Darstellungsinteresse behandelt, sodann wird der Text
in den Gesamtzusammenhang irofränkischer Heiligkeitsvorstellungen einge­
ordnet.
Nicht textphilologischen Interessen, sondern Fragestellungen im Bereich
des Inhalts und der Aussageintentionen gilt die folgende Arbeit über eine
wichtige Gruppe von Quellen zur Geschichte Deutschlands im 11. und
12. Jahrhundert, eine überarbeitete Hamburger Dissertation von 1996/97:
Dirk SCHLOCHTERMEYER. Bistumschroniken des Hochmittelalters. Die politi­
sche Instrumentalisierung von Geschichtsschreibung. P a d e r b o r n : Schöningh,
1998. 222 S. I S B N 3-506-77898-6. Die Untersuchung gilt folgenden Texten,
die hier unter Beigabe der MLW- (gegebenenfalls
abweichender
NGML-)Siglen genannt seien: den Bistumschroniken von Eichstätt (ANON.
Has.), Hildesheim (CHRON. Hild.), Halberstadt (GESTA Halb.), Magdeburg
(ARNOLD BERG, gest./ GESTA Magd.), Merseburg (CHRON. Merseb.), Metz
(GESTA [episc] Mett.) und Toul (GESTA [ e p i s c ] Tull.). Diese sieben Bistums­
chroniken, aus der Zeit von 1078 bis 1142, hauptsächlich solche aus Sachsen
und aus Lothringen, werden auf den örtlich-diözesanen wie den reichsge­
schichtlichen Bezugsrahmen befragt, nach der Darstellung der Gründung des
jeweiligen Bistums und der Handlungen der einzelnen Bischöfe. In Betracht
gezogen werden sodann die Umstände der Abfassung in der Zeit des Investi­
turstreites und die Einwirkung der Auftraggeber, sodann auch die Wirkungs-,
Rezeptions- und Überlieferungsgeschichte. Im Mittelpunkt des Interesses
steht das jeweilige hic et nunc der Abfassung dieser Texte, weniger die über­
greifenden Gattungstraditionen der Historiographie regionaler kirchlicher
Institutionen.
Mit etwas Verspätung sei auf zwei (zusammen publizierte) kleine Arbeiten
eines Philosophiehistorikers hingewiesen, die einem der für das Geistesleben
des Hoch- und Spätmittelalters wichtigsten Vorgänge gelten, nämlich der
Übersetzung und Aneignung von Texten aus d e m Griechischen und d e m Ara­
b i s c h e n : Thomas RICKLIN. Die T h y s i c a ' und der 'Liber de causis' im
12. Jahrhundert. Zwei Studien. Mit einer Vorrede von Ruedi IMBACH. (Dokimion, Neue Schriftenreihe zur Freiburger Zeitschrift für Philosophie und
Theologie 17). Freiburg / S c h w e i z : Universitätsverlag, 1995. 126 S. I S B N
3-7278-0994-9. Die erste Studie steht unter d e m Titel: „ Unde Aristoteles
in
physicis. Elemente für eine Geschichte der Verbreitung der Physica des Ari­
stoteles im lateinischen Westen zwischen 1140 und 1 2 3 0 " . Darin werden ver­
schiedene Aspekte der frühen Rezeption der 'Physik' des Aristoteles im
Abendland behandelt: ihre Übersetzung (Jacobus Veneticus), Kommentierung
(Robert Grosseteste und andere), Heranziehung (erstmals explizit in HUGO
HONAUG. hom.) und vieles andere mehr. Die zweite Arbeit ist überschrieben
mit „ Gerhard von Cremona und der Liber de causis ". Hier werden Elemente
zur Geschichte von Gerhards Leben und Werk vorgelegt. Anschließend
werden seine Übersetzungen behandelt; besonderes Augenmerk gilt zwei
Texten, die nicht in seinem Werkkatalog enthalten sind: Alexander von
Aphrodisias, ' D e intellectu et intellecto' und Al-Kindi, ' D e intellectu'. Ein
weiteres T h e m a ist die Wirkungsgeschichte des 'Liber de expositione bonitatis p u r e ' im lateinischen Westen, der auf den pseudoaristotelischen 'Liber de
causis primis et secundis' eingewirkt hat.
Wie allgemein bekannt, haben im Hochmittelalter manche Dichter ver­
mehrt die Nähe antiker Vorbilder gesucht, haben sich in imitatio und aemulatio oft recht nahe an deren Diktion herangearbeitet und haben sich immer
wieder, teils in mehr mechanischer Art, teils mit kalkuliertem, Spannung
schaffendem Abstand auf Klassikerstellen bezogen. Dies gilt auch für die
beiden großen Trojaepen des reifen Hochmittelalters, nämlich die 'Ylias' des
Joseph von Exeter aus d e m Ende des 12. Jahrhunderts ( N G M L : los. ISCAN.
bell. Troian.) — zu benutzen nach der A u s g a b e : Joseph Iscanus, Werke und
Briefe, herausgegeben von Ludwig GOMPF (Mittellateinische Studien und
Texte 4), Leiden 1970, S. 77-211 (vgl. S. 5-60) — und für den 'Troilus'
Alberts von Stade vom Jahre 1249 ( M L W : ALBERT. STAD. Troil.). Für diese
beiden Dichtungen wird nun die Art und Weise, wie der jeweilige Dichter mit
seinen klassischen, spätantiken und mittelalterlichen Vorbildern umgeht, aus­
führlich und eindringlich dargestellt in einer umfangreichen Arbeit, hervorge­
gangen aus einer Kölner Dissertation von 1998, nämlich: Thomas GÄRTNER.
Klassische Vorbilder mittelalterlicher Trojaepen. (Beiträge zur Altertum­
skunde 133). Stuttgart: Teubner, 1999. 580 S. Mit großer Umsicht und leb­
haftem Interesse an den Belangen von Inhalt und Aussageintention geht der
Verfasser, den beiden Dichtungen entlangschreitend, meist eine Gruppe von
Versen zusammennehmend, den dichterischen Mustern nach. Mit dieser Art
von „ Imitationskommentar " wird für das Verständnis der beiden Werke und
ihrer dichterischen Strukturen überaus viel gewonnnen. Das auf die 'Ylias'
entfallende Stück der Arbeit ist nahezu dreimal so umfangreich wie das dem
'Troilus' gewidmete. Auch stellte sich dem Bearbeiter hier und dort die Auf­
gabe ganz unterschiedlich: Joseph Iscanus liebt es, die aus seinen Vorbildern
bezogenen Textstücke zu verändern und miteinander zu kombinieren, somit
etwas Neues und oft nur schwer Verständliches daraus zu machen, während
Albert von Stade zumindest über bedeutende Strecken hin eine ziemlich
mechanische Centonisierungstechnik anwendet. Diese geradlinige Art der
Übernahme k o m m t angesichts der prekären Textgrundlage wie gerufen, denn
beim 'Troilus' besitzen wir nur eine einzige, dazu mangelhafte und teilweise
schwer lesbare Handschrift; erschlossen ist sie nur mangelhaft durch eine
längst veraltete Ausgabe, und auch einzelne Nachkollationierungen — so die­
jenige von Markus WESCHE (dazu A L M A 50, S. 134f.) — haben diese Mängel
nicht völlig ausgeglichen. D a hat die genaue „ Kartierung " der intertextuellen
Verhältnisse textkritisch beträchtliches Gewicht. Für den in seiner Verarbei-
tungstechnik anspruchsvolleren Joseph Iscanus wird eine detaillierte „ Zusam­
menstellung der Imitationsformen" geboten. (Unnötig zu sagen, daß nicht
j e d e Gegenüberstellung zwingend als konkrete Abhängigkeit verstanden
werden m u ß , und daß etwa im Bereich „ sprachlicher Analogiebildungen zur
V o r l a g e " vielfach persönliches Ermessen i m Spiel ist.) Des Weiteren wird
dafür an einem Beispiel (Gesandtschaft des Antenor nach Salamis) die Art
und Weise studiert, wie zwei Vorbilder — hier Dares Phrygius, der grundle­
gende Bezugstext, und das Helena-Epyllion des Dracontius — miteinander
kombiniert (der Bearbeiter sagt dafür „ k o n t a m i n i e r t " ) werden. Was Albert
von Stade betrifft, wird anhangsweise ein erhaltenes Stück aus der als ganzer
untergegangenen Evangelienharmonie 'Quadriga' ( M L W : ALBERT. STAD.
quadr.) untersucht. Bemerkenswert ist die Heranziehung von „ K l a s s i k e r n "
des Hochmittelalters: Beide untersuchten Dichter ziehen ausgiebig die 'Alex­
andreis' h e r a n ; der 'Architrenius' des Iohannes de Hauvilla wird hauptsäch­
lich von Joseph Iscanus benützt, die 'Poetria nova' des Geoffroy de Vinsauf
selbstverständlich erst von Albert von Stade, der 'Anticlaudianus' des Alanus
ab Insulis k o m m t häufig in der 'Ylias' und andererseits in d e m 'Quadriga'Fragment vor.
Von demselben Philologen ist kurz zuvor eine kurze textkritische Studie zu
einer Dichtung aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erschienen, deren
Textform in den letzten Jahren wiederholt zu reden gegeben hat. Es geht u m
den 'Ernestus' Odos von Magdeburg aus d e m Zeitraum 1205/32 ( M L W : ODO
MAGDEB. Ern.). Die 1989 erschienene Edition ( A L M A 50, S. 158f.) hatte an
manchen Stellen R a u m zu seither vorgetragenen textkritischen Besserungen
gelassen; deren bisher jüngste ist: T h o m a s GÄRTNER. Neue Vorschläge zum
Text des 'Ernstus' Odos von Magdeburg. (Zeitschrift für deutsches Altertum
und deutsche Literatur 126, 1997, S. 279-300). Wie allgemein in diesen Lite­
raturberichten, so gilt auch hier, daß d e m Berichterstatter bei weitem nicht die
nötige M u ß e zu Gebote steht, auf das in den besprochenen Arbeiten Vorge­
tragene inhaltlich einzugehen. Eine Einzelheit anzumerken, sei hier dennoch
gestattet: Unsere Beurteilung hochmittelalterlicher Dichtung hat zwar durch
den Scharfsinn einer an klassischen Texten geschulten Konjekturalkritik
gewiß schon oftmals Wesentliches gewonnen. Nur geht es schwerlich an, daß
in einen Text — einzig deshalb, weil bei einem überlieferten Wort die allerelementarste Grundbedeutung nicht paßt — ein anderes dafür eingesetzt wird,
unter Vernachlässigung der ganzen reichen Polysemie, die sich im Laufe der
Zeit bei vielen Wörtern angesammelt hat. Recht facettenreich ist beispiels­
weise der Gebrauch von contrectare. Dabei ist der Schritt von 'berühren' zu
'entweihen, verunehren' (zufolge von Understatement / Euphemismus) noch
gradlinig und einfach (ThLL 4, Sp. Sp. 774, 61ff.; M L W 2, Sp. 1783, 46ff.
usf.). In ODO MAGDEB. Ern. 1, 155f. wird die Wiederverheiratung einer Witwe
abgelehnt, ne ledere famam / quo posset nati vel contrectare lucernam. Der
hierzu vorgetragenen Beurteilung „ F ü r contrectare ist contristare einzuset­
zen " ist entgegenzusetzen, daß contrectare in der genannten Bedeutung sogar
ganz ausgezeichnet paßt. Überhaupt läßt sich schon ein Text der Spätantike,
geschweige d e n n : des 13. Jahrhunderts, nicht nach den Maßstäben der Latinität der Zeit kurz vor und nach Christi Geburt beurteilen. Auch hat der Phi­
lologe, der einen überlieferten Wortlaut ändern möchte, die Beweislast dafür
zu tragen, daß keine einzige der insgesamt in den Texten bezeugten Bedeu­
tungen des vorgefundenen Wortes einen annehmbaren Sinn ergäbe.
Zu den großen, Text- und Bildsysteme kombinierenden typologischen
Werktypen des Spätmittelalters gehören die auf Ulrich von Lilienfeld (t 1358)
zurückgehenden 'Concordantiae caritatis'. Ulrich, 1345-1351 Abt des Zisterzi­
enserklosters Lilienfeld bei St. Pölten in Niederösterreich, stellte dieses weit
ausgreifende Werk in den Jahren wohl nach der Niederlegung der Abtswürde
zusammen. Das Ensemble besteht aus einer Postille und einem Bilderkatechis­
mus. In großartiger Weise ist das Werk auf uns gekommen in der prachtvoll
bebilderten Handschrift 151 der Stiftsbibliothek Lilienfeld, d e m Ausgangs­
punkt der Überlieferung. Es bestehen zahlreiche Abschriften unterschiedlicher
Typen, darunter nicht weniger als 38 Handschriften der Postille, teils mit, teils
ohne Bebilderung. Unter geistesgeschichtlichem und kunsthistorischem —
nicht so sehr unter philologischem — Blickwinkel ist nun dieser Werkkomplex
aufgearbeitet worden in der folgenden Untersuchung, die eine Passauer Disser­
tation von 1998 darstellt: Hedwig MUNSCHECK. Die Concordantiae caritatis de
Ulrich von Lilienfeld. Untersuchungen zu Inhalt, Quellen und Verbreitung, mit
einer Paraphrasierung von Temporale, Sanktorale und C o m m u n e . (Europäische
Hochschulschriften, Reihe 2 8 : Kunstgeschichte 352). Frankfurt/M.: Lang,
2000. 459 S., 27 Abb. I S B N 3-631-35395-2. Großräumig besehen, gliedert sich
diese Arbeit in zwei Hälften: in eine historischen, kunstgeschichtlichen,
hermeneutischen und quellenkritischen Fragen gewidmete Monographie,
welcher eine Reihe von Abbildungen (in leider recht mangelhafter Wieder­
gabe) beigegeben sind, und in einen „ Anhang " (von immerhin 240 Seiten),
enthaltend eine paraphrastische Wiedergabe aller 238 Predigtskizzen, aus
denen die Postille besteht, zusammen mit kurzen Beschreibungen der beigege­
benen Bilder. Die Postille ist nach dem Kirchenjahr ausgerichtet und besteht
aus dem Temporale (156 Predigtskizzen), dem Sanctorale (deren 73) und dem
selbstverständlich ganz kurzen C o m m u n e sanctorum (neun Stücken). Gegen­
über der 'Biblia pauperum' und anderen schematischen Vergegenständlichun­
gen typologischen Denkens — zu den Quellen zählen außerdem das 'Speculum
humanae salvationis', die 'Rota in medio rotae' u. a. m. — sind hier die Bezüge
vom biblischen ins nachbiblische Feld ausgedehnt: die kirchlichen Heiligen
stellen Antitypen dar so gut wie Christus selber. D e m Antitypus stehen jeweils
nach bekannter Weise zwei alttestamentliche figurae gegenüber, dazu aber j e
zwei Beispiele aus der N a t u r ; hierfür sind die Enzyklopädien des Thomas von
Cantimpre und von Bartholomaeus Anglicus nachgewiesen, weiter das 'Specu­
lum naturale' des Vinzenz von Beauvais, jedoch auch zwei im Kloster selber
geschaffene Werke, nämlich das 'Speculum animalium' und das 'Sp. vegetabilium' Christans von Lilienfeld (t nach 1330).
Hinsichtlich
sprachwissenschaftlicher
Unternehmungen
darf mitgeteilt werden, daß vom 'Mittellateinischen Wörterbuch bis zum aus­
gehenden 13. Jahrhundert' 1999 die (besonders umfangreiche) Abschlußliefe­
rung des zweiten Bandes (C), Lieferung 13/14 (23/24 des Gesamtwerks) samt
Titelei des Bandes erschienen ist. Erstmals sind auf der 3. und 4. Umschlagseite Addenda zu der neuen Zitierliste ( A L M A 5 5 , S. 311f.) verzeichnet:
Neueditionen bereits bis anhin herangezogener Texte sowie auch Editionen
bisher nicht berücksichtigter Texte.
Sodann ist von Seiten des Berichterstatters inzwischen erschienen: Peter
STOTZ. Handbuch zur lateinischen Sprache des Mittelalters, 2. B a n d : Bedeu­
tungswandel und Wortbildung. (Handbuch der Altertumswissenschaft II 5, 2).
M ü n c h e n : Beck, 2000. X X V I , 482 S. I S B N 3-406-45836-X. Der Band wird
in dieser Zeitschrift besprochen.
Was sprachwissenschaftliche Opera minora angeht, ist vom selben Verfas­
ser erschienen: Peter STOTZ. Thuribulum — turribulum:
Kulturgeschichtliches
in einem lautlich-graphematischem B e f u n d ? (Museum Helveticum,
Schwei­
zerische Zeitschrift für klassische Altertumswissenschaft 57, 2000, S. 104111). Angesichts der zahlreichen Belege für die Schreibung
turribulum
anstelle von t(h)uribulum wird die Vermutung geäußert und begründet, daß
-rr- durch Einfluß von turris (turricula u. ä.) bedingt ist, was damit in Zusam­
menhang stehen dürfte, daß Rauchfaßoberteile oftmals als miniaturisierte
Turm- bzw. Stadtarchitektur gestaltet wurden. (Schöne Beispiele dafür finden
sich übrigens in dem oben angezeigten Theophilus-Buch von BREPOHL,
Band 2, S. S. 146-148.)
Zu Axel SCHÖNBERGERS Aufsatz über den flektierten Infinitiv siehe unten,
Ex nobili philologorum
officio.
Schon vor einiger Zeit ist an der Akademie der Wissenschaften und der
Literatur in Mainz unter der Leitung von Clemens ZINTZEN ein Unternehmen
ins Leben gerufen worden, welchem die Schaffung ausgebauter I n d i c e s zu
einzelnen Schriftstellern der R e n a i s s a n c e z u m Ziel gesetzt ist: Indices
zur lateinischen Literatur der Renaissance (ILLR). Gedacht ist zunächst an
italienische, vor allem Florentiner Autoren zwischen 1300 und 1600. Sie sind
nach einem einheitlichen Plan erarbeitet: Geboten wird jeweils ein Index
nominum, ein Index rerum, ein Index geographicus und ein Index auctorum.
Der Index rerum enthält deutsche, aber auch lateinische Begriffe. Erfaßt
werden jeweils alle gedruckten Texte, also auch solche, die nur in alten
Drucken vorliegen. An entlegener Stelle, etwa in Monographien oder Zeit­
schriftenaufsätzen edierte Texte werden dem jeweiligen Band als Anhang bei­
gegeben. Bisher sind erschienen Band 1 : Coluccio Salutati. Index. Bearbeitet
von C Z ' und Ute ECKER, Peter RIEMER. ([Mit] A p p e n d i x : C S', Opera
minora selecta, zusammengestellt von Hans MÜNSTERMANN). T ü b i n g e n : Narr,
1992. XVII, 271 S. ISBN 3-8233-4990-2 / Band 2 : Cristoforo Landino.
Index. Bearbeitet von Ute ECKER, Dorothea GALL, Peter RIEMER, C Z \ Hil­
desheim : Olms, 1998. XXVII, 270 S. ISBN 3-487-10502-0. Bereits angezeigt
ist: Band 3, 1/2: Marsilio Ficino, Index, I S B N 3-487-10503-9 / ...-10504-7.
Zusätzlich zu diesen Indices in Buchform soll jeweils eine CD-ROM-Version
erscheinen, welche außer dem Index die zugrundeliegende Textbasis selber
umfaßt, so daß also ausgedehnte Recherchen betrieben werden können.
Was die N a c h s c h l a g e w e r k e angeht, so sind von dem zügig erscheinenden Thesaurus proverbiorum medii aevi (zuletzt: A L M A 56, S. 270f.)
inzwischen drei weitere Bände erschienen: 7 : Kern-Linie (1998), 8 : LinkeNiere (1999) und 9 : niesen-Schädlichkeit
(1999).
Im Folgenden wird eine schmale Auswahl an S a m m e l w e r k e n angezeigt: Immer wieder versammeln sich Editoren von Texten verschiedener
Sprachen und aus unterschiedlichen Zeiten, u m gemeinsam über die Prinzipien
ihrer Tätigkeit nachzudenken und nach neuen Methoden und Lösungen zu
suchen. Solchen Zielen galt auch die Fachtagung von Herausgebern philosophischer Texte, die 1997 in München stattfand, und deren Akten hier
zumindest erwähnt werden sollen : Philologie und Philosophie. Beiträge zur
VII. Internationalen Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft philosophischer
Editionen (... 1997 München). Herausgegeben von Hans Gerhard SENGER.
(Beihefte zu editio 11). T ü b i n g e n : Niemeyer, 1998. VII, 245 S. I S B N 3-48429511-2. Die Referate sind gruppiert unter den Gesichtspunkten „ Editionsförd e r u n g " (zu der Trägerschaft und den Organisationsformen editorischen
Arbeitens), „ Philologie und Philosophie " (besonders auch Überlegungen zum
Verhältnis der beiden Gebiete), „ Editionen in anderen Ländern " (gemeint ist :
außerhalb des deutschen Sprachbereiches) und „Editionen und EDV-Technik ". Hinzu k o m m e n Beiträge, die der Arbeitsgemeinschaft und ihrer Tätigkeit
selber gelten. An dieser Stelle sollen einzig die Aufsätze zweier Fachkollegen
hervorgehoben w e r d e n : Jürgen STOHLMANN. Was bringt uns die Philologie
nouvelle? (S. 71-88) Er unterzieht die grundlegenden Forderungen der New
philology einer kritischen Prüfung. Er bekräftigt, daß es sachgerecht ist, dem
Autor selber, der Form des von ihm in die Öffentlichkeit entlassenen Werkes
und seinen Intentionen nachzuspüren. Der Rezeptionsprozeß und die Veränderungen, denen ein Text oder Textkonglomerat dabei unterworfen wird, sind
aller Aufmerksamkeit wert, dürfen jedoch das textkritische Interesse am Ausgangszustand nicht verdrängen. Seine Ausführungen illustriert er mit zwei
Dichtungen des Simon Aurea Capra (Chèvre d'Or), 'Ylias' und ' D e apostolicis', von der jeweils mehr als eine auf den Autor zurückgehende Fassung
vorliegt. — Paul TOMBEUR. Science et inconscience: les éditions critiques.
Propositions et esquisse d'une dynamique du provisoire (S. 144-182). Er hält
ein beredtes und leidenschaftliches Plädoyer dafür, daß man beim Edieren
überlieferungsgerecht und nicht besserwisserisch vorgehen soll. Die Befunde
sind nicht im Text selber z u m Zwecke besserer Verständlichkeit zu verändern,
sondern das Irreguläre ist im Apparat zu erklären. In dem aspektereichen
Beitrag, in welchem zahlreiche Erfahrungen mit Editionen des 20. Jahrhunderts fruchtbar gemacht werden, wird einem Ethos der Demut — durchaus
gepaart mit Bescheidwissen — gegenüber dem Überlieferten das Wort geredet.
Übergreifende mediävistische Fragestellungen interdisziplinär zu diskutie­
ren, war das Ziel einer 1 9 9 5 in Landshut abgehaltenen Tagung, deren äußerer
Anlaß ein runder Geburtstag Franz Josef Worstbrocks bildete — eines Germa­
nisten, der sich ebenso intensiv mit den lateinischen wie mit den deutschspra­
chigen Texten in Spätmittelalter und Renaissance befaßt: deren Mit- und Inein­
ander stellt eines seiner großen Forschungsinteressen dar. Dies spiegelt sich
denn auch in den ihm zu Ehren publizierten Tagungsakten: Mediävistische
Komparatistik. Festschrift für Franz Josef Worstbrock zum 6 0 . Geburtstag.
Herausgegeben von Wolfgang HARMS und Jan-Dirk MÜLLER in Verbindung mit
Susanne KÖBELE und Bruno QUAST. Stuttgart: Hirzel, 1 9 9 7 . 3 6 1 S., Abb. im
Text. I S B N 3 - 7 7 7 6 - 0 7 3 2 - 0 . Im Folgenden werden lediglich j e n e Beiträge
genannt, in denen es (auch) u m lateinische Texte des mittelalterlichen Jahr­
tausends g e h t : Hartmut KUGLER. Imago mundi. Kartographische Skizze und
literarische Beschreibung (S. 7 7 - 9 3 ) . Im Z u s a m m e n h a n g mit diesen beiden
unterschiedlichen kosmographischen Darstellungsmethoden ist besonders die
Rede von der 'Descriptio mappae m u n d i ' von Dijon (um 1 1 2 0 / 3 0 ; Hugo von
St. Viktor oder dessen Umkreis, ed. P. GAUTIER DALCHE, 1 9 8 8 ) . — Benedikt
Konrad VOLLMANN. Johann von N e u m a r k t : lateinischer und deutscher Stil
(S. 1 5 1 - 1 6 2 ) . Es geht u m die Bewertung von Stilfragen in der Handhabung des
Lateinischen und des Deutschen bei J. v. N . (kurz vor 1 3 2 0 - 1 3 8 0 ) , der als
Kanzler Karls IV. und als Übersetzer wirkte. — Burghart WACHINGER. 'Eurialus
und L u c r e t i a ' : antike Muster bei der Verständigung über Frauen und Liebe in
Latein und Volkssprache (S. 1 6 3 - 1 7 6 ) . Betrifft die Novelle 'Historia de duobus
amantibus' des Aeneas Silvius Piccolomini (verfaßt 1 4 4 4 ) und deren deutsche
Nachgestaltung durch Niklas von Wyle (um 1 4 1 5 - 1 4 7 9 ) . — Peter GODMAN.
Literaturgeschichtsschreibung im lateinischen Mittelalter und in der italieni­
schen Renaissance (S. 1 7 7 - 1 9 8 ) . Erörterung verschiedener Texttypen, darunter
Schriften De viris illustribus, Autorenviten, Lektürelisten, Accessus ad auctores u. a. m. — Hinzu k o m m e n Beiträge von vorwiegend germanistischem
sowie geistesgeschichtlichem und kulturwissenschaftlichem Interesse. Den
Beiträgen ist j e eine Zusammenfassung der daran anschließenden Diskussion
beigegeben.
Ein vor allem der Iberoromania verbundener Romanist ist vor kurzem mit
einer umfangreichen Festschrift geehrt w o r d e n : Ex nobili philologorum
offi­
cio. Festschrift für Heinrich Bihler zu seinem 8 0 . Geburtstag, herausgegeben
von Dietrich BRIESEMEISTER und Axel SCHÖNBERGER. B e r l i n : D o m u s editoria
Europaea, 1 9 9 8 . X X , 9 9 9 S„ Porträt. I S B N 3 - 9 2 7 8 8 4 - 6 0 - X . Inmitten der
großen Zahl romanistischer Beiträge mit verschiedensten Themenstellungen
sind zumindest deren sechs lateinischerseits von Interesse: Johannes KRAMER.
Wozu brauchen Romanisten L a t e i n ? (S. 1 - 2 3 ) — Joseph JURT. Frühmittelal­
terliche Visionsliteratur vor D a n t e : Walahfrid Strabos Visio Wettini (S. 2 5 - 4 5 ) .
— Fidel RÄDLE. In der Alhambra der Großen Vernunft: z u m Werk des Petrus
Alfonsi (S. 4 7 - 6 0 ) . — Sybille GROSSE. Das Bild der Helena bei Benoit de
Sainte-Maure und Guido de Columnis im Vergleich (S. 6 1 1 - 6 2 7 ) . — Axel
SCHÖNBERGER. Zur Umwertung von Boccaccios De claris mulieribus
in Chri­
stine de Pizans Livre de la cite des dames (S. 673-711). — DERSELBE. Z u m
flektierten
Infinitiv als grammatischer Kategorie im Lateinischen und Roma­
nischen (S. 927-949). Hierbei geht es nicht etwa u m die mittelalterliche
Kasusflexion
averem,
substantivierter
Infinitivformen
wie
biberes,
licerem
oder
sondern u m eine Neubewertung der hergebrachten, dem Konjunktiv
zugeordneten Formenreihen der verbalen Paradigmata auf -arem, -ares usf.
und -avissem,
-avisses
usf.
Z u m Schluß wie üblich ein Blick auf die neu erschienenen Bände ein­
schlägiger Z e i t s c h r i f t e n :
Aus Band 35, 1 (2000) des
'Mittellateinischen
Jahrbuches'
betreffen die folgenden Beiträge Philologisches im engern S i n n e : Johannes
SCHWIND. Eine Nachlese zum T h e m a Dichterreminiszenzen im 'Aachener
(Paderborner) Karlsepos' (S. 11-19). [Betrifft Neufunde bei der Bearbeitung
des Similienapparates zur Neuauflage der Edition von Franz BRUNHÖLZL
(siehe oben unter Editionen).] — Christine RATKOWITSCH. Der 'Liber decem
capitulorum' des Marbod von R e n n e s : ein simplex
et unum
(Teil II)
(S. 21-48). [Fortsetzung des in A L M A 57, S. 338, angezeigten Aufsatzes.] —
David
Robert
HOWLETT. Sixes
and
sevens
in
Anglo-Latin
prologues
(S. 49-70). [Untersuchungen zu numerischen Strukturen in den Prologen des
'Remediarium conversorum' Peters von Waltham (2. Hälfte 12. Jh.) und des
'Philobiblon' Richards von Bury ( 1 . Hälfte 14. Jh.).] — Thomas GÄRTNER.
Das Urteil des Alanus ab Insulis über die 'Alexandreis' des Walter von Chätillon (Anticl. I 166-170) — ein übersehenes Silvenzitat im 'Anticlaudian'
(S. 71-76). [Es geht u m STAT. silv. 4, 7, 21-24.] — Armando BISANTI. Nota a
Gualtiero Anglico, 'Aesopus' 20, 10 (S. 77-80). — Von allgemeiner literatur­
wissenschaftlichem oder geistesgeschichtlichem Interesse sind die Aufsätze
von Giuseppe CREMASCOLI über 'Das Mittelalter als Erneuerung der Kultur'
(S. 1-10) und von Widu-Wolfgang EHLERS ü b e r : 'Liebes-, Lebens-, Ehepart­
n e r : Pontanos 'Amores coniugales' (S. 81-99).
Aus Heft 2 von Band 55 des ' D e u t s c h e n
schung
des Mittelalters'
Archivs
für
Erfor­
sind folgende Arbeiten zu n e n n e n : Thomas
GÄRTNER. ZU den klassischen und zeitgenössischen Vorbildern im 'Liber ad
honorem Augusti' des Petrus von Eboli (S. 477-498). [Bezieht sich auf die in
A L M A 5 3 , S. 218, angezeigte Edition. — Zeitgenössische Vorbilder sind
GALTER. CASTIL. und ALAN. INS.] — Karl UBL. Zur Entstehung der Fürsten­
spiegel Engelberts von Admont (f 1331) (S. 499-548). [Mit Editionspartien im
Anhang.] — Heike GRAHN-HOEK. Eine textkritische Bemerkung zum Panegyricus des Ennodius auf Theoderich den Großen (c. 15) (S. 591-597). [Bezieht
sich auf die in A L M A 55, S. 285, angezeigte Edition.] — Elke GOEZ und
Werner GOEZ. ZU den Urkunden der Markgräfin Mathilde von Tuszien für
Montecassino (S. 599-610). [Betrifft einige Stücke der in A L M A 57, S. 313f.,
angezeigten Edition.]
Der 3 3 . Band d e r ' F r ü h m i t t e l a l t e r l i c h e n S t u d i e n ' (1999) ent­
hält unter anderm : Mark STANSBURY. Early-medieval biblical commentaries,
their writers and readers (S. 49-82). — Bernd ROLING. Der Historiker als A p o ­
loget der Weltverachtung. Die 'Historia A n g l o r u m ' des Heinrich von Huntingdon (S. 125-168). — Stefan SCHULER. Medicina secunda philosophia.
Die
Einordnung der Medizin als Hauptdisziplin und die Zusammenstellung ihrer
Quellen im 'Spéculum m a i u s ' des Vinzenz von Beauvais (S. 169-251). —
Christel MEIER. Bilder der Wissenschaft. Die Illustration des 'Spéculum
maius' von Vinzenz von Beauvais im enzyklopädischen Kontext (S. 252-286,
Tafeln X - X X X V ) . — Baudouin VAN DEN ABEELE. Le ' D e animalibus' d'Aristote dans le monde latin : modalités de sa réception médiévale (S. 287-318).
— Rüdiger SCHNELL. Konstanz und Metamorphosen eines Textes. Eine überlieferungs- und geschlechtergeschichtliche Studie zur volkssprachlichen
Rezeption von Jacobus' de Voragine Ehepredigten (S. 319-395). Beigegeben
sind dem Band Berichte über den Münsterer Sonderforschungsbereich 2 3 1 ,
'Träger, Felder, Formen pragmatischer Schriftlichkeit im Mittelalter' und über
das Graduiertenkolleg 'Gesellschaftliche Symbolik im Mittelalter'.
Aus dem Band 113 (2000) der ' W i e n e r S t u d i e n ' seien die folgen­
den Beiträge herausgegriffen : Kurt SMOLAK. Der H y m n u s für j e d e Gebets­
stunde (Prudentius, Cathemerinon 9). Eine interpretierende Analyse (S. 215236). — Rainer JAKOBI. Ps.-Ambrosius, D e pudicitia et castitate (Clavis 176).
Edition und Kommentar (S. 237-243). [Dieses vermutlich in Nordafrika oder
Italien vor 450 verfaßte Mahnschreiben wird nach den Hss. Fulda theol. A a 9
und Milano, Ambr. D 268 inf. ediert.] — Vincenzo ORTOLEVA. Note criticotestuali ed esegetiche al primo libro dei Digesta artis mulomedicinalis
di
Vegezio (S. 245-280). — Thomas HAYE. Ein ungeliebter Lyriker des 12. Jahr­
hunderts. Beobachtungen zu den kleineren Gedichten des Stephan von Rouen
(S. 281-300). [Dieser wenig bekannte Dichter, M ö n c h des normannischen
Klosters Bec, wohl etwa 1110/20 bis nach 1170 lebend, hinterließ, neben dem
Epos 'Draco N o r m a n n i c u s ' , in der Hs. Paris B N F lat. 14146 carmina
minora
im Gesamtumfang von immerhin 2043 Versen. Nach einer historisch-biogra­
phischen Einführung werden die „ texttypologische Zuordnung ", „ chronolo­
gische und sachliche Bezüge " sowie „ das poetologische P r o g r a m m " behan­
delt.] — Christine RATKOWITSCH. Mittelalterliches in der Hirtendichtung des
Giovanni Boccaccio (S. 301-334). [Vor allem geht es u m die Einwirkungen
von MART. VALER. buc. und ALAN. INS. Anticl.]
3
Innerhalb des Bandes 109 (1998) der ' S t u d i e n u n d M i t t e i l u n g e n
zur Geschichte des B e n e d i k t i n e r o r d e n s und seiner Z w e i g e ' sind zu
erwähnen : Peter ORTH. Eine ungedruckte Papsturkunde für die Benediktiner­
abtei Montiéramey. Zugleich ein Beitrag zum Briefstil des Nikolaus von
Clairvaux / Montiéramey (S. 69-89). [In der hier edierten und besprochenen
Urkunde Hadrians IV. (1154/59) ist implizit Nikolaus von Clairvaux genannt ;
in dessen Sermo 12 werden Anklänge an Briefe Hildeberts von Lavardin namhaft gemacht.] — Camilla BADSTÜBNER-KIZIK. Übersetzung der Vita Paulinae
des Sigeboto und Kommentar (S. 91-184). [Betrifft SIGEBOTO Paulin. (Mitte
12. Jh.). Die deutsche Übersetzung dieser recht umfangreichen Vita der Patronin von Paulinzella ist mit ausgiebigen Erläuterungen versehen; in Form
eines ausgebauten Nachwortes werden allgemeinere T h e m e n behandelt. Unter
den bisherigen Arbeiten der Verfasserin zu diesem T h e m a sei wenigstens ihre
(seinerzeit hier übergangene) Berliner Dissertation von 1992 nachtragsweise
verzeichnet: C B ' - K ' . Die Gründungs- und Frühgeschichte des Klosters
Paulinzella und die Lebensbeschreibung der Stifterin Paulina. Sigebotes Vita
Paulinae als Denkmal hirsauischer Reformliteratur des 12. Jahrhunderts. Eine
reform-, literatur- und sozialgeschichtliche Untersuchung. (Uni Press Hochschulschriften 41). M ü n s t e r : Lit Verlag, 1993. 216 S. I S B N 3-89473-612-7.
— Unter den Beiträgen in Band 110 (1999) seien hervorgehoben: Hubertus
LUTTERBACH. „ Ein Herz und eine Seele ... ". Peter Abaelards Lebensregel für
Klosterfrauen (S. 99-123). — Christoph FASBENDER. T h o m a s Finck als Übersetzer, Textbearbeiter und Autor (S. 147-167), s o w i e : Klaus GRAF. Zur Biographie des T h o m a s Finck (S. 169-173) [Betrifft den aus Heilbronn stammenden Benediktiner Thomas Finck, u m 1500 wirkend.] — Christine
GLASSNER. Verzeichnis der im Nachlaß der Melker Historiker Bernhard und
Hieronymus Pez erhaltenen Briefe (S. 195-243). [Materialien zur Forschungsgeschichte; bekannt geblieben ist vor allem Bernhard Pez (16831735) als Herausgeber des 'Thesaurus anecdotorum novissimus'.]
In Band 11 (1998) von ' M e d i ä v i s t i k , Internationale Zeitschrift für
interdisziplinäre Mittelalterforschung' ist einschlägig: M . J. FITZGERALD.
Richard Brinkly, 'An istud syncategorema omnis sit pars subiecti'. An édition
of the unpublished text together with a discussion (S. 135-152). [Brinkly war
ein Logiker und Theologe des 14. Jahrhunderts.]
Aus Band 26/1 (1999) der Zeitschrift ' F r a n c i a ' sind hier folgende
Beiträge zu nennen : Monique GOULLET. In vera visione vidi, in vero lumine
audivi. Écriture et illumination chez Hildegarde de Bingen (S. 77-102). —
Bertrand SCHNERB. Troylo da Rossano et les italiens au service de Charles le
Téméraire. Avec deux pièces justificatives (S. 103-128). [Die anhangsweise
edierten Belegstücke sind lateinisch geschriebene Anstellungsverträge Karls
des Kühnen mit italienischen Edelleuten.] — Ludwig FALKENSTEIN. Das Grand
Cartulaire der Abtei La Sauve Majeure und seine Papsturkunden (S. 155-183).
[Mit der Edition von vier Urkunden im Anhang.]
Zürich
Peter STOTZ
Fly UP